Meulen, Anton Franz van der, Maler, wurde 1663 zu Brüssel geboren, und da seine Eltern in ihm ein entschiedenes Talent für die Malerei bemerkten, übergaben sie den Knaben der Leitung des P. Snayers. Der junge v. d. Meulen machte bald die erfreulichsten Fortschritte, und besonders war es die Landschafts- und Schlachtenmalerei, in welcher er seinen Ruhm gründete. Der Minister Colbert, der einige Bilder von ihm gesehen hatte, berief ihn nach Frankreich , und selbst Le Brun rieth ihm zu dieser Einladung. Meulen kam gerade zu jener Zeit nach Paris , als Ludwig XIV. nach den Niederlanden zog, und der Künstler musste ihn begleiten, um die Siege des Königs im Bilde darzustellen. Er malte da alle Belagerungen und Festungen, alle Angriffe, Schlachten und die Einnahme von Städten, kurz alle glücklichen Erfolge des Königs, dies Alles in einer eigenen landschaftlichen Weise. Eine Anzahl seiner Gemälde bilden also eine Geschichte der Siege dieses Königs, und man schätzt diese Werke wegen ihrer genauen Bezeichnung der Lokalität und wegen des Costüms sehr hoch. Van der Meulen genoss auch grosses Ansehen in Paris, da er überdies auch mit dem damaligen Kunstdespoten Ch. Le Brun in Verwandtschaft stand. Dennoch fehlte es ihm nicht an Verdrüsslichkeiten, die ihm besonders die schlechte Aufführung seiner Frau, die Enhelin Le Brun’s, verursachte, und welche ihn 1690 ins Grab stürzte.
In früher Zeit waren die meisten seiner Arbeiten im Schlosse zu Marly, 290 an der Zahl; gegenwärtig sind 15 im der Sammlung des Louvre, unter welchen sich die Ansicht von Fontainebleau, der Einzug des Königs in Dinant, in Arras, in eine andere Stadt, und der Blick auf Luxemburg besonders auszeichnen. Andere sind zu Versailles in der Zimmerreihe, welche die Prachtgemächer Ludwig XIV. bildeten, S. Kunstblatt 1837 No. 71.
Descamps, Watelet und Taillasson gaben unter den früheren Schriftstellern Critiken über van der Meulen. W. Watelet bedauert es, dass dem Künstler Fesseln angelegt wurden, indem er, statt sein Talent frei walten zu lassen, gewissermassen nur Portraite von Schlachten geben musste, deren Gemälde bei der Nachwelt einen grossen Theil des Interesses verlieren müssen, wie Watelet meint. Dann rühmt er die Richtigkeit der Zeichnung, die geistreiche Pinselführung, die Anmut seiner Himmel und Fernen, die Schönheit der Farbe, die jedoch an Lebhaftigkeit jener des Bourgoyau nachsteht, und dann hebt Watelet noch die Leichtigkeit des Baumschlages, die Frische der Landschaft, und die glückliche Vertheilung der Massen hervor. Taillasson hält ihn für den ersten aller Schlachtenmaler der neuern Zeit, dessen Originalität eben so sehr in der Wahl der Gegenstände als in der Behandlung derselben sich ausspreche. Einen ausgezeichneten Zug von Meulen’s Talent findet er darin, dass der Künstler französische Formen mit fläm mischem Colorite gemalt, das Charakteristische der Personen seiner Zeit richtig erfasst, und doch dabei von der Schönheit seiner Farbe nichts eingebüsst habe. In seinen Schlachten könnte jeder Soldat die Stelle erkennen, wo er gelocht u. s. w. Auch Dr.
Waagen, Kunst und Künstler etc. IM. 579, spricht sich über diesen Künstler aus. Er sagt, Meulen habe für die Landschaft die wahre und anziehende Auffassungsart von van Uden und Wildens ähnlich hartgesetzt, und sie durch porträtiert behandelte Staffage von Reitern und Fußvolk mannigfach zu beleben gewusst. Den Ton findet Waagen kräftig und wahr, wenn gleich in der Landschaft zu allgemein grün, seine Pferde etwas einförmig — Seine Bilder sind nicht selten; es finden sich solche in mehreren Sammlungen; Ansichten von Städten, Schlössern, Landhäusern, Schlachten, Cavalcaden u. a., häufig wohl ausgeführte, mit Zartheit behandelte Bilder. Auch nach Italien haben sich solche verbreitet; in der k. Gallerie zu Turin sind die Thaten des Prinzen Thomag von Sayoyen. Mehrere seiner größeren Bilder dienten in der Manufaktur der Gobelins zu Paris als Vorbilder zu Tapeten.
J. van Huchtenburg hat nach seinen Bildern gestochen, und darunter ist ein aus drei Platten bestehendes Werk, welches den Zug Ludwig XIV. und seiner Garden über den Pont-Neuf nach dem Louvre vorstellt. Auch Baudouins, die Bonnart, N. Cochin, Ertinger, G. Allard, Ingouf, Avril haben nach ihm gestochen. Die Landschaften mit Herzügen, Jagden, Figuren um Tiere, welche Baudouins gestochen, sind im Nigal’schen Catalog auf 35 Stücke bestimmt, in jedem Formate. Das ehemals auch im Musée Napoleon befindliche Bild des Übergangs über den Rhein 1672 hat Simoncau gestochen. Duplessis-Berteaux ätzte für das Musée français ebenfalls die Passage du Rhin, dann Vue de Dinant und Prise de Courtray. Laurent, Dandet und Lorieux haben diese Blätter mit dem Grabstichel vollendet. Die Blätter, welche Baudouins, Huchtenberg, Bonnart u. a. nach van der Meulen’s Gemälden und für dessen Verlag stachen, werden auf 101 angegeben, und wenn man jene von A. Goenels noch dazu rechnet, so sind es wenigstens 138.
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