Metzu oder Metsu, Gabriel, Maler, wurde 1615 zu Leyden geboren, man weiß aber nicht, in welcher Schule er die Kunst erlernt habe. Wahrscheinlich gab ihm das Studium der Werke des G. Dow und Terburg den meisten Vorschub, so wie denn auch Metzu neben Terburg unter den Meistern des höheren Genrefaches zu nennen ist. Er genoss zu Amsterdam schon in seiner Jugend den Ruf eines vortrefflichen Künstlers, doch trübte ein Leiden seine Tage, so dass er sich in seinem 43. Jahre einer Steinoperation unterwerfen musste. Dies füllt in das Jahr 1658, und bei dieser Gelegenheit lassen ihn d’Argensville, Descamps, Mannlich u. a. sterben, was unrichtig ist, indem der Künstler noch lebte. Dagegen kennt man sein Todesjahr nicht. Mehrere Schriftsteller sprechen sich über die Verdienste dieses Künstlers aus, Watelet, Descamps und Fiorillo gehören zu den älteren, und alle erkennen im Colorite die Nachahmung van Dyck’s. Descamps spricht ihm mehr Geschmack zu, als dem Micris, während er in sorgfältiger Ausführung beide gleich stellt. Er erkennt in Metzu’s Werken auch eine treue Nachahmung der Natur, aber nur der schönen, in den Köpfen, so wie in den übrigen Teilen des Körpers. Descamps schlägt es sehr hoch an, dass der Künstler z. B. ein rothes Kleid, und hinter demselben einen rothen Vorhang in der schönsten Abstufung der Farbe habe malen können, da er die Gesetze der Harmonie vollkommen anzuwenden wusste, Watelet lobt ebenfalls die edle Wahl seiner Figuren, die graziösen Köpfe und die ungezwungenen Stellungen seiner Figuren, und dann auch die geschmackvolle Zeichnung derselben. Er setzt zwar seine Bilder nicht über jene des G. Dow, in Metzu’s Werken lobt er aber die freiere und breitere Pinselführung, und dass Metzu die Farben nie gepeinigt habe. Watelet sagt ferner, Metzu habe nicht nötig gehabt, einander entgegengesetzte Farben anzubringen, um die Gegenstände abzusondern, bei ihm habe die Verschiedenheit der Nuancen, der Substanzen, und der Stelle, worauf sie sich befanden, hinreichend gewesen, um Gegenstände von gleicher Farbe in Haltung zu bringen, eine Praktik, die das Resultat seines Studiums der Verdichtigkeit der Luft nach den verschiedenen Distanzen sei. So etwas ähnliches sagt auch Fiorillo, der die vorzüglichste Kunst des G. Metzu in einer gewissen Abstufung der Gegenstände und in seinem Helldunkel findet, wodurch der Künstler alle Gegenstände schärfer unterschied, als durch Veränderung der Farbe. Dr. Waagen, Kunst und Künstler etc. II S. 505, sagt, eine sehr wahre und fein gefühlte Auffassung, eine treffliche Zeichnung, eine meisterhafte Haltung, und eine zwar delicate, doch freie und geistige Behandlung mache Metzu’s Bilder fast zu den anziehendsten dieser Gattung. Dann benachrichtet Waagen, dass keine Gallerie so viele Werke aus des Künstlers mittlerer, war-
mer, fleissiger Zeit; worin er zugleich vortrefflich impastirte, auf- zuweisen habe, ‚als die Gallerie des Louvre zu Paris,
Eines dieser Bilder stellt ein elegantes Zimmer vor, in welchem eine Dame mit dem Glase Wein in der Hand einen Offizier em- pfängt. Neben ihr ist der Page mit dem ‚Präsentirteller‘ und ein
paniel. Die grosse Eleganz, die bewunderungswürdige Klarheit des tiefen Goldtons, die seltene Zartheit des geistreichen Vortrags machen dieses Bild zu einem der schönsten des Meisters. Ein zweites Bild stellt eine Frau vor, die sich im Bier gütlich tut. Der launige Ausdruck ist hier nach Waagen dem Freunde Metzu's, Jan Steen, verwandt, die Färbung eben so gesättigt als glühend. Das Gegenstück zu diesem Bilde, eine Apfelschälerin, ist härter und leerer in den Formen, schwerer und speckiger im Ton. Ein Hauptbild des Meisters, ebenfalls im Louvre, stellt den Amster- damer Gemisemarkt vor. Während eine Händlerin auf eine an- dere Frau loschimpft, hört ein hübsches Mädchen auf die Rede eines jungen Mannes. Gemüse, Geflügel und ein Hund bilden die nächste Umgebung. Die Figuren des zweiten Planes werden meist von einem Baum beschattet. In diesem Bilde sind Motive und Ausdruck lebendig, die helle, aber warme Wirkung des Sommer- lichtes trefflich, die Ausführung sehr zart, indess die Composition im Verhältniss zum Umfange etwas arm ist. Es ist in Allem dem Hahnverkäufer der Dresdner Gallerie sehr nahe verwandt, und wahrscheinlich ebenfalls 1662 gemalt: Dieses Gemälde wurde 1776 in der Sammlung von Blondel de Gagny mit 25800 Frs. bezahlt, —
Ein anderes Gemälde des Louvre stellt eine Dame am Clavier dar, wie hinter ihrem Stuhl der Lehrer steht. Dieses Bild, welches schon 1777 in der Sammlung R. de Boisset's mit 5000 Frs. bezahlt wurde, ist eben so warm und harmonisch im Ton, als zart in Be- handlung. Ein anderes daselbst befindliches, und schon in den Sammlungen Choiseul, Conti und Vaudrenil bekannte Bild, zeigt am Bogenfenster den Arzt, mit Lesen beschäftigt. Die Epheublät- ter am Fenster sind, wie bisweilen bei diesem Meister, blau ge- worden; sonst ist das Gemälde wahr und fein. Die Ehebrecherin vor Christus, in derselben Gallerie, macht nach Waagen einen, dem Eckhuut verwandten Eindruck, die grosse, sonstige Schwäche beweist indess, dass Metzu nicht zum Historienmaler berufen war, wie Wangen bemerkt. Dann ist im Louvre auch ein Bildnis von diesem Künstler. Es stellt den Admiral Tromp im Hut und mit einem Spazierstock dar, lebendig, in klarer Färbung.
In der Gallerie des k. Museums zu Berlin ist von Metzu das Familiengemälde eines vornehmen holländischen Patriziers. Dr. Kugler (Beschreibung des Museums S. 256) sagt, hier athme alles den grössten Prunk und Reichthum, alle Glieder der Familie vom Vater herab bis auf das Töchterchen im Arme der Wärterin seien auf das prächtigste costumirt, und alle in zierlich steifer, vorneh- mender Haltung; den Vater besonders in seiner brüsken Stellung, und in seinem wohlgenährten, wenig bedeutenden Gesichte, könne man als eine lebendige Personification des Bürgerstolzes bezeichnen. Doch ist dieses Alles vom Künstler nicht ohne eine ansprechende Na- turaufgabe gefasst. Das Zimmer, worin die Familie sich befindet, ist mit einer kostbaren Tapete und einem großen halbverschleierten Land- schaftsbilde geziert. Die ungewöhnliche Feinheit und Zierlichkeit in der Behandlung, besonders in Darstellung der Stoffe, steht mit dem Gegenstande im Einklange: Die Carnation hat ein zartes, wenn gleich nicht sonderlich tiefes Leben: Ein anderes Bild des
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Im Museum stellt den Besuch des Arztes bei einer kranken Dame dar.
Sie sitzt in blauseidenem Gewande und Pelzüberwurf ermattet im Lehnstuhle, das Gesicht und Auge empor gerichtet, und vor ihr steht der Arzt in schwarzer Tunika und mit der Allongenperücke, wie er den schönen Arm der Dame gefasst, um den Puls zu fühlen. Zugleich zeigt er, tröstlich beruhigend, auf das Por- trait eines stattlichen Herrn an der Wand. Dieses schön gedachte Bild ist nicht ohne grosse Vorzüge im Einzelnen, befremdlich ist aber die Härte in der Bezeichnung der verschiedenen Stoffe, die
mangelhafte Bildung der Hände des Arztes; noch mehr das Co-
stüm an sich. Die gepuderte Allongenperücke des Arztes, die des Herrn auf dem Portraite, der gestickte Leibrock, den letzterer über seinen Brustharnisch trägt, dürften nach Kugler auf eine spä- tere Zeit deuten.
In der k. Gallerie zu Dresden ist ein vorzügliches Gemälde, welches einen Hahnverkäufer vorstellt, mit der Jahrzahl 1662. Die- ses Gemälde haben wir schon oben bei Gelegenheit der Beschrei- bung der Bilder im Pariser Museum erwähnt. Das Gegenstück ist die Wildprethändlerin. Ein anderes Gemälde stellt den G. Metzu und seine Frau dar. Fiorillo erwähnt noch als in Dresden befind- lich das Bild eines Offiziers, der einen Brief liest, während der Trompeter auf seine Befehle wartet.
In der k. Pinakothek zu München ist ein köstliches Bild, vom klarsten Tone und von sorgfältiger Vollendung, die Halbfigur einer holländischen Köchin vorstellend, wie sie in der Speisekammer den Bratspiess mit einem Huhn hält. Zur Seite hängt der Haase. Nicht minder trefflich, von großer Lebendigkeit der Dar- stellung, ist daselbst das Gemälde mit einer Gesellschaft zu Tische in einer holländischen Bauernstube, welche das Fest des Bohnen- königs feiert. Es ist dies ein Hauptbild des Meisters.
In früheren Schriften werden noch mehrere andere Bilder des Meisters erwähnt, und namentlich wollte H. v. Burtin wahre Mei- sterstücke des Künstlers besitzen, wie er wenigstens in seinem Traite theorique et pratique II. 241 f. angibt. Da beschreibt er ein Hauptbild von köstlicher Vollendung und von glänzender Wir- kung, welches eine ohnmächtige Dame in ihrem Schlafzimmer vor- stellt. Eine Dienerin kommt mit dem Fläschchen, und die Toch- ter weint neben der Mutter. Burtin sagt, die holländische Schule habe kein Gemälde aufzuweisen, wo die Stoffe mit größerer Wahr- heit in allen Nuancen gegeben sind. Das zweite Bild stellt einen holländischen Admiral an der Tafel vor, mit reichen Beiwerken. Er hält ein langes Weinglas, sein Sohn isst, und die schöne Toch- ter unterhält sich durch ihren Gesang. Auch ein Page und ein Hund sind dabei. Burtin erklärt dieses Bild in allen Theilen für erstaunlich. Ein drittes Bild betitelt er: Le goüter de la Fermière hollandaise. Die Pächterin ist in der Küche mit Zubereitung von
Butterschnittchen beschäftigt, das Kind spielt unterdessen mit dem Hunde, und überall herum sind Tafelvorräthe. Nach Burtin ist dieses Gemälde von sehr kräftiger Wirkung, und von ausserordent- licher Schönheit der Hund, der das größte Licht hat. Das vierte
Bild des H. v. Burtin ist das Bildnis einer Dame der Patrizierfa- milie Heldenvir, 1604 in ihrem 45. Jahre gemalt, fast in Lebens- größe.
An diese Gemälde reihen wir noch einige Stiche nach seinen Werken, nach dem Alphabet der Namen der Künstler:
Andouin, P., Militaire faisant servir des rafraîchissements à une jeune femme.
Avril, l’Automne 1783
Boizot, M.L. A., La hollandaise & son clavecin 1767; — Déjeûner de la hollandaise, 1787.
Chataigner, La musicienne hollandaise, von P. Audouin mit dem Stichel vollendet, Mus. frang. ]
Covens, J. exc., ein Holländer mit Glas und Pfeife.
David, F., La liseuse hollandaise; — Le chasseur hollandais; — Le marché aux herbes d’Amsterdam.
Daull&, La peleuse de pommes, 1762; — La riboteuse hollandaise, 1764.
Denon; der Philosoph.
L’Evesque, La toilette hollandaise.
Frey, J. P. de, Christus geneest de moeder van Petrus.
Gole, J., die Dame, deren Gesang der Mann auf der Violine begleitet.
Greenwood, die Holländerin betrachtet während der Arbeit den Papagey. Mezzotinto.
Halbau, L., eine Frau am Tische, deren Gesang ein Mann auf der Violine begleitet, 1771.
Hanfstängel, F., der Wildprethändler, nach dem Originale in Dresden lithographirt, für das Dresdner Galerie-Werk. Das Gegenstück ist die Wildprethändlerin, in derselben Galerie und von Hanfstängel lithographirt. Ein drittes lithographirtes Blatt stellt den Künstler mit seiner Frau dar.
Henriquez, B. L., der Kranke und der Arzt, 1774.
Ingomf jun., die Frau an der Toilette von ihrem von der Jagd heimkehrenden Manne überrascht.
Lingeöe, L. Ch., die Frau, welche sich während der Ankunft eines Mannes die Hände wäscht.
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