Metzger, Eduard – 191,
praktischen Theil der Baukunde, insbesondere durch eigenes Hand- anlegen mit den verschiedenen Handwerken vertraut wurde...
Vom Jahre 1825–28 besuchte er die Akademie in München unter Leitung des rühmlichst bekannten Herrn Oberbaufachs von Gärtner, und zeichnete sich dort durch Phantasie und schnelle
Auffassungsgabe aus. Gleichzeitig hörte er an der Universität zu München die Fachcollegien.
Vom Jahre 1820 an prakticierte er auf der k. Hofbauintendanz un- ter Leitung des berühmten H. v. Klenze, und machte im Jahre 1851 die Staatsprüfung in Bayern für das gesammte Bauwesen.
Im Jahre 1851 ging er zur weiteren Ausbildung im Baufach nach Griechenland . Diese Reise macht einen Lebensabschnitt in der Bildungsgeschichte unsers Künstlers. Das Studium der klassischen An-
tike, das ihn kräftigte, wurde von demselben mit warmem Sach-
eifer betrieben. So erschien (uns bewusst zum erstenmale, dass er öffentlich aufgetreten,) im Jahre 1835 (siehe Kunstblatt vom 23. März) ein Abriss über altgriechische Kunst, worin er auf das Man-
uelhafte an Zeichnungsammlungen und Werken hindeutet, welche über altgriechische Baukunst erschienen sind. Die Hindeutungen auf polychrome Architektur, über welche er in der Neuzeit zuerst aufhob, schienen bestimmt, in den folgenden Jahren
weiter ins Leben geführt zu werden; im übrigen schien diesem Aufsatz die Idee einer vorläufigen Anzeige später folgender Ent- wicklungen untergelegt zu seyn.
In demselben Jahre 1833 wurde Metzger zum Professor an der k. polytechnischen Schule in München ernannt, und beschäftigte sich
nebenher auch mit Malerei, um, wie er sich selbst ausdrückte, mit dem Allgemeinsten der Technik der Malerei vertraut zu werden, überhaupt in einem Zweige der Kunst nicht fremd zu bleiben, der mit der Architektur so nahe verwachsen ist. Nachdem er mit der Malerei so vertraut geworden, als ihm unumgänglich nötig schien, verfolgte er von Neuem sein Ziel.
Im Jahre 1837 (s. Wiener Bauzeitung Nr. 21–26 mit 5 Zeich- nungen) schrieb er: „Ueber die Einwirkung der Gesetze der Con- struction bezüglich auf die Formgestalt der Bauwerke.“ Zum
erstenmale erschienen hier interessante Mittheilungen über die Structur der griechischen Tempel. Diese Abhandlung ist eben desshalb um so wichtiger, als der Verfasser nachweist, wie be- stimmt dieselbe nicht nur auf die allgemeinste Tempelform, sondern auch auf die Gestaltung der feineren Theile einwirke. Wie sehr aber auch derselbe das Wesen des griechischen Tempelbaues durch- drungen und aufgefasst, und sich bemüht hat, das allgemein Gültige ins Leben der Architektur hinüberzuführen, so hören wir ihn
hier doch eben so selbstständig und vorurtheilfrei von der Wesen- heit anderer Baustyle reden, dies aber in einer ganz neuen, ihm eigenthümlichen und anschaulichen Weise allgemein vorführen. Sein
Urtheil gründet sich auf Studium und eigene Anschauung, und so ist dieser Aufsatz nach seiner Ueberzeugung geeignet, eine ganz andere
Idee über Bedeutung und Gesetze der Architektur zu geben, was der
Verfasser indess in einer Weise gethan hat, dass man sich wundert, wie man nicht längst eben so gedacht habe. Hiefür gebührt ihm der Dank des Gebildeten, und wenn auch der Aufsatz zu gedrängt ist, um die Materie zu erschöpfen, gleichsam alle Saiten nur leicht
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Metzger, Eduard.
berührt sind, so entschuldigen wir den Verfasser um so bereitwilliger, als aus dem dort von ihm gegebenen großen Überblick über Lehrwerke hervorsieht, dass er, sich selbst zu genügen, eine große Zahl ausführlicher Zeichnungen nötig hatte, um diese Materie dem ganzen Umfange nach zu ordnen. Es ist uns bekannt, dass sich unser Künstler viel Mühe gegeben hat, ein solches ausführliches Prachtwerk über Architektur ins Leben zu rufen, und wir haben damals selbst den Theseustempel, circa in 20 Blättern, mit sämmtlichen antiken Wandmalungen hiezu bearbeitet, bei ihm gesehen; allein er scheint von seinem Vorhaben, uns unbewusst weshalb, abgekommen zu sein, da er jene Idee dermaßen gänzlich ausser Auge gesetzt zu haben scheint. Wir würden sehr bedauern, wenn das Letztere der Fall sein sollte, und fügen nur die Bemerkung hinzu, dass die Art, wie der Künstler die polychrome Architektur an dem genannten Theseustempel aufgefasst und wiedergegeben hat, der Blütezeit der griechischen Kunst nicht allzu fremd sein dürfte.
Wir machen im Übrigen dem Künstler mit Recht den Vorwurf, dass er seine Schätze nach allen Richtungen zersplitterte, und wenn dies einstweilen aus der Art und Weise, wie er seine Bemerkungen über Architektur erscheinen liess, hervorsieht, so war dies um so mehr der Fall, da er für den Herrn Baron von Davidoff das Parthenon auf der Akropolis zu Athen in 20 Zeichnungen bearbeitet hat, welcher derselbe in seiner Reise im Orient, die in russischer Sprache erschienen ist, mit herausgegeben hat. Und so tritt er uns mit jener, vielen Künstlern eigenen, sorglosen Originalität entgegen, nur so lange, um die Sache bekümmert, als sie unter den Händen ist.
Im Jahre 1838 und 1839 (s. Münchner Jahrbücher über bildende Kunst) trat derselbe ferner mit „Untersuchungen im Gebiete der Architektur“ auf, und zeigt hierin von Neuem, wie sehr ihn die einmal ergriffene Sache architektonischer Reformen beschäftigt. Er stellt Gesetze auf, ohne sie auszusprechen, und hat durch Thatsachen, die er zur Anschaulichmachung in Zahlen ausspricht, die Säulenlehre Vitruv’s der Natur und Sache nach als verhältnismäßig dargelegt. Schon in der Einleitung zu diesen Untersuchungen hat er manche wundervolle Stelle hinterlassen, die er zwar eben so gutmüthig machte, als er sie verlässt; im Übrigen aber ist diese Abhandlung eben so ernster, als für die Architekten wohl zu beherzigender Natur. Er weist mit starken Zügen auf das Naturgesetz hin, dem die Kunst unterthänig sein muss, und berührt nicht nur das ganze innere Leben der Architektur, sondern bezeichnet auch, in so weit dies mit Worten allein möglich ist, das, was über die wesentlichste Erscheinung der dorischen Säulenordnung gesagt werden, und in dem vom Verfasser ergriffenen Endzweck liegen kann, möglichst umfassend. Auch in dieser Abhandlung begegnen wir seinen Bemerkungen über Profile und Ornamente; auch hat er sich über den höheren Anteil, den die Kunst in Gestaltung selbiger haben müsse, nach reiner künstlerischer Überzeugung ausgesprochen, und in kurzen Zügen einen Abriss seiner Empfindungen gegeben. Um so erfreulicher ist uns daher sein 1. J. 1830 erschienenes ausführliches Werk über „griechische Bauprofile und die Lehre der Profilzeichnung.“ In diesem Werke beweist der Künstler, dass er seine Materie völlig beherrscht, und ihm auch in Zeichnung leicht wird, sich völlig auszusprechen. Dass der Verfasser dieser schein-
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bar höchst trockenen Sache einen ganz neuen Anzug gegeben, und die starre Form entfesselt hat, davon zeugt jeder Blick in dieses classische Werk; über welches auch das öffentlich ausgesprochene Urtheil des großen Architekten von Schinkel in Berlin dahin geht, dass darin die fragliche Sache vollkommen erschöpft sei, und sich nichts Weiteres künftig hinzufügen liesse. Somit wäre es uns bewusst, das erste architektonische Lehrwerk, was in sich be- gonnen und vollendet anzusehen ist,
Wir fügen hiezu den Wunsch, es möchte ähnlich wie dieses über „Profile“ ein anderes über Ornamente folgen, um so mehr, als sich viele hiesige Künstler mit Augen überzeugten, dass er eine Reihe von Ornamenten aus unsern deutschen Pflanzenformen ge- schöpft, und zum Gebrauch für Plastik und Architekturmalerei dermalen schon gezeichnet hat. Metzger's Idee ist da ganz neu und überraschend, und es liegt jetzt die Aufgabe gelöst vor Augen, auch unsere Natur habe in den scheinbar unbedeutendsten Kräutern Formen geliefert, die mit der klassischen Antike in jeder Bezie- hung wetteifern, und es gehöre nur das Auge des aufmerksamen Künstlers dazu, selbe hervorzusuchen und seinen Zwecken anzu- passen. Ü
In demselben Jahre 1839 lieferte Metzger in einer Reihe von circa 20 Zeichnungen Entwürfe zu einem Monument für den höchstseligen Kaiser Franz, und zur Neuanlage eines Strassenzu- ges in der Stadt Prag. Wenn dieses Werk, das, bevor es abge- schickt wurde, viele Künstler und Kunstfreunde geschätzt haben, zur Ausführung käme, würde Prag unstreitig eines der reinsten classischen Werke der Neuzeit in’s Leben rufen. Es bürgt hierfür das einheitliche Urtheil Aller, die es gesehen, und sie haben sich eben so lobend über die Bedeutsamkeit des Werkes, als über den Gesamteindruck der Neuanlage ausgesprochen. Es war gerade die Auffassung der Neuanlage um schwieriger, als der Künstler von dem ganzen Reichthum architektonischer Hülfsmittel keinen umfassenden Gebrauch machen durfte, und er hat somit nur in der glücklichen Anreihung der einzelnen Gebäude diesen Eindruck her- gebracht; es ist dies aber in einer so einfach natürlichen Weise geschehen, dass sich gleichsam die Kunst in der Sache selbst auf- öst, was um so schwieriger, als hierin überhaupt nur der Gehalt eines Kunstwerkes verbürgt ist.
Während überhaupt das edle Verhältniss, welches das Ganze und die Theile belebt, aus wohlbeachtetem Maass und Ziel hervor- geht, die Hauptmassen zur Harmonie des Ganzen weislich und wirksam verteilt sind, so finden wir überhaupt in der Abrundung und Durchbildung der Theile, im Profile und Ornament, hier in der That gezeigt, was er in seinen Schriften oft ausgesprochen hat. So erscheint uns an diesen Zeichnungen die Bemalung wohl am Platze; sie trägt überraschend zur Belebung des Ganzen bei, aber sie ist so sparsam verteilt, dass sie nur hie und da den Grund, worauf eine Verzierung steht, deckt. Der Künstler hat wohl verstanden, mit Wenigem die größtmögliche Wirkung zu erhalten, den ganzen Reichtum in ein Paar gedachte, von Aussen sichtbare Säulenlauben zu concentriren, wodurch ihm gelungen, mit ein Paar Verzierungen dem Ganzen das Ansehen, wenn auch nur eines illusorischen Reichthumes zu geben. Auf diese Weise den Gebrauch der Farbe verstanden zu sehen, lassen wir uns wohl gefallen, und sind von ihrer Wichtigkeit dermalen für die Archi-
Nagler's Künstler - Lex, Bd. IX, 43
1941 Metzger, Caroline. — Metzler, Johann Jakob.
Textur unbedingt überzeugt, so wie wir hier ganz neuen Reiz in vielen Dingen gefunden, deren Werth erst die Ausführung klar macht: ;
Es ist begreiflich, dass den Architekten von Fach die glücklichsten Constellationen begünstigen müssen, um sich geltend zu machen, was nicht selten dem begabtesten Künstler versagt ist, aber gerade desshalb erwarb sich Metzger ein um so größeres Verdienst und Lob, als er bei dem vielen Neuen, das er schon gegeben und in Zeichnung und Schrift entwickelt hat, ohne weitere Unterstützung oder Aneiferung nur auf seine eigene Kraft
redueirt, sich Anerkennung verschafft hat, und wir wiederholen ihm nochmals, dass freudig begrüßt ist, was er geleistet. Er bedurfte dazu keiner Aufmüpung, denn wir wissen wohl, dass der, welcher zu einer Sache geboren ist, unbekümmert aller Resignationen, die ihm der Verfolg derselben auferlegt, in ihr selbst Befriedigung findet, und dass ihm so mehr noch der Künstler in seiner Beschäftigung jenen höheren Reiz findet, der ewig frisches Leben athmet, der überhaupt aber allem menschlich geistigen Genuss vor-
geht. So halten wir uns fest überzeugt, Metzger werde bei seiner großen Thätigkeit noch viel Neues schaffen. ;
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