Merz, Jakob

Merz, Jakob, Zeichner, Maler und Kupferstecher , geboren zu Buch am Irchel im Canton Zürich 1783, war der Sohn eines Webers, hatte aber schon in früher Jugend eine entschiedene Neigung zur Kunst. Er fand an dem Pfarrer Veith in Andelfingen einen besondern Gönner und Freund, der sein Talent zur Kunst leitete. Nachdem er Fertigkeit im Zeichnen erlangt hatte, kam er in Zürich unter die Leitung des Kupferstechers H. Lips, und begann mit Federzeichnungen nach La Fage’s Umrissen, dann mit schraffierten Arbeiten nach Schmidt, Golzius, Sadeler, Spranger und andern. Auch machte er einen glücklich gelungenen Versuch im Radiren, und ergab sich bald mit unverdrossenem Muthe und ausharrendem Fleisse der Führung des Grabstichels, wovon das zu Anfang des Jahres 1800 verfertigte Blatt: der Triumph des Amor, nach Dominichino, eine rühmliche Probe ist, die er in der Unterschrift seinen Freunden und Gönnern widmete. Überdies rühren aus jener Zeit auch mehrere schön und fleissig ausgeführte Zeichnungen in Lavistärbe, die sich durch wahr und geschmackvolle Behandlung auszeichnen.

Merz, Jäkob. . 457

Nach einem vierjährigen Aufenthalt in Zürich wurde er in den Ständ gesetzt; zur weiteren Ausbildung nach Wien zu reisen, und trat auch seine Reise dahin 1802 an, nachdem er zuvor noch das Bild seines väterlichen Freundes und Wohlthäters mit aller Treue und Wahrheit verfertiget, und ein Bildnis Lavater’s in ganzer Figur mit dem Grabstichel vollendet hatte.

Die erste größere Arbeit, die er in Wien unternahm, wo er sich besonders der Malerei ergab, war die Copie eines Bildnisses der Prinzessin Isabella d’Este von Tizian, das vortrefflich gelang und den vollen Beifall seiner Freunde und Lehrer gewann. Von dieser Zeit an wuchs seine Neigung zur Malerei täglich, denn er fand, dass er dazu mehr Talente als zum Kupferstechen habe. Er fertigte nach und nach eine Menge Bildnisse in Öl und mehrere Miniatur-Portraits, die sich von den gewöhnlichen Arbeiten dieses Faches vortheilhaft unterscheiden. Auch die Kupferstecher- kunst blieb in dieser Zeit nicht ungenützt, indem Merz sechs Blätter für Fischer’s Künstleranatomie radirte. In Wien wurde er auch mit dem berühmten A. Canova bekannt, dessen Denkmal der Erz- herzogin Christina er in Umrissen radirte. Merz stach auch das Bildnis des berühmten Künstlers zweimal in verschiedenem Format in Kupfer. Die Geschicklichkeit im Radiren, die Merz durch verschiedene, gelungene Proben bewiesen hatte, bewog den berühm- ten Bildhauer Zauner, ihm den Stich einer großen Platte, welche die Abbildung der Statue Joseph II. enthält, anzuvertrauen, womit sich auch der Künstler vollen Beifall erwarb. Doch nicht lange mehr genoss er die Freude seiner Anerkennung. Er hatte seine Kräfte erschöpft, und so starb er 1807 in der Blüthe seiner Jahre, im Vaterlande, wohin ihn eine lebhafte Sehnsucht trug. Merz beurkundete bereits durch gelungene Proben sein Talent, und berechtigte zu den schönsten Hoffnungen. Er war ein genialer Künstler. Sein Portrait und eines seiner lebhaftesten Gemälde ist zum 7ten Neujahrsstück der Künstlergesellschaft in Zürich ge- stochen, ersteres von H. Lips, letzteres von Hegi. R. Weigel in Leipzig erhielt den Kunstnachlass des Künstlers, 471 Blätter, besonders meisterhaft ausgeführte anatomische Studien, Bildnisse ausgezeichneter Männer, Landschaften, Scenen des gemeinen Le- bens etc., in der mannigfachsten Weise ausgeführt. Diese Arbeiten fangen mit den frühesten Versuchen an, und endigen mit den Blättern seiner höchsten Ausbildung. Sie sind in drei Bänden ge- bunden, im grössten Formate. Dieses Werk gereicht jeder Samm- lung zur Zierde.

Die Blätter dieses Künstlers sind sehr schön, in Abdrücken vor und mit der Schrift, in Abdrücken auf weißes und farbiges Pa- pier, in Octavformat bis zum grössten. Billweiler ätzte nach ihm Bildnisse von Wiener Künstlern,

  1. Das Bildnis Lavater’s, in ganzer Figur gestochen, mit Hut und Buch. Mit Dedication an den Pfarrer Veith, fol. Im ersten Drucke vor aller Schrift.

  2. Das Bildnis des Arztes und Priesters v. Spork in Wien, ein ungenanntes Portrait: Sein Bild erlaubt etc. Oval, 8.

  3. Das Bildnis des Anton Canova, Oval, fol. Im ersten Drucke ist die Schrift mit der Nadel gerissen, im Probe- druck vor aller Schrift. Es gibt auch reine Aetzdrücke.

  4. Derselbe, in kleinerem Formate, Oval, 8. Im ersten Drucke vor der Schrift,

  5. Das Bildnis des Johannes von Müller, 8.

  6. Eine heil. Familie, nach J. Heinz, fol.

  7. Der Triumph des Amor, nach Dominichino, fol. Im ersten

  • Drucke mit Dedication an den Erzherzog Carl, im zweiten

an seine Freunde und Gönner. 8) Eine Sibylle, nach Cangiasi, fol. 9) Die streitende Kirche, fol. 10) Zwei Vignetten auf Lavater’s Tod. Dessen kleines Bildnis in einem Rund, zwei weinende Genien, die über der Urne einen Sternenkranz halten. Zu einem Gedichte auf Lavater’s Tod.

  1. Köpfe nach G. Reni, B. Bossi, Boissleux u. a.

  2. Bücherkupfer, Vignetten, Figuren u. s. w., 8., 4., fol.

  3. Historische und allegorische Darstellungen, var. form.

  4. Das Mausoleum der Erzherzogin Christina, nach Canova’s berühmtem Werke. Es gibt Abdrücke in bloßem Umrisse und in Aquatinta, gr. fol.

  5. Die Reiterstatue Kaiser Joseph II. in Wien, von Zauner gefertigt, ein großes radirtes Blatt, gr. roy. qu. fol. Im Ganzen selten, da die Platte nicht in den Handel kam, sehr selten vor der Schrift,

  6. Dieselbe Statue in kleinem Formate, ohne die umgebenden Gebäude, qu. fol. Im ersten Drucke vor der Schrift.

  7. Die meisterhaften Skelette zu Fischer’s Künstleranatomie, nebst Text: Darstellung des Knochenbaues von dem mensch- lichen Körper etc. von J. M. Fischer. — Wien 1806, fol. Die Blätter sind geätzt und von großer anatomischer Ge- nauigkeit.

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