Merliano, Giovanni, Bildhauer, eigentlich Marigliano, wurde 1478 zu Nola geboren, und 1550 erreichte ihn zu Neapel der Tod. Sein Meister war Piero Ligorio, und seine ersten Werke in Neapel waren in Holz ausgeführt. Auf Anrathen des Agnolo del Fiore begab er sich auch in Marmor zu arbeiten, und hierauf begab er sich nach Rom , um unter Bandinelli und Bramante seine Studien fortzusetzen. Nebenbei sah er sich auch nach den Werken der alten classischen Zeit um, wobei ihm Michel Angelo nicht weniger zum Vorbilde diente. Im Jahre 1531 kam Merliano nach Neapel zurück, und hier gab er beim Einzuge Carl V., der siegreich von Tunis zurückkehrte, die schönsten Proben seines Fleisses. Die Zahl seiner Werke ist bedeutend, und davon spricht Grossi (Le belle arti II. 61 Napoli 1820) mit Auszeichnung. Nach seiner An- sicht machte Merliano mit seinen Werken das Vaterland und ganz Italien staunen.
Er vollendete das von del Fiore angefangene Grabmal des Carlo Pignatelli, und von ihm allein sind die Grabmäler des Antonio Gaudino in Sta. Chiara, und jene der drei Brüder Sanseverino, in der dieses Namens; ferner das Grabmal Poderico’s in S. Maria delle Grazie, mit zwei ausdrucksvollen und zarten Figuren der Tu- genden; vor allen bewunderungswürdig sind aber die Mausoleen von Andrea Bonifacio in S. Severino, und des Vicekönigs Pietro di Toledo in S. Giacomo. Dieses steht ganz frei, mit dem Bild- nis des Verewigten, mit vier Statuen an den Ecken und mit Bas-
reliefs verschen, An den Statuen soll der Künstler nach Grossi’s Urtheil allen Reichthum des Genie’s und alle Anmuth der Kunst entfaltet haben. Neapel bewahrt überdies noch mehrere andere Werke von Merliano. In der Capelle der Liguori in Monte Oliveto sind Statuen von seiner Hand, und in der Capelle Araldi da selbst ist der Täufer Johannes sein Werk. In der Capelle Teodori im Dome sieht man sein Grabmal des Herrn, und die heil. Jung- frau in der Capelle de’ Bianchi. In S. Maria delle Grazie fertigte er mit Sanctacroce das Basrelief der Grablegung Christi. Für die Ca- pelle Vico in S. Giov. a Carbonara fertigte er die Statuen des heil. Johannes, und zu seinen Hauptwerken gehört auch die Statue der hl. Dorothea, ein Denkmal der Dorothea Malatesta bei den Canoni- kern in S. Agnello.
Auch in der Architektur war er erfahren; die Fontana alla Sel- leria und jene des Molo, beide sehr schön, haben diesen Künst- ler zum Urheber. An der letzteren brachte er vier Flussgöttersta- tuen an. Letzteren Brunnen schickte der Vizekönig Peter von Aragonien nach Spanien.
Man nennt diesen Künstler den Michel Angelo Neapels, und ihm legt Grossi alle Vorzüge der Kunst bei, sowohl in der Zeich- nung und im Faltenwurfe, als im Ausdrucke der Leidenschaften und in der Schönheit der Form. Das Fleisch soll er mit einer un- vergleichlichen Weichheit (Morbidezza) behandelt haben.
Caccavello, Domenico d’Auria und Manlio waren seine Schüler.
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