Merian, Matthäus

Merian, Matthäus, der Jüngere, Maler und Kupferstecher , Sohn des Obigen, wurde in Basel geboren und vom Vater sorgfältig erzogen. J. v. Sandrart war sein Meister, und dieser gewann den Schüler seiner natürlichen Anmuth und seines trefflichen Ta- lentes wegen von Herzen lieb. Doch dachte damals eine Rotte räuberischer Bauern anders, die Abends den jungen Merian über- fielen, so dass er mit genauer Noth dem Stricke entfloh. Bald darauf nahm ihn Sandrart mit sich nach Hollands und von da aus trat der 10jährige Künstler seine Reise nach England an, worauf er Frankreich und Italien besuchte. In England traf er van Dyck, den er sich zum Muster nahm, in den Niederlanden sah er den alten Rubens noch, in Paris lernte er le Sueur und Vouet kennen, und in Rom fand er bei Sacchi und Maratti Zutritt, lauter da- mals berühmte Namen. Unter Sacchi’s Leitung studirte er die al- ten Meisterwerke, und mit Maratti schloss er innige Freundschaft. Nach seiner Heimkehr war daher sein Ruf bald gegründet, aber die Zeitumstände hatten sich für die Kunst im Allgemeinen wenig günstig gestaltet. Die Bildnissmalerei war noch die erträglichste, und von Merian wissen wir, dass er eine Menge von Bildnissen erstellt habe, namentlich in Nürnberg , wo er 1650 bei der Frie- densfeier sehr viele schwedische, französische und kaiserliche Offi- ziere malte, und fürstlich bezahlt wurde. An Geschenken allein soll er 5000 Thlr. an Werth erhalten haben. Englich ging er auf Ansuchen seines kranken Vaters nach Frankfurt, um die Buch- und Kunsthandlung zu übernehmen, und 1652 verehlichte er sich.

Um jene Zeit malte er die Martyrer des heiligen Lorenz für den Hauptaltar des Domes in Bamberg; teilweise lag ihm doch der Kunsthandel viel mehr am Herzen, als die Malerei. Er setzte mit Eifer das Theatrum Europaeum fort, das jetzt bei Kö- nigen und Fürsten Wohlgefallen erregte. Die 1658 zu Frankfurt stattgefundene Krönung Leopold I. zum Kaiser war für ihn eine Goldgrube. Bald darauf wurde er nach Wien berufen, um den Mönarchen zu Pferd zu malen, aber die Allegorie dürfte dabei nicht aus den Spiele gelassen werden. Auch den Herzog Christian Ludwig von Zell malte er, so wie den Churfürsten Friedrich Wil- helm von Brandenburg und die Glieder seines Hauses, alle mit solchem Beifall, dass er mit kostbaren Geschenken überhäuft wurde. Der Churfürst von Brandenburg bestellte ihn zu seinem Agenten und Rath, und versäumte nicht, den Künstler in Frankfurt zu besuchen. Auch die Markgrafen von Baden und Durlach beriefen ihn an ihre Höfe, und letzterer machte ihn zum Hofrath. Seine historischen Bilder sind in geringer Anzahl vorhanden, und dar- unter erklärte er die Artemisia, welche die Asche ihres Mannes unter das Geläck mischt, als sein Hauptwerk. Sein Gemälde der Magdalena ist durch ein merkwürdiges Schwarzkunstblatt des Prin- zen Ruprecht von der Pfalz bekannt. S. Rupert.

Seine Bildnisse sind nicht alle von gleichem Werthe, indem er des Erwerbes wegen auch Mittelmäßiges malte. Bei besserer Be- zahlung befliss er sich eines großen Styles, sah auf Korrektheit der Zeichnung und auf richtige Verschmelzung der Farben. Mei- sterstücke darf man indessen auch in diesen nicht suchen. Sein Familienstück dürfte zu den besseren Werken gehören. Er stu- dier-te zwar in Rom die grossen Meister, allein es war dies bei ihm nur ein mechanisches Nachgehen, ohne in den Geist derselben einzudringen. Er ist einer von den vielen, die Rafael und Cor- reggio sahen, aber nichts von ihnen lernten.

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