Mengs, war Hofmaler in Dresden , und als dieser mit seiner Ge-
mahlin Charlotte Burman von Zittau aus eine Reise nach Böhmen machte, wurde ihm zu Aussig in Böhmen den 12. März 1728 sein Sohn Anton Rafael geboren. Hagedorn lässt ihn zu Dresden ge- boren werden, und in mehreren andern Schriften finden wir die- ses wiederholt; allein Mengs wurde zu Aussig geboren, wie es die Taufnatrikel jenes Ortes nachweist. Ismael Mengs bestimmte seinen Sohn unmittelbar nach dessen Geburt, wenn nicht sogleich zum Wiederhersteller der Malerei , doch wenigstens zum Maler, und gab ihm daher in der Taufe die Namen Rafael und Anton, weil er in seiner Person die Vorzüge des Rafael Sanzio von Ur- bino und des Antonio Allegri da Correggio vereinigen sollte. Er glaubte nicht an einen angeborenen Talent, welcher zu allem wahr- haft Tüchtigen, das der Mensch zu leisten vermag, insbesondere aber in den schönen Künsten erfordert wird, und war daher fest überzeugt, den Sohn mit Gewalt zum grossen Maler bilden zu können. Aber dieses Vorhaben, das er mit äusserster Härte und Strenge durchzusetzen suchte, konnte ihm nur in so weit gelin- gen, als die Beförderung der Kunst in der Willkür des Menschen steht, und durch Fleiss und Anstrengung erlangt werden kann. Schon in seinem sechsten Jahre musste sich Mengs im Zeichnen üben, und vom achten an in Öl , in Miniatur und in Email malen, ohne jedoch das erstere zu vernachlässigen, und dies Alles mit solcher Anstrengung betreiben, dass ihm kein Augenblick der Erholung vergönnt war. Wenn der harte Vater aus dem Hause ging, schloss er die Kinder ein, und wenn bei seiner Heimkunft die gegebene Aufgabe nicht fertig war, so verfuhr er mit aller Strenge.
Im Jahre 1741 nahm Ismael den Sohn mit sich nach Rom, und da nun hätte der Knabe gerne Alles auf einmal in sich aufgenom- men. Allein der Vater leitete ihn verständig von einem zum an- dern; zuerst führte er ihn vor die Meisterwerke der alten Sculp- tur; dann durfte der junge Mengs den Michel Angelo in der Six- tina copiren, und endlich nach Raffael ein Gleiches thun. Dann durfte er auch nach dem Nackten copiren, und im Zimmer des da- mals berühmten Benefizialen studiren. Uebrigens verfuhr der Vater nach gewohnter Strenge. Des Morgens führte er ihn nach dem Vatikan, und bis zur Abenddämmerung, wo der Vater wieder kam, hatte er nichts als Brot und eine Flasche Wasser. Zu Hause wur- den die Arbeiten und Studien scharf geprüft, und wenige Stunden waren der Nachtruhe vergönnt. Diese strenge Erziehung zur Kunst war aber Ursache einer gewissen Schüchternheit im geselligen Lo-
Mengs, Anton Rafael.
ben, und seines Ungeschickes, sich in die Verhältnisse des Lebens zu fügen. Es verließ ihn desswegen nie das Misstrauen, da er in der Missachtung seiner Vortheile oft zu seinem Nachtheile sich hintergangen sah.
Nach drei Jahren kehrte Ismael Mengs wieder nach Dresden zurück, wo jetzt König August dem jungen Mengs ein Jahrgeld von 600 Thlir. willigte; dies vornehmlich auf Veranlassung des Sängers Annibali, dessen Portrait Mengs in Schnelligkeit und trefflich in Pastell gemalt hatte. Dieser fand Gelegenheit, das Bild dem Könige zu zeigen, und sogleich musste er den König ebenfalls malen. Er war erstaunt über die Geschicklichkeit des jungen Künstlers und belohnte diesen. Doch nahm Mengs das Jahrgeld nur unter der Be- dingung an, dass ihm erlaubt sei, nach Rom zurückzukehren, was ihm der König zum Ärger des Grafen von Brühl gestattete. Jetzt machte er sich mit dem Vater und zwei Schwestern wieder auf den Weg nach Rom, wo er seine Studien erneuerte, die Aka- demie besuchte, im Hospital von Santo Spirito Anatomie hörte, und noch viele andere Dinge verrichtete, die seine Bildung för- derten. Zum Spazierengehen hatte die Familie Mengs nur beim
Mondscheine Zeit; sie wurde von Niemand besucht, ganz igno- riert, weil man sie sogar in Dresden nie, in Rom sehr selten in der Kirche sah. Mengs hatte bereits die Werke der berühmtesten Meister gesehen, und jetzt fasste er den Entschluss, in eigener Composition seine Kräfte zu versuchen. Er beschloss, eine heilige Familie in der Weise Rafael’s zu malen, allein während Ra- fael seine heilige Jungfrau gleichsam wie durch höhere Ein- fluss malte, so konnte Mengs kein Modell zum Kopfe der heil. Jungfrau finden. Endlich begegnete ihm ein schönes und eingezo- genes Mädchen, die seiner Idee zusagte, und er bat sie, sich von ihm malen zu lassen. Margaretha Quazzi erschien mit ihren El- tern, und noch war das Bild nicht vollendet, als schon beide in Liebe zu einander brannten. Der Vater des Mädchens wollte indessen nicht zugeben, dass Mengs als Protestant sie heirate; al-
Jein Mengs trat 1740 mit seiner Schwester zur Katholischen Kirche
über, und nun war der Hochzeit nichts mehr im Wege. In dem- selben Jahre musste der Künstler wieder nach Dresden zurück, denn die bewilligte Zeit war abgelaufen, und mit sich nahm er seine besten Bilder, die den König mit solchem Beifalle erfüllten, dass er den Künstler mit einem Gehalte von 1600 Thalern zum
Hofmaler ernannte. Zugleich trug er ihm auf, für die 1751 er- baute katholische Kirche in Dresden die Himmelfahrt Mariä zu malen, die jetzt den Hauptaltar ziert. Er erhielt die Erlaubnis, das Bild in Rom ausführen zu dürfen, allein der siebenjährige
Krieg verhinderte die Vollendung, welche erst nach zwölf Jahren
in Spanien erfüllte. Mengs verlor auch seinen Gehalt, und da- her musste er den Antrag der Cülestiner Mönche annehmen, die ihm 200 Scudi boten, wenn er die Decke von St. Eusebio malte. Dies war sein erstes Werk in Fresco, ein Werk in der Composition, was die meisten Maler kalt nannten, da sie nur an eine überhäufte Anordnung gewohnt waren. Das Colorit wurde indessen gelobt, Außer diesem Deckenbilde fertigte er in Rom auch eine Copie nach Rafael’s Schule von Athen in Grösse des Urbildes für den Herzog von Northumberland gemalt. Jetzt trat indessen für ihn eine missliche Zeit ein: der Beifall war viel größer als das Ein- kommen, und somit war es ihm sehr erwünscht, als er einen Ruf nach Neapel erhielt, wo ihm der Genuss des Gehaltes eines Hof- malers zu Theil werden sollte, den ihm aber Intriken aller Art,
Mengs, Anton Rafael. ‚ . .105’
von:; Seite des Ministeriums und der Künstler, zu trüben suthten. Azara erzählt die Äußerungen des Neides, der den Künstler ver- folgte, und wie fest er sich dabei benömmen. Nach seiner Rück- kehr begann er in Rom aus Auftrag des Cardinals Albani das Ge- mälde des Parnasses mit Apollo und den Musen an der Decke des Saales der Villa Albani, ein Werk, welches durch R. Morghen’s Stich bekannt ist. Dieser Plafond gab der Critik Stoff. Der Künst- ler glaubte unangenehme Verkürzungen vermeiden zu müssen, sah daher nicht auf den Gesichtspunkt von unten nach oben, und brachte so ein Bild zu Stande, das bloß an der Decke befestigt zu sein schien. Um indessen den herrschenden Geschmack nicht zu verschmähen, fügte er zwei Seitenstücke hinzu, deren jedes nur eine verkürzte Figur enthält. Allein dieses hielt man nicht für hinreichend, und der Schauplatz der Critik ist besonders im Journal des Sciences par Castilhon, 1776, 1. p. 363, Lanzi, gesch. d. Malerei 1..520 deutsche Ausgabe, lässt diesem Plafond volle Gerechtigkeit, wie 3erfahren, indem er das Bild als eines der gelehrtesten nach Wiederauflebung der Kunst erklärt. Jede Muse findet Lanzi mit den schicklichsten Attributen des Alterthums dar- gestellt, und er weist auch auf das Lob hin, welches Visconti dem Künstler im Museo Pio-Clement. I. p. 57 ertheilt.
Dann malte Mengs damals auch kleinere Bilder für Privatperso- nen; für einen Engländer eine heil. Familie; Cleopatra, zu den Füssen Cäsar’s, und die ganze Figur der Magdalena, welche der Prienz von S. Gervasio zu Necapel erhielt; ferner malte er ein Altärblatt mit der Geburt Christi, in welcher seine Frau Margare- tha als Madonna dargestellt ist, wie dies öfter der Fall war, und ebenbei beschäftigte er sich auch mit der Theorie der Kunst. Da- mals machte er die Bekanntschaft des Engländers Daniel Webb, dem Mengs seine Gedanken über die Kunst mittheilte, und die handschriftliche Abhandlung von der Schönheit und Betrachtung über die drei großen Meister der Kunst, was Webb Alles ohne Angabe der Quelle, nur mit Zuthat einiger Stellen aus den Wer- ken der Alten, als eigenes Geistesprodukt benutzt haben soll, und in der Schrift: Inquiry into the beauties of Painting, and onto the merit of the most celebrated painters ancient and modern, 1760. Deutsch, Zürich 1766 und 1771. Dieses Buch, das sonach den Urheber eines grossen Plagiats beschuldiget, gewann grossen Beifall, da es auf ganz neuen Ideen basirte und solche erweckte. Der Künstler selbst lachte indessen über den Diebstahl. Azara, Maron und Winckelmann ereiferten sich aber desto mehr.
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