Memmi, Lippo

Memmi, Lippo, Maler, der Sohn eines Memmo, nach Vasari Bruder des Simone di Martino, worin dieser Schriftsteller irret, da Lippo nur ein Verwandter des Simone ist, und letzterer nicht Simon Memmi heisst, wie Vasari ebenfalls angibt. Simon war der Schwiegersohn des Memmo, und beide Künstler waren Freunde, die sich in ihren Arbeiten unterstützten. Dass sie hier und da gemein- schaftlich arbeiteten, beweiset die Aufschrift eines Bildes in Flo- renz, dessen wir im Artikel des Simone di Martino erwähnt haben. Dieses Bild ist 1332 oder 33 gefertiget, denn die letzte Zif- fer ist verstümmelt, und diese Jahrzahl bestimmt uns vielleicht die frühere Thätigkeit des Künstlers. Vasari sagt ferner, Lippo habe dem Simone bei seinen Arbeiten im Capitel von S. Maria Novella geholfen; allein jene Werke sollen nicht von Simone herrühren, und so ist auch Lippo’s Thätigkeit dabei in Zweifel gesetzt. Man findet auch nirgends angegeben, dass jene Gemälde der Capella degli Spagnuoli von Lippo allein herrühren. Dann, sagt Vasari, malte er mit seinem Verwandten in S. Croce zu Florenz vieles in Fresco, führte mit ihm das Hauptaltarbild der Prädicanten-Mönche in St. Catharina zu Pisa aus, malte in St. Paul am Ufer des Arno viele schöne Frescobilder, und ausserdem ein Gemälde in Tem- pera, welches zu Vasari’s Zeit auf dem Hauptaltare stand, und die

utter Gottes, Petrus, Paulus, Johannes den Täufer und andere Heilige vorstellte. Auf dieses Bild setzte Lippo seinen Namen,

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„und dann malte er ein Temperabild des heil. Augustin in St. Gemignano, wodurch er einen so grossen Namen erlangte, dass er dem Bischofe Guido Tarlati in Bıld mit drei halben Figuren nach Arezzo schicken musste, welches dieser in der Capelle seines Pal- astes aufstellte. Dieses Bild, so wie viele andere von Lippo nach Vasari hier genannte, ist nicht mehr vorhanden. Auch die ge- nannte, dem heil. Gregor geweihte Capelle ist eingegangen. Ein anderes Bild in Tempera, welches Lippo nach Simon’s Zeichnung ausführte, wurde am Hauptaltare des heil. Franz zu Pistoja auf- gestellt, da man es für sehr schön hielt.

Alle diese Bilder entstanden bis zu dem 1344 erfolgten Tod Si- mone’s, und jetzt vollendete Lippo dessen unvollendet hinterlas- sene Bilder. Darunter nennt Vasari eine Passion in Ancona, über dem Hauptaltare von St. Nicola, bei deren Ausführung L. Memmi eine andere Leidensgeschichte nachahmte, welche Simon im Capi- tel von St. Spirito zu Florenz völlig fertig gemalt hatte. Vasari lobt dieses Bild, aber es ist jetzt nicht mehr vorhanden, so wie die schönen Figuren in der unteren Kirche zu Assisi, die von Si- mone angefangen wurden. Auch die kleinen Bilder und das Cru- cifix, welches Simon im grösseren Refectorium des Klosters nur angelegt hatte, sind nicht mehr zu sehen. Der Künstler hatte sie nur mit dem Pinsel und mit rother Farbe auf die Mauer gezeich- net, ein Verfahren, welches den alten Meistern den Carton ersetzte, Vasari sah diese Conturen noch, und zählt sie unter den Werken auf, die Lippo vollendet haben sollte. Nach seiner Angabe lebte Lippo noch 12 Jahre nach dem Tode Simons, und so muss er nach Vasari’s Ansicht im Jahre 1357 gestorben sein. Vasari sagt ferner, der Künstler habe noch viele Bilder ausgeführt, und weil die Manier dieser beiden Brüder (Verwandten) sehr ähnlich ist, fährt Vasari fort, so schrieb Simon unten an seine Werke: Simo- nis Memmi Senensis opus, und Lippo liess den Vornamen weg, und setzte nur: Opus Memmi de Senis me fecit. Die erstere die- ser Inschriften findet man nach Rumohr (ital. Forsch., II, 05) nir- gends auf Gemälden Simon’s, und die letztere bedeutet ein Werk des Memmo, Lippo’s Vater.

In Orvieto malte Lippo ein grosses Altarblatt, welches die schüt- zende Madonna (Madonna de’ Raccomandati) vorstellt. Sie brei- tet ihren Mantel über viele vor ihr Knienende aus. Am unteren Rande steht: Lippus de Sena nat. nos pincx, amena. Dieses Ge- mälde ist blühend und angenommen. So viel von Werken Memmi’s in Italien.

Wenn die Gemälde dieses Künstlers schon im Vaterlande sehr selten geworden sind, so muss die Seltenheit im Auslande nicht geringer sein, obgleich es sich oft fügt, dass die Heimat solcher Werke entblößt, und fremde Gallerien damit geschmückt werden. Im königl. Museum zu Berlin wird ihm ein Gemälde mit vier Sce- nen aus der Passion zugeschrieben, eine Annahme, die nach Dr. Kugler (Besch. des königl. Museums S. 16) wenig begründet sein dürfte. Dagegen beschreibt Kugler daselbst ein sicheres Gemälde des Künstlers, im Besitze des Hofraths Förster zu Berlin. Es ist dieses seiner Seltenheit wegen ein sehr wichtiger Beleg für die Kunstgeschichte, und das Bild lehrt zugleich die ganze eigenthüm- liche Schönheit der senesischen Schule jener Zeit. Es ist ein klei- ner Hausaltar mit der alten Unterschrift: Lippus Memmi de Senis, und enthält die Halbfigur einer Madonna mit dem Kinde. Die Auffassung ist sehr eigenthümlich und aus dem innigsten, zartesten

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