Mellin, Nicolas

Mellin, Nicolas, Zeichner und Maler, wurde 1765 in der Schweiz geboren, und hatte er in der Kunst sichern Fuss gefasst, so gab er sich auf ferne Reisen. Er besuchte Constantinopel und Kleinasien , und während eines achtzehnjährigen Aufenthaltes in jenen Gegenden war er unermüdet, Zeichnungen nach der Natur aufzunehmen, und sie teilweise in Farben auszuführen. Die Ölbilder machen indessen den geringeren Theil seiner Werke aus, da

der Künstler meistens in Aquarell malte und in Sepia zeichnete. Man hat von seiner Hand mehrere Ansichten von Constantinopel ;

auf der Pariser Kunstausstellung von sah man allein acht der-

selben, und im folgenden Jahre deren zwölf. Damals war der Künstler schon lange wieder in Paris , denn er kehrte 1805 aus dem Oriente zurück, und von dieser Zeit an war er eifrig beschäftigt, seine Skizzen in größere Zeichnungen auszuführen. Dazu gehören die oben erwähnten Ansichten von Constantinopel, und an diese reiht sich eine 1808 gefertigte größere Generalansicht von jener Stadt. Dann zeichnete er den Platz Topkapi mit den

Casernen, einen feierlichen Zug des Grossherrn, eine Ansicht des Platzes der Sultanin Hadidge, das Innere eines öffentlichen Caffee- hauses, einen Theil des Innern des grossherrlichen Harems, einen türkischen Hochzeitszug, die Fontaine Sarı - Yeri in der Nähe des Bosphorus, den Eingang in den Bosphorus selbst, den Palast des Aga von Bonnabacht etc. Alle diese Zeichnungen figurirten auf der Pariser Kunstausstellung, und sie gehören zu dem Pracht- werke, dessen wir unten erwähnen. Melling fand in Constantinopel Gelegenheit, Dinge zu sehen und zu zeichnen, die vielen anderen verschlossen blieben. Er war Architekt und Zeichner der Sultanin Hadidge, der Schwester des unglücklichen Selim III., und diese nun gestattete ihm sogar den Zutritt in die inneren Höfe des Serail. Seine Zeichnungen geben auch ein getreues Bild von dem, was er gesehen; sie sind sehr nett und fleissig behandelt, zunächst für den Stich seiner malerischen Reise. Diese hat den Titel: Voyage pittoresque de Constantinople et des rives du Bosphore d’après les dessins de M. Melling, dessinateur et architecte de la Sultane Hadidge, sœur de Selim III. Paris, Strassburg, London et chez l’Editeur. Die Kupfer sind in gr. fol., und von den besten, da- mals lebenden Künstlern gestochen, von Duplessis-Bertaux, Coigni, Desmaisons, Gouaz, Desquevauvillier, Dupari, Lerouge, Goddefroy und anderen. Den Stich leitete der Kupferstecher Née, mit welchem sich Melling früher in Bénéventen gesetzt hatte, Treutel und Würtz in Strassburg übernahmen den Druck, nach dem Texte von Lacretelle. Das Ganze besteht aus 2 Bänden und einem Supplemente. Der Preis war ungeheuer; das Werk kostete 1950 Fr. Der Ruhm, den sich der Künstler dadurch erwarb, war ebenfalls nicht geringe. Der König von Frankreich ernannte ihn zu seinem Landschaftsmaler, später zum Ritter der Ehrenlegion, und dann wurde er dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten beigegeben.

In der späteren Zeit seines Lebens befasste sich Melling nicht so sehr mehr mit der Darstellung von Aussichten und Zuständen in der Türkei, als vielmehr mit der malerischen Aufnahme der französischen Pyrenäen und der umliegenden Gebietsteile. Er fertigte eine grosse Anzahl von interessanten Ansichten und Scene- rien jener Gegenden, die in einem Prachtwerke gestochen erschienen, nämlich in Melling's Voyage pittoresque dans les Pyrénées françaises et dans les départements adjacents,

Unter seinen späteren größeren Zeichnungen und Malereien sind noch zu erwähnen: die Aussicht der Rümen des Schlosses von Pierrefond und des Dorfes; die Aussicht von der Terasse von Montelais, dem Landhause des Herzogs von Bassano, zwei Zeichnungen im Besitze des Herzogs; der Einzug Ludwig XVIII., gezeigt wie er über den Pont - neuf zieht; der Fischteich im Haag mit einem Theile des Schlosses; die Ausichten der Städte Arnheim, Zwool, Kampen und Lienwarden, des Parkes und des Schlosses Loo, des Platzes in Middelburg; die Ansicht von Paris von Chail- lot aus und vom Quai de la Rapde; die Ansicht des Champ - de- Mars in dem Momente, als der König die Fahnen der National- garde vertheilte; die Umgegend von St. Cloud, das Thal von Bauxan mit den Resten des römischen Aquaducts; die innere Ansicht von Lyon; die Ansichten der Schlösser Gosfield und Hartwell, und mehrere Zeichnungen von Schlössern etc. Melling war sehr thätig, und lieferte daher eine grosse Anzahl von Werken. Im Jahre 1831 starb der Künstler,

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