Melchior Johann Peter, Bildhauer

Melchior Johann Peter, Bildhauer, wurde zu Lindorf im Herzogthum Berg geboren, und ohne Mittel verdankte er alles nur einzig und allein seinem guten Genius und dem angebornen Talente. Er zeichnete schon als Kind, modellirte Menschen und Thiere, doch bald sollte der Tod des Vaters seinen Jugendspielen ein Ende machen. Der arme Knabe musste jetzt zu seinem Unterhalte bei einem reichen Bauern das Vieh hüten, es zeigte sich aber, dass er zum Hirten nicht tauge, da er über der Fortsetzung seiner Kunstbestrebungen die Heerde vergass. Endlich brachte ihn sein Vormund bei einem Bildschnitzler zu Düsseldorf in die Lehre; allein dieser Mann stand selbst auf einer niedern Stufe der Kunst, lieferte nur Kleinigkeiten, die ihm ein Unterhändler auf dem Lande absetzte. Melchior ging mit diesem fort, und jetzt erst fand er in Aachen beim Bildhauer Boos, dem besten der Stadt, einen regelmässigen Unterricht. Nach einigen Monaten musste er diesen Meister wegen Arbeitslosigkeit wieder verlassen, und so arm an echter Kunst, wie an Mitteln wollte er jetzt in Paris seine Ausbildung verfolgen. Die Revolution trieb ihn aber an den Rhein zurück. Einige Zeit fand er in Cöln Beschäftigung, später ein Gleiches in Coblenz , und längere Zeit auch in Mainz , wo er schon grossen Ruf genoss. Denn während Melchior oft in unbedeutenenden Werkstätten arbeitete, vergass er nie seine höhere Ausbildung. Er zeichnete und modellirte in den Nebenstunden nach den besten Mustern, denen er zugängig wurde, kopirte eine Anatomie, und suchte die Härte, die dadurch seinen Arbeiten anklebte, durch eifriges Studium nach der Natur zu verbannen. Durch unablässige Versuche in jener Gattung wurde er endlich ein für damalige Zeit höchst lobenswerther Künstler, und erlangte in der Folge immer größere Vollkommenheit, so dass seine Werke unter den Erzeugnissen der älteren Schule mit Ruhm genannt werden müssen. Nach vielen Stürmen und Mühen, die er in seiner Jugend zu erdulden hatte, gelang es ihm endlich, in Höchst an der Porzellanmanufaktur glücklichere Tage zu erleben. Er fertigte für diese Anstalt eine grosse Anzahl von Modellen, die sich von den früheren durch weit größere Reinheit auszeichnen. Nach etlichen Jahren kam er als Modellmeister nach Frankenthal, und von da als churfürstlicher

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