Man sagt ihm indessen noch mehr nach, wir glauben aber nicht

Man sagt ihm indessen noch mehr nach, wir glauben aber nicht, dass er die Beschuldigungen in so hohem Grade verdiente. Sein Freund Steen führte ein ausschweifendes Leben, und es scheint, dass man nach dem Sprichworte: Cognoscitur ex sociis, qui non cognoscitur ex se, auf ihn gleich nachtheilig geschlossen habe. Ein Räusch’chen ist noch kein großes Verbrechen; und dass er nicht selbst Jasterhaft war, beweist der Umstand, dass er seinen Sohn, der bei Lairesse war, zu sich nahm, aus Furcht, er möchte ihn verführen. Dann sagt man ihm auch nach, er sei im Schuldthurm gesessen, und ein unordentliches Leben hätte ihm all’ diese Leiden verursacht. Es mag sein, dass er in Geldnoth gewesen, und von einem bösen Gläubiger gar in Arrest gesetzt worden, es wird ihm aber sehr wohl zu verzeihen sein, wenn er da keine Lust zu malen hatte. Er hätte sich durch ein Gemälde loskaufen können, verschmähte aber diese Bedingung, weil ihm die eisernen Gitter des Gefängnisses das nötige Licht nahmen. Dann war der Künstler in letzterer Zeit auch kranklich, und so starb er im Gefängnisse. Mit diesen Anekdoten beehrte uns Houbracken, es wäre aber besser gewesen, dieser Schriftsteller hätte uns mehr von Mieris Kunst in Kenntnis gesetzt. Auch Zeichnungen finden sich von diesem Künstler . Bei B. Weigel ist eine Bordellscene:

Mieris, Frans van

eine Frau, die einen jungen Mann am Mantel zurückhält, Kreide und Tusch auf Pergament, auf 46 Thlr. geweihet; ein männliches Brustbild, kostet 4 Thlr. 12 gr. Zu Florenz ist das von ihm selbst ge- malde Bildnis; andere sind in München, zu Brüssel und zu Berlin. Greenwood stach das Bildnis des Künstlers mit seiner Frau auf einem Bilde, in der Sammlung des Prinzen von Oranien. Bloo- bling und C. Miger machten ebenfalls sein Bildnis in Kupfer be- kannt. C. ;

Die k. Pinakothek zu München bewahrt mehrere Hauptwerke des Künstlers, und besonders ausgezeichnet ist die Dame im gel- ben Atlaskleide, die in Gegenwart des Arztes in Ohnmacht fällt, zwei Mägde und eine Frau stehen rückwärts. Dieses berühmte Gemälde ist unter dem Namen der kranken Frau bekannt, von außerordentlicher Wahrheit, im Stiche und im Steindrucke ver- vielfältigt. Ein anderes berühmtes Bild derselben Gallerie ist der auf dem Tische in einem Gasthofe liegende Stiefel des Franz Mie- ris. Im Hintergrunde bemerkt man den Künstler im Gespräche mit der Wirthin. An diese beiden Gemälde reiht sich ein anderes von gleicher Bedeutung: das Austernfrühstück. Der Künstler reicht einer Dame auf einem silbernen Teller frische Austern. Sie sitzt in rotem Pelzmantel und weißem Unterkleide an einem runden Tische, und hält ein Glas Wein in der Hand. Die Stoffe sind hier, wie in den andern Gemälden, auf das feinste und zarteste nachgebildet, und Alles ist von einer bewunderungswürdigen Weichheit, von der zarten Hand der in Ohnmacht gesunkenen Dame, bis zum Stiefel auf dem Tische, mit welchem der Leich- tretige die Zeche bezahlte. Das in der Pinakothek aufbewahrte Bildnis des Künstlers ist im Ausdrucke der sorgenlosesten Früh- lichkeit eines Trinkers. Ein anderes Bild ist das eines gepanzer- ten Kriegers, mit Knebelbart, wie er sich mit der Tabakspfeife in der Hand auf den Tisch stützt, und in einem anderen Gemälde sieht man einen Krieger, der an der Seite seines Gastwirthes leise eingeschla- fen ist, und welchen der Wirth seiner Frau nicht zu wecken be- fähigt. Dann sieht man in dieser Pinakothek eine junge Dame, die dem Papagey eine Mandel reicht. Ein anderes Bild stellt das holländische Bauernstube dar, mit zwei Bauern am Tische, von welchen der eine Tabak schneidet, und der andere trinkt. Von besonderer Schönheit ist ferner eine in grünen Atlas gekleidete Dame, deren Kopfputz mit Federn geschmückt ist, wie sie vor dem Spiegel steht, und den Rücken dem Beschauer zuwen- det. Dann erwähnen wir noch eines gepanzerten Ritters mit einer Tabakspfeife in der Hand. — Die kranke Frau, das Frühstück, die Dame mit dem Papagey, die zwei Krieger mit Tabakspfeifen sind in dem Werke: Pinakothek, oder Sammlung der ausgezeich- netsten Gemälde der Bildergallerie in München von Strixner etc. Lithographirt, A. /

Auch in der k. Gallerie zu Dresden sind treffliche Bilder von diesem Künstler. Allerliebst ist das Gemälde der Malerwerkstätte, Mieris mit seiner Frau im Atelier. Von großer Wahrheit und Vollendung ist auch der Kessellicker, beide von F. Hanfstängel für das Dresdner Galleriewerk lithographirt. Ein gerühmtes, da- selbst befindliches Bild ist ferner der Jesende Mann im Schlafrocke, dessen Strümpfe so feine Maschen haben, dass man sie ohne Hulfe des Vergrößerungsglases kaum sehen kann.

Die k. k. Gallerie zu Wien bewahrt ebenfalls zwei treffliche Gemälde dieses Künstlers. Das eine von 1651 stellt ein junges

Im k. Museum zu Berlin ist nur ein kleines Bildchen, das eigene Portrait des Künstlers, ein feines, lustiges, lachendes Ge- sicht, doch nicht von sonderlich geistreichem Ausdrucke, wie Dr. Kugler bemerkt.

Im Museum im Haag ist das treffliche Bild eines Knabens im Garten, der Seifenblasen macht. Diese Darstellung ist öfter vor- handen.

Zu Brüssel wurde 1834 das von Mieris eigens gemalte Bild- nis aufgefunden, als junger Mann von 28 Jahren dargestellt. Dann fanden sich auch mehrere Bildnisse von Nassau’schen Prin- zen.

Die Bilder der Sammlung des Louvre zu Paris gehören nach Dr. Waagen, Kunstwerke etc. in Paris S. 506, nicht zu seinen besten. Das Portrait eines Herrn im Garten, mit einem Jagdhunde und einem Mohren, ist etwas hart, geleckt und wenig harmo- nisch, wurde aber in der Braamcamp’schen Sammlung doch mit 1206 fl. bezahlt. Ein anderes Bild zeigt eine Dame an der Toi- rette, von einer Mohrin bedient. Den Vortrag fand Waagen zu gut, den Kopf nicht angenehm, die Färbung aber leuchtend. In der Sammlung Lormier wurde es 1765 mit 850 fl. bezahlt. Ein drittes Gemälde stellt zwei reich gekleidete Damen dar, wie sie in einem mit Statuen geschmückten Zimmer Thee trinken. Die feine Ausführung gewährt für das geistig Gleichgültige und die kalte Farbe keinen hinlänglichen Ersatz, wie Dr. Waagen be- merkt. Ein viertes Bild zeigt uns das Innere einer Wohnung, wo die Frau das Kind säugt.

Auch in England sind mehrere schöne Bilder von ihm, von denen Dr. Waagen, Kunst und Künstler etc., folgende erwähnt. In der Sammlung des Robert Peel ist das Bild einer am Fenster sitzenden Frau, die den Papagey füttert, höchst zart gemalt. Dieses Ge- mälde findet man oft wiederholt, jenes in der Münchner Pina- kothek zeichnet sich aber besonders aus. In der Bridgewatergal- lerie ist das Bild einer jungen Dame in reichem, mit Hermelin ver- brämtem Leibchen und blauseidenem Atlaskleide, wie sie sich die Haare unter dem Kinne festbindet. Die Bestimmtheit aller im vol- len Lichte genommenen Theile, und doch dabei die Weiche und Zartheit der Touche gewähren diesem Bilde einen großen Reiz, wie Dr. Waagen bemerkt. In der Gemäldesammlung des H. T. Hope zu London ist eines seiner größten Meisterstücke, 16600 ge- malt. Das Gemälde stellt einen Herrn in seidenem, olivengrünem Rock und mit Barret vor. Vor ihm ist der Römer mit Wein und Krabben, auf der Fensterbrüstung liegt die Violine, und ein jun- ges Mädchen, vom Rücken geschenkt, schreibt an. In diesem Bilde vereinigt sich nach Waagen mit der Tiefe und Gluth eines Ostade das schönste Impasto, und die meisterlich modellierende Ausfüh- rung ist so weit getrieben, dass selbst unter der Loupe noch Alles das Ausehen von Wirklichkeit haben muss. In der Privatsamm- lung Georg IV. von England sind ebenfalls Bilder von ihm, doch war der König für diesen seltenen Meister nicht glücklich. Waagen sah von fast allen Bildern, welche hier für Mieris gelten, anderweitig gewähltere Exemplare. Den Knaben, der am Fenster Seifenblasen macht, 1663 bezeichnet, glaubte Waagen allen vor-

ziehen zu müssen. Dieses Bild ist auch im Vergleiche mit dem trefflichen Bilde im Haag durch die Würme und Klarheit des Tons, die Delicatesse der Touche doch des Meisters würdig. In der Bil- dersammlung zu Lutonlinuse ist ein mit gewohnter Delicatesse be- handeltes Bild, welches eine Mutter vorstellt, die der Tochter über die Entdeckung eines Briefes Vorwürfe macht.

Die bis jetzt erwähnten Gemälde gehören grösstentheils zu den Hauptwerken des Künstlers; es mag aber deren noch andere ge- ben. Alle ihm zugeschriebenen Gemälde zu verzeichnen, ist uns theils nicht möglich, theils wird man es nicht verlangen. Wir fü- gen nach dem Alphabete der Namen der Stecher hier einige Ku- pferstiche bei, die nach Mieris gefertigt wurden, da dieselben viel Interesse gewähren.

Bary, H., die betrunkene Frau schlafend; De Win’s en Spotter; die Alte, welche den Nachttopf zum Fenster hin- ausschüttet,; D. E. m.

Basan, F., le Lever hollandois; le künner hollandois; Ouvrige’re’en dentelles, aus der Gallerie Brühl; Ja Jardiniere; Ja Meridienne hollandoise.

Bause, J. F., der Persianer, schönes Blatt.

Blooteling, A., Dus kan Frans Mieris hand, allsem met kool of Kryt etc. etc., Schwarzkunstblatt, Das Weib mit der Feder in der Hand.

Blot, M., der Knabe, welcher Seifenblasen macht.

Browne, A., der Knabe mit Seifenblasen beschäftigt, und die Dienerin mit dem Schoßhunde im Fenster, nach dem berühmten Bilde im Haag, L.

Dorner, J., das Kind mit der Trommel, radirt.

Dunker, der Fischhändler.

Greenwood, Franz Mieris und seine Frau, mit dem Hände spielend, schönes Blatt.

Gregori, F., das Mädchen, welches an einem Tische, auf weichem ein Brief liegt, über die Vorwürfe der Mütter weint, schönes Blatt.

Guttenberg, C., der Alchimist, &c.

Guyot, la Dame de qualité.

Haid, J. B. und J. G., der Trompeter, der uihfi_1)eW' en z erwarliet, aus dem Cabinet des Grafen Burghauss; der Wund- arzt, aus dem Cabinet Kiesow in Augsburg, in schwarzer

Manier.

M. Manfstängel, s. die Bilder in Dresden.

M. M., La Pourvoyeuse flamande.

Klauber, J. S., Femme de Mieris, die Flamand du lbrh,— wie sie den Papagey füttert.

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