Meckenen, Israel van, auch van Meck, van Mecken, Mecheln, de Malines, Mechlinensis, Mekenick, Menz, Metz, Moguntinus, de Mayence, de Munster, Metro genannt, alles nur der Name eines oder zweier Künstler, über welche bei früheren Schriftstellern die Kunde höchst dürftig und verworren ist. Ein Israel von Me- ckenen lebte sicher in Bocholt , weniger bestimmmt sind aber die An- gaben über seinen Geburtsort; Im Irrtum sind diejenigen, welche ihn von der grossen Stadt Mecheln abstammen lassen, doch auch in der Nähe von Bocholt ist ein Ort Namens Mecheln, der früher Mechgelen hiess. Im Bisthum Münster ist eine Stadt Meckenen, und daher glauben Einige, der Künstler sei dort geboren worden, da er sich selbst Meckenen nennt. Wieder andere suchten seinen Geburtsort in Meckenheim bei Bonn ; auch mit Metz und Mainz wollte man den Künstler in Verbindung bringen, und zuletzt wusste man doch nicht mit Sicherheit zu bestimmen, wo Meister Israel das Licht der Welt erblickt hat. Dies ist indessen von keinem Belange, wichtiger aber ist es, ob ein Maler und ein Ku-
Meckenen, Israel van.
Kupferstecher dieses Namens, ein älterer und ein jüngerer Künstler Israel van Meckenen lebte. Einige haben nach H. von Heinecke zwei verschiedene Künstler gleichen Namens, einen Maler und einen Kupferstecher angenommen, was auch Bartsch glaubte, pl. gr. VI., 184 #., und Fiorillo nachschrieb, Gesch. d. Malerei 11. 310 f.; Andere dagegen haben diese beiden in eine Person vereint. Dass es einen Maler Israel gegeben habe, scheint richtig zu sein, wir müssten denn dem Wimpheling, Epitome rerum germ. Cap. 07, misstrauen. Dieser Mann schreibt dort de pictura et plastica, und sagt neben anderen, dass die Bilder Israels in ganz Europa verlangt und besonders von den Malern sehr hoch geschätzt wer- den. Diese Stelle hat man auf einen älteren Israel van Meckenen gedeutet, der demnach von dem Kupferstecher und Goldschmiede dieses Namens verschieden sein sollte. Ein Maler Israel mag also allerdings im 15. Jahrhunderte gelebt haben, ob er aber van Me- ckenen war, ist nicht zu bestimmen, da Wimpheling seinen Zuna- men nicht nennt. Namentlich auf die Stelle Wimpheling’s hin hat man aber einem älteren Israel van Meckenen mehrere Gemälde zu- geschrieben, mit deren Authentizität es bei weitem nicht volle Rich- tigkeit hat. Keines trägt den Namen oder das Monogramm des Künstlers, oder ist durch irgend einen Umstand beglaubigt; es zeigen sich in denselben vielmehr verschiedene Hände. Diese Ge- mälde, die man nun einmal dem Israel van Meckenen zuschreiben mag, da wir keinen anderen Meister dafür haben, stammen aus der Mitte und der letzten Hälfte des 15. Jahrhunderts, und sie wur- den fast ausschliesslich in der Gegend von Cöln und Koblenz ge- funden, so dass man also annehmen kann, der Künstler habe dort gelebt. Man erkennt in diesen Werken den Einfluss der Eyck’schen Schule, und deswegen erklärten einige den Israel ge- radezu für einen Schüler des Johann van Eyck, obgleich die Ge- schichte davon schweigt. Die Ähnlichkeit der Werke dieses Künst- lers, — den man nun einmal Israel nennt, — mit jenen des Mar- tin Schongauer führte Lomazzo auch zu der Behauptung, Israel sei Martin’s Lehrer gewesen. Dieses ist wieder nicht zu beweisen, und Boisserce erklärt daher diese Ähnlichkeit eben aus dem Ein- flusse, den Jan van Eyck auf beide Künstler übte, jedoch mehr
auf Meckenen als auf Schongauer. In den einem Israel van Meckenen zugeschriebenen Gemälden offenbart sich ein schöner und edler Charakter im Eyck’schen Style.
Aus Wimpheling wissen wir zwar von einem Maler Israel, er sagt aber nicht, dass dieser den Beinamen Meckenen geführt, was die Sache zweifelhaft macht. Man will zwar von dem Älteren Is- rael ein Bildnis besitzen, No. 1 bei Bartsch und in unserm Ver- zeichnisse; allein Becker, Kunstblatt 1830, hat bewiesen, dass jenes Blatt den Kupferstecher Israel und seine Frau darstelle. Die Auf- schrift des Blattes: Figuracio facierum. Israhelis. et Ide. eins Uxoris, sagt ebenfalls nichts von einem älteren Israel: Becker’s Notiz setzt aber die Sache ganz außer Zweifel, da in einer Rechnung des Jahres 1492 jene Ida als Israel’s Hausfrau bezeichnet wird. Der erwähnte Kupferstich stellt daher den Bocholter Goldschmied und Kupfer- stecher Israel van Meckenen mit seiner Hausfrau dar. In dem von Bartsch und anderen bezeichneten Bildnis mit langem Barte, welches den jüngeren Israel darstellen soll, ist daher eine andere Person zu suchen, vermutlich ein späterer Zeitgenosse des Künst- lers; denn Zani bemerkt, dass die langen Bärte erst unter Pabst Julius II. im Jahre 1503 aufkamen. Dieses Bildnis muss demnach eines der letzten Blätter des Künstlers sein, denn Meckenen soll
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1503 gestorben sein. Im britischen Museum ist nämlich die Zeich- nung seines Grabsteines, der jetzt in Bocholt nicht mehr zu finden ist. Bei Ottley, An Inquiry into the origin and early history of Ingraving II. p. 601, ist diese Zeichnung gestochen. Sie stellt in Mitte des Rechteckes zwei Wappen dar, die durch eine Säule getrennt sind, und am Steine herum liest man in gotischen Cha- rakteren: Ind&: iaer: unses: heeren: m: V: en: 1j: up: sinte wertijns: avend: starf de: erber: meister: Israhel: van Meckenen: sijn: siele: roste in: vrede,““ In dem von Becker im Kunstblatte gegebenen Rechnungsauszuge wird Israel 1482 zuerst genannt, 1488 zum letztenmale, und somit ist es sehr wahrscheinlich, dass der Künstler bis 1503 gelebt hat. Im Jahre 1502 copirte er die unbefleckte Empfängniss von Dürer, und wenn man sich erst 1503 lange Bärte wachsen ließ, so ist jenes Modebildniss 1503 gefertigt, in Israel’s Todesjahr.
Der Vater des Künstlers ist unbekannt, wenn es nicht jener Hin- rich Mecken ist, der in Rechnungen von 1425 und 1458 vor- kommt. Im Jahre 1407 wird ein Johannes van Mechgelen genannt, welcher der Großvater unsers Goldschmiedes sein könnte. Früher nahm man an, dass der ältere Israel der Vater des Kupferstechers gewesen, und diese beiden Künstler sollen sich nach Bocholt be- geben haben. Wenn Johann und Heinrich Großvater und Vater des Kupferstechers Israel gewesen sind, so war die Familie schon länger in Bocholt; es wird aber keines Malers erwähnt, nur des Goldschmiedes. Dass Israel in Kupfer gestochen habe, wird in den Rechnungen zwar ebenfalls nicht gesagt, da damals, als in den er- sten Zeiten der Erfindung, die Ausübung des Kupferdruckes noch keine höhere Bedeutung hatte, und hier dem Goldschmiedegewerbe untergeordnet erscheint. Für die Ausübung dieses Gewerbes spre- chen aber unwiderlegbar die in den Jahren 1487, 88, 07 und 08 vorkommenden Ausgaben für gefertigte Silberarbeiten. Bei den in den Rechnungen von 1480 — 60 vorkommenden Ausgaben für Malen, Staffiren und Vergolden des Altares in der Bocholterkirche wird nie eines Meckenen gedacht, was gegen die Existenz eines Malers Israel van Meckenen spricht, was alles aus den von Be- cker im Kunstblatte mitgeteilten Notizen erhellet.
Und nun bleibt uns von dem Kupferstecher zu sprechen übrig. Dass er bei Franz von Bocholt oder bei dem Meister E. S. diese Kunst erlernt habe, wird wohl hie und da behauptet, aber nicht bewiesen. Unleugbar ist aber, dass Israel mit jenem räthselhaften F. V. B., gewöhnlich F. v. Bocholt genannt, in Beziehung gestan- den habe. Meckenen hat mehrere Kupferplatten desselben gleich- zeitigen, oder wenig früheren Stechers nicht allein überarbeitet, sondern auch mit dem Zeichen J. V. M. versehen, worunter jedoch die Spuren des früheren Zeichens F. V. B. noch deutlich zu er- kennen sind. S. No. 00, 197, 209, 152 app.
Israel van Meckenen hat nur auf zwei Blättern seinen Namen ganz ausgeschrieben. Auf andern Blättern steht der Name Israhel allein, oder der einfache Buchstabe I.; dann findet man auf ei- nigen die Buchstaben I. M. und I. V. M., oder Israhel V. M., immer in gotischen Charakteren. Was die Ausführung anbelangt, sind sie nicht alle gleich vorzüglich; einige erinnern an einen jun- gen Künstler, andere an den geübten Meister. Es wurde deswegen die Frage gestellt, ob die so bezeichneten Blätter von ihm allein, oder von zwei Künstlern herrühren. Zanin (Materiali etc. p. 9) vermuthete, die mit I. M. bezeichneten Blätter seien von einem älteren, und die mit I. V. M. von einem jüngeren Künstler gefertigt.
tiget, was Bartsch durchaus widerspricht, indem er in der Zeich- nung und in der technischen Behandlung so gleichmässiges Ver- fahren, solche Einheit des Geistes erkennt, dass man nicht umhin könne, eine und dieselbe Hand zu vermuthen. Er macht den Aus- spruch, dass es nur ein vollkommener Ignorant seyn müsse, der den alten Israel für einen Kupferstecher erklären könne. Zani (Encyclopedia XIII. 460) suchte etwas einzuwenden, hat aber nichts bewiesen. Er führte die schon erwähnte Stelle des Wimpheling an, allein diese ist gegen ihn, da Wimpheling nur von einem Maler Israel, und von keinem Kupferstecher spricht. In der königl. Kupferstichsammlung zu Dresden ist indessen ein Blatt mit dem heil. Lucas, den die Madonna malt, und darunter Jest man die von dem Kupferstichhändler G. W. Knorr geschriebene Notiz: Le portrait d’Israel peint et gravé par lui-meme 1445. Den Grund zu dieser Annahme sagt Knorr nicht, und so bleibt die Sache schon desswegen zweifelhaft. Die alten Maler haben sich zwar öfter unter der Gestalt des malenden Lucas abgebildet, und so nun könnte Knorr dieses auch mit Israel vermuthet haben. Allein in Kupfer gestochen hat der Maler, den alle ältern Schriftsteller Israel von Meckenen nennen, sicher nicht. Wäre dieses der Fall, so gebühret dem Israel die Ehre der Erfindung der Kupferstecherkunst, welche doch Zani mit allem Scharfsinn den Italienern zugesprachen hat. Sandrart setzt zwar die Stiche des Künstlers ebenfalls sehr früh, in das Jahr 1450, allein das ältest bekannte Blatt ist von 1462 (?), so dass wir auf das höhere Alterthum Verzicht leisten müs- sen. Maso Finiguerra aber versuchte sich schon gegen 1452 im Kupferstich. Lomazzo will ebenfalls den Israel des Wimpheling zum Stecher machen, nennt ihn aber Israel Metro. Dieser Schrift- steller folgte vielleicht einer Tradition, die indessen auch dem jüngern Israel meinen kann, da Lomazzo für einen älteren keine Be- weise hat. Diese fehlen im Allgemeinen; dass aber der Goldschmied Israel van Meckenen in Kupfer gestochen habe, ist offenbar, doch weiss man nicht, wann er angefangen zu stechen, so wie auch sein Geburtsjahr unbekannt ist. Die Angabe Mechel’s, dass der Künstler 1440 geboren sei, ist aus der Luft gegriffen; dass er aber 1505 gestorben, haben wir bereits erwähnt.
Da es verschiedene Gemälde gibt, welche einem Israel van Me- ckenen beigelegt werden, so lassen wir hier ein Verzeichniss der- selben folgen, und bemerken im Voraus, dass nirgend so viele vereinigt sind, als in der königl. Pinakothek zu München.
München, in der königl. Pinakothek: die Verkündigung Mariä, kleine Figuren; die Vermählung Mariä, kleine Figuren; mehrere Apostel und Johannes der Täufer, das Mittelstück eines Flügelbildes, auf dessen linken Flügel sich drei Apostel befinden, und drei andere auf dem rechten, halblebensgrosse Figuren; der Eintritt Mariä in den Tempel, kleine Figuren; St. Cunibert und Hieronymus, auf der Rückseite die Verkündigung Mariä; die Heimsuchung Mariä; Christus am Kreuze mit Maria und Johan- nes, von ihm selbst oder aus seiner Schule; der Tod der Maria, auf der Rückseite Johannes der Evangelist, kleine Figuren; die Krönung Mariä von vielen Engeln umgeben, unten die Donatoren; die Himmelfahrt Mariä, kleine Figuren; Joachim und Anna an der goldenen Pforte, kleine Figuren; der Eintritt der Maria in den Tempel, mit einer Inschrift des Stifters, kleine Figuren; der Heiland mit der Weltkugel, halbe Figur; St. Jakob der ältere, halblebensgross; die heil. Jungfrau mit gefalteten Händen; Anton der Einsiedler, im Grunde Gebäude, halblebensgrosse Figur.
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In Schleissheim: Christus, Maria und Johannes, oben drei weinende Engel; Christus auf dem Regenbogen sitzend, neben ihm Maria und Johannes, Engel blasen die Posaunen zum Weltgerichte, die Toten gehen aus dem Grabe hervor; das jüngste Gericht,
Nürnberg, im Bildersaal der St. Morizkapelle: die Geburt der Maria; der Tod der Maria mit Christus im Tempel auf der Rückseite; die Verkündigung; die Himmelfahrt Christi. Auf der Burg daselbst ist eine Kreuzschleppung, aus der Boisserée’schen Sammlung.
Die Bilder in den k. bayerischen Sammlungen stammen teils aus den alten Gallerien in München und Schleissheim, teils aus der Boisserée’schen Sammlung. In der alten Gallerie zu München war der Heiland mit der Weltkugel, auf Goldgrund und auf Holz gemalt, so wie alle Bilder dieses Künstlers; die heil. Jungfrau mit gefalteten Händen und dem Schleier auf dem Kopfe; Christus am Kreuze zwischen Johannes und Maria. In der Boisserée’schen Sammlung waren folgende Bilder, bei welchen wir die öffentliche Critik des Kunstblattes beifügen: die Vermählung der heil. Jung- frau, eine effektvolle Composition von 13 Figuren, jede Gestalt von sprechender Individualität; die Apostel Paul, Simon und Phi- lipps; die Apostel Mathias, Jacobus und Andreas, alle von ängst- licher Naturnachahmung, lebendig in den Köpfen; die Kreuz- schleppung, nicht so schön wie die übrigen Bilder, anscheinlich aus der früheren Zeit Israel’s, wenn es von ihm ist. In dem Bilde der Apostel Jacobus und Antonius sind die Figuren von edler Ein- falt, die Köpfe sind trefflich modelliert, und auch die Draperie verdient grosses Lob. Noch vorzüglicher ist das Gemälde des Jo- hannes in einer Kirche, wie er dem Volke die Lehre des Heils er- öffnet. In diesem Bilde zeigt sich ein weit bedeutenderes Kunstver- mögen, als man dem Meister gewöhnlich beizulegen pflegt; der Ausdruck in Stellung und Gebärde des lehrenden Apostels ist be- wundernswert; in der Gruppe der Jünger sieht man einen Künst- ler, der mit Überlegung und nach Grundsätzen zu Werke ging, und die Natur mit geübtem Auge nachzuahmen wusste. Bei aller Einheit der Handlung sind die Charaktere mannigfaltig motiviert, tief sprechend aufgefasst, ihrer Situation angemessen.
Nicht so vorzüglich sind die Bilder der St. Morizkapelle zu Nürnberg. Im Tode der Maria sind die 12 Apostel nicht gut grup- piert, mehr Lob verdienen die Köpfe. Der Eintritt Mariens in den Tempel und die Geburt Mariens sind fleißig behandelt, in den Köpfen ist viel Wahrheit, und besondere Vorzüge verdient die Zeichnung einiger Hände, die Behandlung der Beiwerke etc. Die Verkündigung ist das schönste Bild der Nürnberger Sammlung. Es hat größere Vorzüge in der Composition, die Luftperspektive ist besser angewendet, als in den Eyck’schen Bildern, und auch die Zeichnung verdient alles Lob.
Einige der Bilder der k. bayerischen Sammlungen sind durch Lithographie bekannt aus dem Galleriewerke des Dr. Boisserée, Die Vermählung Mariens, eine reiche Composition, lithographiert 1822 N. Strixner, so wie die 12 Apostel, stehende Figuren im go- thischen Arkaden, 4 Blätter, je drei auf einem; St. Anton den Dämon zertretend; St. Jakob mit dem Schwert als Pilger; den Evangelisten Johannes, wie er seinen fünf Schülern die Lehre der Religion mittheilt. Die 6 Blätter mit den 12 Aposteln, welche J. T. Prestel gestochen hat, sind nach Handzeichnungen des Praun’- schen Cabinets gefertigt, mit Facsimile,
Meckenen, Israel van.
Cöln, im Museum der Stadt: Eine Abnehmung vom Kreuze, von 1488, ehedem in der Sammlung des Professors Wallraff.
Man hat auch den Meister einer Passion, die Stadtrath Lyvers- berg in Cöln besass, mit dem Namen Israel v. Meckenen bezeich- net, doch ohne genügenden Grund.
Berlin, im k. k. Museum: Ein dem Israel verwandtes Bild, wel- ches in der Mitte die Anbetung der Könige, auf den Seiten die Geburt Christi, und die Darstellung im Tempel enthält. Dieses Bild ist nach Dr. Kugler (Beschr. d. Museums S. 160) wenig werth, mit seinen dürr mamnıerirten und bis zur Karrikatur gesteigerten Gestalten. Solche Unvollkommenheiten bieten indessen die Bilder in München nicht.
Wien, im k. k. Belvedere: Jenes Bild zweier Dominikaner, von welchem Mechel sagt, dass es mit J. M. und 1452 bezeichnet sei. Die Sache verhält sich nicht so. S. die genauen Untersuchungen in Bartsch P. gr. Vl. p. 108.
Kupferstiche.
Die Kupferstiche dieses Künstlers tragen das Gepräge der soge- nannten gothischen Zeit, aber man vermisst in ihnen die Schön- heiten, die sich in mehreren Werken seiner Epoche so zart aus- sprechen. Die Composition ist unansehnlich, geistlos, die Zeich- nung oft äusserst schlecht. Israel muss dem M. Schongauer und andern Meistern jener Zeit weichen, deren Blätter wenigstens Ori- ginalität des Geistes offenbaren, und bei aller Bizarrerie auch ihre
chönheit haben. Meckenen fand daher keinen Copisten, wäh- rend er allein 40 Blätter von Schongauer copirte. Allein bei aller Unvollkommenheit stehen seine Blätter doch in grossem Ansehen, und die Capricen der Kunstsammler setzen auf die Seltenheit und das Alterthum dieser chalkographischen Erzeugnisse keinen gerin- gen Werth, indem in Aulgionen selbst geringere Blätter um 15 bis 20 fl. und noch höher, versteigert wurden. Die Abnehmung vom Kreuze, No. 25, ist bei Weigel auf 15 Thlr. gewerthet; die Messe des heil. Gregorius, No. 100, auf 9 Thlr. 12 gr.; das sel- tene Hauptblatt des Mohrentanzes, No. 201, auf 30 Thlr.; die Steinigung des heil. Stephan, ebenfalls ein Hauptblatt, No. 04, auf 14 Thlr.; der heil. Anton, No. 86, auf 7 Thlr. 12 gr.; der heil. Martin, No. 108, auf 7 Thlr. 12 gr.; der heil. Sebastian, No. 112, auf 8 Thlr., das Weib, welches den Mann schlägt, No. 173, auf 8 Thlr. 16 gr.; die Sängerin und der Guitarrespie- Jer, No. 174, auf 8 Thlr. 16 gr.; die Capitalverzierung mit den kämpfenden Wilden, No. 207, auf 14 Thlr. Sechs Blätter der Passion, No. 10 — 21, galten auf der Hochw. Auktion 47 fl. 15 kr., bei Winkler 27 Rthlr.; die grosse Kreuztragung 14—20 £.; der Tod der Maria bei Frauenholz 10 fl. 30 kr., bei Brandes 7 Rthlr. 12 gr. Daraus kann man sich von den Preisen der Blätter Israel’s obenhin einen Begriff machen, und auch die Zeichnungen des Künstlers sind nicht minder teuer. Bei Weigel gilt eine Feder- zeichnung, welche den Tod der Maria vorstellt, Composition von 13 Figuren, in Quart, 8 Thlr.
Bartsch beschreibt 233 eigenhändige Blätter von diesem Künstler, und 25 andere, von denen es ungewiss ist, ob sie von ihm her- rühren, die sich aber doch im Geschmacke ihm nähern. Heinecke hat noch 45 andere Blätter verzeichnet, nach welchen aber Bartsch vergebens suchte, wesswegen er die Sache bezweifelt. Wir geben
hier das Verzeichnis nach Bartsch, mit wenigen Zusätzen und einem kleinen Anhange.,
Das Bildnis des alten Israel van Mecken und seiner Frau, Büsten, beide auf einem Blatte, Ersterer in Dreiviertelansicht, die Andere fast en face. — Figuracio facierum. Israhelis. et eius Uxoris. — — J. U. M. H. 4 Z. 9 L., Br. 6 Z.
Israel von Mecken der Jüngere (?), Büste in Dreiviertelansicht, mit sehr langem Barte, einen Turban auf dem Kopfe. Is- rahel van Meckenem Goltsmit. H. 7 Z. 8 L., Br. 4 Z. 11 L. Über diese beiden Personen s. Eingangs.,
Samson erwürget den Löwen. Links unten die Buchstaben
Judith steckt den Kopf des Holofernes in den Sack, welchen die Magd hält. Im Grunde links kämpfen die Bewohner von Bethulien mit den Assyriern, Israhel. V. M. H. 8 Z., Br. 10 Z. 10 L. ;
Die Verkündigung Mariä. Unten in der Mitte ist das Zei- chen J. M. H. 5 Z. 11 L., Br. 4 Z. Dieses ist eine Copie nach M. Schongauer.
Die Geburt Christi; Maria mit gekreuzten Händen betet das auf Stroh liegende Kind an, dabei sind Ochs und Esel, im Grunde rechts Joseph, in der Höhe drei kleine Engel mit einer Schriftrolle. In der Mitte unten J. M. H. und Br. 5 L. Gegenseitige Copie nach M. Schongauer.
Die heil. drei Könige bringen dem Jesuskinde Geschenke, Der Name Israhel steht unten in der Mitte, und im Rande liest man: Jhesus, Maria, Jaspar. Melchior. Baltasar. H. 5 L.
Die Enthauptung des heil. Johannes, Links ist das Gefäng- niss, wo der Henker der Herodias das Haupt reicht, rechts ist der Saal, wo sie dem Könige bei der Tafel dasselbe bringt. Unten in der Mitte J. M. H. 7 Z. 9 L., Br. 5 Z.
ba d
ßie Herodias bringt während des Tanzes das Haupt des Jo- hannes. Der tanzenden Paare ist eine lange Reihe, und sie richten ihren Weg nach der Tafel im Grunde. Links im Hintergrunde geht die Enthauptung vor sich. Unten in der Hauptblatt.
- — 21) Die Passion, Folge von 12 Blättern. H. 7 Z. 7 — 10 L., Br. 5 Z. 4 — 5 L. Man hat von dieser Folge dreierlei Abdrücke; die ersten sind wenig überarbeitet, die zweiten sind retouchirt, die dritten sind mit den Buchstaben A.—M. bezeichnet.
a) Die Fusswaschung des Herrn, im Grunde das Abendmahl, links Christus am Ölberg. }
b) Die Gefangennehmung.
c) Christus vor Caiphas geführt, im Grunde die Verläugnung
etri. d) Die Geisslung Christi: an der Säule. e) Die Dornenkrönung, f) Christus vor Pilatus auf dem Richterstuhle, wie er die Hände wäscht. Am Rande des Stuhles sind die Buchsta- ben J. M. I
- Meckeren, Israel van.
h) Die Kreuztragung. Christus wird nach rechts bei den Haaren geschleppt, im Grunde Maria bei den Frauen,
i) Christus seiner Kleider heraubt am Baume des Kreuzes, welches man zur Aufstellung herrichtet. Vorn losen die Soldaten um die Kleider, in der Ferne ist Christus am Kreuze.
k) Die Kreuzabnehmung; dies im Grunde links, vorn Maria mit den Jüngern und heil. Frauen, den Leichnam Christi beweinend.
l) Die Auferstehung; im Grunde links die Befreiung der Vorältern aus dem Limbus, noch ferner gehen die hl. Frauen zum Grabe,
m) Christus bei den Jüngern in Emaus am Tische. Durch eine Arkade sieht man ihn mit den zwei Jüngern über eine Brücke gehen, und rechts in der Ferne erscheint er der Magdalena als Gärtner.
Diese Blätter wurden retouchiert, wie fast alle dieses Meisters. Es ist zu bemerken, dass in No. 12 die Fahne eines der Juden bei der Retouche mit dem gotischen Buchstaben M. bezeichnet wurde, während dieses bei den früheren Abdrücken nicht der Fall ist.
Die Kreuztragung. Christus unterliegt der Last, richtet sich nach rechts und vier Juden folgen ihm. Ein fünfter zieht ihn am Stricke und schlägt ihn zugleich mit dem oberen Theile desselben. Unten in der Mitte sind die Buchstaben I. M. H.5 Z.2L., Br. 7 Z.4L.
Die Kreuztragung. Christus trägt das Kreuz nach dem Calvarienberge. Eine grosse Anzahl von Juden gehen voraus und folgen ihm. Der Zug geht nach rechts. Unten in der Mitte das Zeichen I. M. B. 19 Z. 3 L.? Br. 15 Z. 6 L.? Gegenüberstehe Copie nach M. Schongauer.
Die Kreuzabnehmung. Joseph und Nicodemus nehmen den
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