Mechel, Christian von

Mechel, Christian von, Kupferstecher und Kunsthändler , wurde

1737 zu Basel geboren, und obgleich ihn seine Eltern zum Geist- lichen bestimmten, folgte er doch seiner Neigung zur Kunst. J. G. Heumann und die Preissler in Nürnberg ertheilten ihm den ersten Unterricht, hierauf ging er nach Augsburg zu J. G. Pinz, und nach Paris , wo er zwei Jahre bei Wille sich übte, blieb aber bis 1764 in jener Stadt, da er verschiedene Blätter ausführte, von welchen ihm jenes auf die dritte Jubelfeier der Universität Basel 1760 das Patent eines Kupferstechers des Raths und der Uni- versität Basel erwarb. Nach seiner Rückkehr ins Vaterland trat er in den grossen Rath, verheirathete sich mit der Tochter des berühmten Schriftstechers W. Haase, blieb aber nur bis 1765 in dieser Stadt, da es ihn nach Italien zog. Zu Florenz nahm ihn die grossherzogliche Akademie unter die Zahl ihrer Mitglieder auf, in Rom erwarb er sich Winckelmann’s Freundschaft, und mit mannigfaltigen Kenntnissen ausgerüstet kehrte er zu neuer Thätigkeit nach Haus. Er gründete die erste Kunsthandlung in der Schweiz , und um deren Ruf zu vermehren, verband er damit eine Zeichen- und Kupferstecherschule, wodurch er aus allen Län- dern Schüler an sich zog; allein es war ihm dabei weniger um

Mechel, Christian von.
die Kunst, als um sein materielles Interesse zu tun. Seine Kunst-
schule glich mehr einer Fabrik, in welcher oberflächliche Ware
zu Tage gefördert wurde, und mancher talentvolle Künstler und
junge Mann hatte den Verlust der Zeit zu beklagen, den er in von

Mechel’s Offizin seiner reellen Ausbildung zum Opfer brachte. Mit
Hilfe seiner Schüler gab er unter seinem Namen eine bedeutende
Anzahl von Werken ans Licht, die seinen Ruhm und seine Cassa
vermehrten. Dahin gehört:

  1. L’Oeuvre du Chev. Hedlinger, ou recueil des medailles de
    ce célèbre artiste gravées en taille-douce, accompagnées d’une
    explication historique et critique, et précédées de la vie de
    l’auteur, 142 Blätter in fol. 1776.

  2. Catalogue figuré et raisonné de la gallerie de Düsseldorf,
    zwei oblonge Bände, wovon der eine die Bilder der Gallerie
    ins Kleine gestochen enthält, der andere die Beschrei-
    bung, 1778.

Dieses Prachtbilderbuch erwarb dem Künstler den Titel
eines churpfälzischen Hofkupferstechers, und somit suchte
er durch ein neues Werk neue Vortheile zu erringen. Er
machte sich an den berühmten Holbein, dessen Todtentanz
Herr von Mechel verunstaltete, was wir schon im Artikel
dieses berühmten Künstlers beibrachten. Das Werk erschien
unter dem Titel:

  1. Oeuvre de Jean Holbein ou Recueil de Gravures d’après ses
    plus beaux ouvrages, accompagnées d’explications hist. et
    crit. et de la vie de ce fameux peintre, par Chrétien de Me-
    chel. Ie. Partie. Le Triomphe de la mort, 14 Kupfertafeln
    mit 50 Darstellungen und Text, Basle chez l’auteur 1780,
    roy. 4. Die zweite Abteilung enthält Holbein’s Passion
    nach Zeichnungen auf der Universität Basel. An diese
    Werke schließen sich seine 132 männlichen und 12 weib-
    lichen Schweizertrachten (1700), und die Schweizerbauern-
    Costümblätter gehören zu den ersten dieser Gattung.

Jetzt zeigte sich ein neuer Glücksstern am Horizonte dieses Künst-
lers. Im Jahre 1777 erhielt er bei der Anwesenheit des Kaisers
Joseph II in Basel eine Einladung nach Wien, und Mechel reiste
im folgenden Jahre dahin ab. Er erhielt da die schmeichelhaftesten
Gewiese von Achtung der höchsten Personen des Hofes, und
besonders auch des Fürsten Kaunitz. Er wurde zum Rath der
k. k. Akademie ernannt, und dann hatte der Kaiser das Ver-
trauen, dass der Kupferstecher auch die Gallerie des Belvedere
einrichten könne, was er in vier Jahren auch bewerkstelligte. Im
Jahre 1783 erschien sein Verzeichniss der k. k. Gallerie in Wien.,
Mit Kupfern, 8. Im Texte wollte er manchmal mehr wissen, als
ein anderer, und erlaubte sich dessfalls zuweilen aus der Luft ge-
grifener Angaben.

Nach Beendigung dieser Arbeit ging Mechel nach Basel zurück,
wo er 1787 auch in den kleinen Rath gelangte, doch bald darnach
machte er eine weitere Reise nach Rom, wo er indessen nur bis
1789 blieb, worauf er wieder nach Basel ging, um seinem Kupfer-
stichhandel immer größereren Umschwung zu geben. Endlich brach
die französische Revolution aus, und ihre nachtheiligen Folgen
wirkten auch auf die Mechel’sche Offizin nachtheilig. Doch blieb
die Handlung noch immer im Gange, nur richtete er sich zeit-
gemäß ein. Es erschienen damals bei ihm Bildnisse von Helden
des Tages, Costüme, schwarzes und farbiges Zeug, Charten, Pro-

Spekte u. s. w., wovon unten eine Musterkarte folgt. Später be- gab er sich nach Berlin, wo ihn die königl. Akademie zum ordent- lichen Mitgliede ernannte, und da nun kam er auf einmal in das

Fach der Astronomie, wozu ihm Humboldt, Saussure, Bode u. a.

erhebt. Die Werke, welche damals von ihm erschienen, haben

den Titel:

Vergleichende Tafel, der Berge des Mondes, der Venus etc. gr. 4. — Tafel der höchsten Berge unserer Erde etc. gr. 4.

In der letzten Zeit seines Lebens erschien von Mechel eine ge- treue Abbildung der berühmten Hand des Götz von Berlichingen mit dem Bildnisse des Mannes und einer Ansicht von dessen Burg Jaxthausen heraus. Das Ganze besteht aus vier vom Grafen C. von Brühl gezeichneten Blättern, mit Erklärung des Mechanismus, einer Biographie des Ritters und einer Sammlung von Gedanken, in Versen und in Prosa über dieses Kunstwerk. Im Jahre 1815 eröffnete von Mechel die Subscription. Ch. von Mechel starb 1818 in Berlin. In der letzteren Zeit seines Lebens wurde er markgräf- lich Baden’scher Hofrath. B. Huber stach 1784 sein Bildniss, kl. 4, Haller hat es radirt, 8. Auch Jakob von Mechel hat sein Bild- niss gestochen.

Theils von ihm selbst gestochen, oder in Aquatinta behan- delt sind:

  1. Holbeins Todtentanz, das bereits oben Nro. 3 erwähnte Werk, hierbei als Schluss die berühmte Dolchschneide mit dem Todtentanz. Es gibt Abdrücke mit je vier Darstellun- gen auf einem Blatte, und solche zerschnitten. Schön in Bleistift-Abdrücken, sie geben aber die Originale nicht getreu.

  2. Die Passion Jesu Christi, beginnend mit dem Abendmahl bis zur Grablegung, nach den Zeichnungen Holbein’s auf der Bibliothek zu Basel. Chr. de Mechel direct. 8. Dieses Werk bildet die zweite Abtheilung des oben im Contexte Nro. 3 erwähnten Werkes.

  3. — 4) Der Triumph der Armuth und des Reichthums, geist- reiche Compositionen Holbein’s, ehedem in London. F. Zuce- charo fertigte Zeichnungen nach diesen Gemälden, Christ. de Mechel exc. kl. qu. fol. Diese Blätter gehören ebenfalls zum Oeuvre de Holbein.

  4. Eine Folge von 12 Blättern, Schweizertrachten von Krie- gern, Bürgern und Frauen, nach Holbein’s Zeichnungen auf der Baseler-Bibliothek. Mechel exc. 1790. fol. Vor- zügliche Blätter.

  5. Venus und Amor, nach Holbein’s Gemälde auf der Biblio- thek zu Basel, fol.

  6. Die heil. Jungfrau mit dem Kinde, in einer Einfassung von Rosen, nach J. Amigoni. Christian de Mechel Basil. sculp. Aug. V. 1755, kl. fol.

  7. — 9) Johannes als Kind kniend, Zwei Engel, der eine mit dem Kreuz, der andere mit der Dornenkrone, beide nach C. Eichen, kl. fol.

  8. Christus am Kreuze, kleines Blatt nach demselben, 1758.

  9. L’Amour décochant une fleche, nach C. Vanloo, kl. qu. fol.

  10. Amour menaçant, nach Vanloo 1764, gr. fol.

  11. Die Gründung der Universität Basel, Allegorie nach Hel- mann, in Paris gestochen.

  12. Tombeau de Mene. Langhans, nach Nahl’s Werk in der Kirche zu Hindelbank, fol.

Marc Chagall

  1. Sollicitude d’une mère dans l’Eternité, nach Freudweiller 1786. Unter Mechel's Leitung von B. R. Comte gestochen, fol.

  2. Le marchand de mort aux rats, nach Wille 1758, kleines geätztes Blatt.

  3. Les trois Graces du Gouguisberg, ou costume des paysannes du Baillage, nach Locher, kl. fol.

  4. Les trois Bacchus, ou costume des paysans de Morat, nach Locher. Pendant.

  5. Cosmographus meditans, nach Rembrandt geätzt, kl. fol.

  6. Zwanzig Trachten von Bauern aus verschiedenen Gegenden der Schweiz.

  7. Die Militärtrachten der österreichischen Rothmäntler.

  8. Deux différentes vues de la chute du Rhin près de Schaffhouse, 2 affektvolle Blätter, nach Loutherburg. H. 151 Br. 22} Z. Es gibt auch colorirte Exemplare.

  9. — 24) Zwei Flussansichten, nach A. C. Gignoux 1763, qu. 8.

  10. — 26) Zwei Rheinansichten, Chr., v. Mechel sc, 1758 und 590, nach Brinkmann, qu. fol.

  11. Prospectus Rheni, nach Weirotter, qu. fol.

  12. Vue perspective de la Vallée de Chamouny, du Montblanc etc., für das Voyage de M. de Saussure,

  13. Vue perspective de la partie la plus élevée de la Suisse, nach L. Pfyffer’s Modell für dasselbe Werk.

  14. Vue perspective du Mont St. Gotthard, nach einem Relief von Exchaque.

  15. Halte de Guerriers, nach Loutherburg. Sehr grosse Landschaft.

  16. Die Ansicht von Bruck.,

  17. Eine solche von Fraubrunn.

  18. — 35) Zwei Ansichten von zwei später verbrannten Brücken in Schaffhausen und Wettingen.

  19. Ansicht des Schlosses Falkenstein. Alle in Aquatinta.

  20. Das Mausoleum des Marschal Moritz von Sachsen zu Strassburg, nach J. B. Pigalle, gr. fol. Schön.

  21. Monumentum Samuelis Merian. Lud. Vasse inv. fol.

  22. Franz Joseph Anton Hell, Oberamtmann, 8.

  23. General Georg August Elliot, nach G. F. Köhler, 8.

  24. Stephan Schultz, Missionär, nach A. Graf, 8.

  25. Michael Schubert, berühmter Arzt zu Langnau, nach Locher. Oval, kl. fol.

  26. Maria Flückiger, seine Frau, nach demselben. Oval, kl. fol.

  27. Michel Nostradamus, berühmter Prophet, am Tische die Feder schneidend (le tailleur de plume), nach Metzu 1762. Ch. de Mechel sc, Schönes Blatt. fol.

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