Mechau, Jakob Wilhelm

Mechau, Jakob Wilhelm, Maler und Radierer , geboren zu Leip- zig 1745, gestorben 1808. Sein Vater, der Leipziger Rathsbuchhal- ter Mecheau, ertheilte ihm eine sorgfältige Erziehung, aber schon frühe äußerte sich im Knaben die angeborene Neigung zur Kunst. Die erste Anregung gab ihm der Encaustiker B. Calau, dann emp- fahl ihn der Vater dem berühmten Oeser, der sich vor den Kriegs- unruhen nach Leipzig flüchtete, und wenn er bei diesem damals der Zerstreuung sich hingebenden Meister sonst nichts gewann, so gewöhnte er doch sein Auge an Ebenmaß der Gestalt und an Harmonie der Farbe, was er in den geschwollenen und bunt ge- färbten Figuren seines nachmaligen Lehrers B. Rode in Berlin ver- misste. Es zog ihn daher die Zeichnungsart des Direktors le Sueur

Mechau, Jakob Wilhelm.

mehr an, und jetzt fand er auch an Bardou einen Freund und eigentlichen Lehrer. In Berlin zeichnete er viel mit rother Kreide, besonders nach dem Nackten, und nach drei Jahren ging er nach Dresden , wo damals Casanova und H. von Hagedorn ihn lieb gewannen. Hier traf er auch den Maler Füger, den er nach vier Jahren nach Leipzig begleitete, wo Füger durch Miniaturmalen und Mechau durch Zeichnungen für Buchhändler sich Unterhalt verschaffte, bis sie endlich Gelegenheit fanden, in Rom ihren Trieb

nach höherer Ausbildung zu befriedigen. Bach und Seidelmann

folgten nach, doch zu den damaligen Notabilitäten Roms gehörten

David und Hackert, von welchen der Ruf des ersten in kurzer

Zeit so gewaltig wurde, dass Mechau nicht mehr Lust gehabt zu

haben schien, auf dem historischen Felde fortzuschreiten; er wid-

mete sich der Landschaft. Poussin und C. Lorrain unter den äl-

tern, und Hackert unter den neuern dienten ihm zu Vorbildern;

allein Mechau wollte weder den einen noch den andern nachah-

men, er folgte seinem eigenen Genius, und erreichte eine Stufe,

auf welcher nur wenige seiner Zeitgenossen einholten. Er befliss

sich eines genauen Studiums der Natur und ihrer Erscheinungen,

machte häufige Fußwanderungen, um schöne Partien sogleich

mit Farben auf dem Papiere zu fixiren, und schon glaubte er sein

ganzes Leben in Rom unter solchen Bestrebungen zu verbringen, als ihn Hagedorn und der neue Gallerie-Direktor Graf Marcolini nach Dresden beriefen. Im Jahre 1780 trat er mit reichen Studien versehen durch die Schweiz seine Rückreise an, von der Hoffnung begleitet, dass er in Dresden oder in Leipzig eine passende Anstellung erlangen würde; allein er wurde nur Mitglied der Akademie mit einem kleinen Jahrgehalt. Dem Wunsche seiner Eltern zufolge liess er sich in Leipzig nieder, doch befasste er sich jetzt wenig mehr mit Anfertigung von Zeichnungen für Buchhändler und mit dem Unterrichte, nur zwei talentvolle Frauenzimmer, Bause und Felix, hatten sich seiner Leitung zu erfreuen. Auch Ölbilder malte er nur wenige, da die Zeitverhältnisse nicht günstig waren, nur Landschaftszeichnungen und solche in Aquarell fanden Absatz, und einen anderen Teil machen seine Radierungen aus. Er radirte viel, vollendete aber nicht alles, und andere Versuche widmete er der Nachahmung der französischen Tuschmanier, was ihm gut gelang. So verlebte er 10 Jahre, aber nachdem seine Eltern mit Tod abgingen waren, sehnte er sich von Leipzig weg. Nach Dresden wollte er ohne fürmliche Anstellung nicht gehen; dort war Zingg an Dietrich’s Stelle gekommen, und zu jener Zeit wurde auch der Pastellmaler Schmidt als Professor angestellt, was unseren Künstler so entrüstete, dass er beschloss, fortan als freier Mann in Rom zu leben. Im Jahre 1790 kam er zum zweitenmale dahin. So lange die Engländer Italien besuchten, fehlte es ihm nicht an Absatz, und dass seine Zeit in Italien sehr in Anspruch genommen wurde, beweist auch die Sammlung von römischen Ansichten, die er mit Reinhard und Dies herausgab, unter dem Titel: Malerisch radirte Prospekte von Italien, nach der Natur ge-

zeichnet und zu Rom radirt, — Collection de vues pittoresques

de l’Italie dessinées d’après nature et gravées à l’eau forte à Rome,

par C. A. Dies, Ch. Reinhart, J. Mechau. — 72 Platten, Nürnberg

1790, roy. fol. Es gibt von diesem Werke Prachtexemplare in

Abdrücken in roy. fol. vor der Schrift, die bei Frauenholz 290 fl.

kosteten; die Abdrücke vor der Schrift in gr. Medianfolio 230 fl.,

Abdrücke mit der Schrift 40 fl. Auch jetzt werden gute Abdrücke

noch teuer bezahlt; bei Weigel ist ein Exemplar in ersten vor-

trefflichen Abdrücken für 36 Thlr. zu haben. Die einzelnen Blätter
werden wir unten aufzählen.

Mechau lebte in Rom ein genussreiches Leben, bis die französische
Invasion seinen Himmel trübte. Er begab sich nach der
Wegführung des Papstes nach Dresden, und da lebte er bis
an sein Ende, fern von der Akademie. Er malte viele, theils große
Bilder in Öl, die bei der öffentlichen Schaustellung theils gerühmt,
theils auch kritisiert wurden. Anfänglich warf man ihm Steifheit
vor, was seine Richtigkeit hatte, da der Künstler bis dahin
seine Werke in Öl malte; um aber diese Unvollkommenheit zu beseitigen,
kopierte er zwei Meisterwerke des C. Lorrain, was ihm im
hohen Grade glückte. Schon zahlreich sind indessen seine Werke
nicht, denn Mechau arbeitete sehr langsam und sorgfältig. Er
schlug mehrere Bücher nach, um sich einen Begriff von der dar-
zustellenden Gegend zu machen, denn nicht immer konnte er nach
der Natur wählen, immer aber zeigt er, wie sich bei ihm auf un-
gewöhnliche Weise Talent und Geschmack verbinden. Er ist im
wissenschaftlichen wie im praktischen Theile zu rühmen; seine
Gemälde tragen alle das Gepräge eines feinen poetischen Sinnes,
einer lebhaften Einbildungskraft und einer heiteren frohen Laune.
Sein ausgebildeter Kunstgeschmack offenbart sich in der zweck-
mäßigen Anordnung seiner Gegenstände, deren Wohlgefälligkeit
die ungesuchte bedeutende Verteilung des Lichtes und Schattens
nicht selten noch erhöht. Die schönen bestimmten Formen, das
Charakteristische seiner Bäume und Pflanzen, der wahre Ton seiner
Ferne, und die ganze Haltung seiner Bilder beweisen ein
befriedigendes, gründliches, tiefes Studium der schönen Natur.
In Kraft und Dreistigkeit der Behandlung, in charakteristischer
Bestimmtheit der Gegenstände setzt ihn Goethe in seinem Winckelmann
dem Reinhard nach, in Zartheit des Pinsels, in Lieblichkeit des
Colorites stellt er ihn aber über denselben. So urtheilt dieser
von den Arbeiten des Künstlers in Rom; als Maler leistete er
später in Dresden noch Besseres, als in Rom. Herrliche Bilder
dieser Art sind sein „Quirinus Cincinnatus“, den der Senat vom Pfluge hin-
weg zur Diktatur beruft, und das Gegenstück stellt den Albinus
vor, wie er den vor Brennus fliehenden Galliern seinen Wagen ein-
räumt. Die Gegenstände seiner früheren Gemälde in Dresden sind
Herder’s zerstreuten Blättern entlehnt, so wie Manso’s mythologi-
schen Versuchen und vermischten Schriften aus der Fabelwelt.
Diese mythischen Darstellungen gefielen nicht lange, und so stellte
er in sechs großen Bildern Szenen aus dem Leben Abraham’s dar,
Gemälde von grosser Schönheit, die aber der Critik nicht ganz
entgingen. Im Freimüthigen 1808 S. 435 heisst es, dass die
Baummassen sich zu sehr ähneln, und dass man nordische Laub-
bäume im Vaterlande des Patriarchen entdecke. Das Grün soll
mitunter in zu grosser Fülle hervortreten, und die überirdischen
Gestalten, die ohne Flügel in der Luft schweben, hängen schwer-
fällig da. Immerhin aber muss man auch in diesen Bildern Me-
chau’s Meisterhand bewundern und seine geniale Kraft. Auch das
Morgenblatt 1808 S. 132 spricht sich über das Talent dieses Künst-
lers ehrenvoll aus, und hebt besonders hervor, wie es dem Künst-
ler gelungen ist, irgend eine Begebenheit mit der landschaftlichen
Natur in Einhelligkeit zu bringen. Sein Werk wird indessen in mehreren,
auch neueren Schriften rühmliche Erwähnung gethan, wie im
Kunstblatte etc. Geyser und Ender stachen Vignetten nach ihm,
so wie Krüger und Wagner.

Nagler’s Künstler-Lex: VII. Bd. 34

Mechau hinterließ mehrere malerisch radirte Blätter. Folgende von 1 — 23 sind aus der oben erwähnten Sammlung von italieni- schen Prospekten:

  1. Die Wasserleitung des Martius und Claudius, wie auch vom alten Anzieno ausserhalb dem Johannesthor. H. 104 Z., Br. 1532 Z. ;
  2. Ansicht vom St. Johannesthor zu Rom. H. 104 Z., Br. 14 Z.
  3. Ansicht vom St. Paulsthor und der Pyramide des Cestius. H. 104 Z., Br. 14 Z.
  4. Triumphbogen des Drusus, jetzt St. Sebastiansthor zu Rom.
  5. Erhöhungsort der flamändischen Maler aus dem vorigen Jahr- hunderte beim Monte Testaccio. H. 104 Z., Br. 14 Z.
  6. Eine andere Ansicht vom Triumphbogen des Drusus. H. 14 Z., Br. 104 Z.
  7. Die Brücke Molle, wo die Schacht des Constantius gegen Maxentius vorfiel. H. 104 Z., Br. 133 Z.
  8. Ansicht der Fontana Egeria. H. 104 Z., Br. 133 Z.
  9. Ansicht der Brücke Salaro. H. 104 Z., Br. 133 Z.
  10. Das Castell Gandolfo. H. 133 Z., Br. 104 Z.
  11. Die Einsiedelei zu Albano. H. 104 Z., Br. 14 Z.
  12. Das Thor von Falerium (Fallari), einer verwüsteten etrus- kischen Stadt. H. 104 Z., Br. 14 Z. ;
  13. Zu Kloster der Franziskaner bei Subiaco. H. 104 Z., Br. 14 Z.
  14. Das Hospital des heil. Franziscus bei Subiaco. H. 104 Z., Br. 14 Z.
  15. Ansicht bei Civita Castellana. H. 104 Z., Br. 14 Z.
  16. Die Brücke Celio bei Civita Castellana. H. 104 Z., Br. 14 Z.
  17. Die Brücke Tarano bei Civita Castellana. H. 14 Z., Br. 104 Z.
  18. Ansicht in den Wald bei der Stadt Marino. H. 14 Z., Br. 104 Z.
  19. Ansicht unterhalb der Brücke Lupo. H. 14 Z., Br. 104 Z.
  20. Arco della Torre, ein Teil der Wasserleitung bei Tivoli.
  21. Ansicht der Fontana Blandusia (aqua aurea) zu Tivoli. H. 104 Z., Br. 14 Z.
  22. Der Wasserfall des Velino zu Papigno bei Terni. H. 14 Z.
  23. Ansicht von Papigno bei Terni. H. 104 Z., Br. 14 Z.
  24. Gebirgsgegend von Subiaco, Vicino a Subiaco. H. 104 Z., Br. 14 Z.
  25. — 30) Folge von sechs italienischen Gegenden mit Ruinen und Gebäuden, in Swanefeld’s Manier. J. Mechau fecit Ro- mæ 1778. H. 3 Z. 9 — 10 L., Br. 4 Z. 8 L. — 5 Z. 3 L.
  26. — 44) XIV Landschaften von J. Mechau 1778, mit Hütten und Figuren. Es sind gewöhnlich nur 132 angegeben. H. Jedoch Blättchen.
  27. Eine Landschaft mit Landleuten und Heerden, der Hirt zu Esel. Selten.
  28. Eine heroische Landschaft mit Merkur und Argus in der Ge- gend von Tivoli.
  29. Der Wasserfall in Tivoli.
  30. Eine italienische felsige Gegend, rechts ein Weib, welche

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