Mazzuoli, Girolamo di Michele

Mazzuoli, Girolamo di Michele, Maler und Vetter Fr. Parmesano’s, dessen Schüler oder Mitschüler bei Correggio, wie einige glauben, mit dem er seit 1520 zusammenlebte, wenn nicht schon einige Jahre früher, als Francesco nach Rom ging und nachdem er von dort zurückkam. Dieses gute Vernehmen scheint sich in der Folge gelöst zu haben; denn Parmegianino setzte, nach Lanzi, zwei Fremde zu Erben ein, und überging den Vetter. Ticozzi nennt ihn indessen den Erben des erwähnten Künstlers, und somit sind die Meinungen geteilt. Doch wozu diese Erbschaft, wann Parmigianino im Elende starb, wie wir im Artikel desselben erwähnt haben? Mehr kümmert uns seine Kunst; Ticozzi nennt ihn einen Künstler „di summo merito“, Lanzi ertheilt ihm ebenfalls Lob, indem er sagt, dass der Künstler auch ausser Parma bekannt zu seyn verdiene, besonders wegen seines starken Auftra

ges und der ganzen Kunst des Colorits, worin er nach Lanzi we- nig seines Gleichen hat. Dieser Schriftsteller glaubt auch, dass einige dem Francesco zugeschriebene Werke, besonders mit stär- kern und heiteren Tinten, von Girolamo entweder ausgeführt, oder wiederholt sind. Da Girolamo nicht in Rom gewesen war, so war er Correggio’s Schule noch mehr als Francesco ergeben; man fin- det sogar einige, welche behaupten, er sei der Manier dieses gros- sen Meister am nächsten gekommen. Indessen ist er mehr als glück- licher Nachahmer zu betrachten, in Hinsicht des Talentes mit sei- nem Vetter nicht zu vergleichen. In der Darstellung ist er indessen affektirt, und das Leben und die Frische eines Correggio hat er wohl nie ganz erreicht. Im Stil Correggio’s ist seine Vermählun

der heil. Catharina in der Carmeliter Kirche zu Parma, nach Lanzi ganz in ihrem Sinne gearbeitet. Von seiner grossen Kenntniss in der Perspektive zeigt das Abendmahl des Herrn im Speisesaal zu St. Giovanni, wo er ein 60 schönes und täuschendes Gesäul ange- bracht hat, dass es sich mit dem besten von Pozzo messen kann. Dann fährt Lanzi fort, ist er leicht, harmonisch, von schönem Helldunkel und in grossen Wandbildern fruchtbar, mannigfaltig, lebhaft. Keiner seiner Landsleute füllte die Kirchen in Parma mehr mit Ölbildern, keiner malte dort mehr auf Kalk im Dom und am Kirchengatter (alla Steccata), das, was er in St. Benedetto zu Man- tua und anderwäits malte, abgerechnet. Dieser Vielmalerei wegen, meint Lanzi, müßten wohl manche seiner Bilder das erstemal über- raschen; einzeln jedoch geprüft verlieren sie. Lanzi findet in den Werken dieses Künstlers immerhin viele Schönheiten, doch ge- steht er ihnen auch viele Mängel zu: Nachlässigkeit in der Zeich- nung des Nackten, Ziererei, gewaltsame Bewegungen, doch meint Lanzi, daran sei manchmal Schuld, dass Andere mit ihm malten, wie am grossen Bilde der Vervielfältigung der Brode zu St. Bene- detto in Mantua. Es hat schöne Gruppen, aber auch Schwächen und Unrichtigkeiten, die von anderer Hand seyn sollen. Freilich hat er sie auch in anderen Werken und da ist seine Eile anzuklagen.

Auf der Akademie zu Parma sind Bilder von diesem Künstler, nur ist zu bemerken, dass diese, so wie auch andere seiner Werke von Einigen übermässig erhoben werden, von nüchternern Ken- nern aber nicht zu grosses Lob erhalten. Einige loben darin die dem Francesco eigene Süßigkeit und Feinheit der Profile, so wie den Zauber des Helldunkels und die Zartheit des Pinsels. Andere klagen die grosse Affektation und Mazzuola’s Manierismus an. Nur wenige seiner Bilder erkennen sie als lieblich, wie Correggio.

In der königl. Gallerie zu Dresden ist eine Madonna mit dem Kinde, das dem im Harnische knienden St. Georg eine goldene Kette um den Hals hängt. Von einem jungen Geiste gehalten steht rechts der kleine Johannes. Ganze Figuren in Lebensgrösse.

Im königl. Museum zu Berlin ist ein grosses Altarbild mit der Madonna und Heiligen, es ist aber nur in einigen Engelknaben und vornehmlich in dem Kopfe eines knieenden Bischofs tüchtig gemalt. Kugler sagt, dass das Bild auch im Übrigen eine unerfreulich affektirte Darstellungsweise zeige.

G. Mazzuoli starb erst um 1580. Caylus stach nach Mazzuoli’s Zeichnung die heil. Familie in einer Landschaft, und M. Aubert die heil. Jungfrau mit St. Georg in der Dresdner Gallerie.

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