Mazzolino, Lodovico

Mazzolino, Lodovico, Maler von Ferrara , daher Lodovico Ferrarese genannt, geboren 1481, gestorben 1530. Dieser berühmte Künstler , einer der Hauptmeister der Ferrarischen Schule, darf nicht mit jenem Mazzolino verwechselt werden, dessen Lomazzo in der Idea del Tempio o Teatro della pittura erwähnt. Dieser Schriftsteller meint damit gleichsam lachend den Francesco Mazzola. Mazzolino, der Ferrarer, wurde von Vasari in Malinio, von einem Florenzer Gelehrten in Marzolini verwandelt, und von Andern in zwei Maler zerschnitten, den einen Malini, den andern Mazzolini, beide Ferrarer und Schüler des L. Costa. Baruffaldi, Le vite de’ più insigni pittori e scultori ferraresi p. 1641, nennt ihn einen „nicht zu verachtenden“ Schüler Costa’s, und somit zeigt es sich, dass ihn auch dieser Schriftsteller zu wenig gekannt hat, oder vielleicht sah er nur schwächere Arbeiten. In grossen Figuren war Mazzolini nicht bedeutend, in kleinen aber ausgezeichnet. Doch ist zu bemerken, dass er, obgleich ziemlich tief in das 16. Jahrhundert hineinreichend, im Wesentlichen noch immer dem Style des vorigen folgt. Doch ist es nach Kugler (Gesch. der Malerei und Besch. der Gemäldegallerie des königl. Museums in Berlin ) nicht die Art und Weise der späteren Leistungen seines Meisters, die ihm zum Muster dient; es ist vielmehr die Strenge und Schärfe der paduanischen Schule, der auch Costa früher folgte, und deren Richtung überhaupt vom bedeutendsten Einfluss auf die Kunst von Ferrara gewesen zu sein scheint. Aber Lodovico fasst diese Richtung in einer eigenthümlich phantastischen, oft lachenden Weise auf, der es zugleich nicht an Energie, an durchgeführter Charakteristik, vornehmlich nicht an einer aus- serordentlichen Gluth und Kraft der Farben fehlt. Seine Bilder sind ausserordentlich vollendet, so dass die kleinen wie Miniaturen aussehen. Nicht nur die Figuren, sondern auch die Landschaften, Bauwerke, Basreliefs sind äußerst fleißig. In den Köpfen findet Lanzi so viel Lebhaftigkeit und Anschaulichkeit, als Dur wenig Zeitgenossen hineinzulegen wussten: jedoch, sagt Lanzi, sind sie nach dem Leben, und nicht immer gewählt, besonders die Alten, die in den Runzeln und in der Nase zuweilen etwas ver- zerrt sind. Zuweilen gebraucht er auch etwas Gold, doch sparsam. Bilder dieser Art scheinen nicht häufig zu sein, weil selbst ein

neuerer berühmter Schriftsteller davon schweigt; wir sahen aber
ein solches Gemälde bei dem Domherrn Speth in München, einem
bewährten Kunstkenner und Kunstschriftsteller, und da zeigt sich
die Anwendung des Goldes nicht nur an Kleidern, wie Lanzi sagt,
sondern auch an anderen Theilen. Dieses Bild, eine heil. Fami-
lie, ist wie gewöhnlich sehr zart vollendet, und von gesättigter
glühender Farbe. Zuweilen — wenigstens in früherer Zeit —

wurde Mazzolini in Sammlungen mit G. Ferrari verwechselt, viel-
leicht durch ein Missverständnis des Lodovico da Ferrara, wie
Lanzi meint; dies geschah auch mit einem Bilde der Florenzer Gallerie,
der Madonna mit dem Kinde vorstellend, dem St. Anna Früchte reicht.

Die Gemälde Mazzolini’s sind selten. Mehrere kleine Bilder
kamen durch den Cardinal Pius in die Gallerie des Capitol, und
sehr schöne kleine Stücke sind auch in der Gallerie Daria zu Rom.

In St. Francesco zu Bologna war zu Lanzi’s Zeit noch das Al-
tarbild, welches Christus als Knaben unter den Schriftstellern im
Tempel vorstellt, bezeichnet: MDXXIV. Zenar Ludovicus Maz-
zolinus Ferrariensis. Dieses herrliche Gemälde kam später in die
Sammlung des bekannten Solly, und mit dieser in die Gallerie des
königl. Museums zu Berlin. Dieses Bild hat Cesi übermalt, die
Uebermalungen wurden aber glücklich abgenommen, und es ver-
dient auch jetzt noch Bewunderung. Nach Kugler’s Behauptung
waltet in diesem Bilde ein eigener, erfreulicher Humor, der in
den verwunderlichen Köpfen der Schriftlehrer auf glückliche
Weise hervortritt, und dem es gleich wohl nicht an grosser Beson-
nenheit fehlt. Im Gegensatz gegen diese Auffassung ist die An-
muth des Knaben und die männliche Schönheit im Kopfe des heil.
Joseph ebenfalls nicht ohne Wirkung. Auch gibt das Bild von
der glühenden Färbung des Ludovico das bedeutendste Beispiel.

In der Gallerie zu Bologna ist die Geburt Christi mit einem Do-
minicaner in Anbetung, ein kleines Bild, welches ehemals in der
Capelle Caprara bei St. Francesco war. Die zierlichen Figuren die-
ser Tafel bewunderte Baldassare da Siena. Daselbst war auch die
Halbfigur des ewigen Vaters, die ebenfalls in die Gallerie ge-
bracht wurde.

Im königl. Museum zu Berlin sind außer dem oben erwähnten
Gemälde mit dem Knaben Jesus unter den Schriftlehrern noch an-
dere Bilder von Mazzolino, die nach Kugler ohne Zweifel zusam-
men die vorzüglichsten Gemälde des Künstlers sind. Daselbst ist
noch eine kleinere Darstellung des Knaben Jesus im Tempel, von
feiner, miniaturartiger Behandlung. Ein drittes Bild stellt die
heil. Familie dar, in Farben phantastisch bunt; doch erkennt Kug-
ler in der Haltung des Christuskindes schon eine Reminiscenz an
Rafael’s späteren Leistungen. Ein viertes größeres Bild, mit der
Jahrzahl 1500, stellt in drei Abteilungen die Madonna mit dem
Kinde und zwei Heilige dar und hat in der wenn gleich kräftigen
Malerei noch größere Härte als die andern Bilder; das Christkind
enthält aber auch hier eine Reminiscenz, und zwar an L. da Vinci.
Der Kopf des heil. Einsiedlers Antonius, zur Rechten der Maria,
ist von bedeutendem Charakter.

In der königl. Pinakothek zu München ist nur ein Bild des
Künstlers: die heil. Jungfrau in einer Landschaft mit dem Jesus
kinde auf dem Schoß, dem der heil. Joseph in einer Schale Johannisbeeren darreicht. Über den Wolken schwebt Gott Vater.
Dies ist ebenfalls ein vorzügliches kleines Bild sowohl in den
Charakteren, als in der Vollendung. Die Farbe ist lebendig, von
glühendem Tone.

Das Bild im Besitze des Domherrn Speth zu München haben wir eben erwähnt.

In der königl. Sammlung des Louvre zu Paris ist eine Madonna mit dem Kinde auf dem Schoße, welches mit einem Affen spielt; dabei Joseph. Es ist dies ein echtes und feines Bildchen; im Joseph von seiner gewöhnlichen, übertrieben glühenden Fleischfarbe, in Maria und dem Kinde von seltener Helligkeit des Tons.

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