May, Carl, ein berühmter Künstler, der sich durch treue und pittoreske Nachbildungen schöner Werke der Baukunst, und interessanter Denkmäler des Alterthums in kleinem Maassstabe großes Verdienst erworben hat. Es sind dieses pittoreske Kork- modelle, phelloplastische Werke genannt, vom griechischen Worte „Pithos“, Kork. Die ersten Arbeiten dieser Art verfertigte um 1799 ein Künstler in Rom , aber vergeblich suchte der Hofoffiziant
C. May nach Italien zu kommen, um sich in den Besitz des Geheimnisses der Pelloplastik zu setzen, und er fing nun an, ohne alle andere Anleitung, als die sein Künstlertalent ihm erwährte, diese Kunst mit dem glücklichsten Erfolge zu üben, so
dass man ihn in Deutschland als zweiten Erfinder dieser Kunst betrachten kann. Über das Beginnen, das allmählige Fortschrei- ten und Vervollkommnen derselben durch C. May ist in mehreren Schriften, namentlich im deutschen Merkur 1808, mit Interesse ge- sprochen worden. Im Verlaufe der Zeit lieferte May Werke, wel- che die Natur täuschend wiedergeben, in allen ihren architektoni- schen Theilen vollkommen darstellen. May war Architekt , er lei- tete früher die grossen Bauten des Grafen von Astein zu Geisen- heim und im Niederwalde im Rheingau , und fertigte schon damals einige Modelle zur Ausführung in den romantischen Anlagen des
Niederwaldes. Im Jahre 17905 sah May in Weimar das erste Kork- modell eines römischen Monuments, und sogleich ward der Ent- schluss gefasst, diese Kunst zu verfolgen. Das erste Produkt war
die Abbildung des Tempels von Tivoli, und, obwohl noch nicht vollkommen, gewann schon dieses Werk grossen Beifall. May war auf sein Talent einzig angewiesen, und auch Italien konnte er nicht sogleich betreten, und so nun war er an die Sammlungen von Cassel und Leipzig beschränkt. Hier suchte er seine Vorbil- der, und bei rastlosem Bemühen sah man ein Monument um das andere entstehen. In kurzer Zeit hatte er alle Hindernisse besei- tigt, und kaum war ein Jahr verflossen, so konnte man seine Werke von den römischen nicht mehr unterscheiden. Fürsten und Privaten beeiferten sich jetzt, Korkgebäude von ihm zu erhalten, Der Grossherzog von Mecklenburg-Schwerin nahm sogleich jedes Stück für sich in Beschlag, und brachte zuletzt 36 römische Mo- numente zusammen; der Churfürst von Mainz erhielt deren vier, der Herzog von Gotha und die Herzogin von Weimar einige der- selben, und der Fürst von Reuss 12 Stücke. Mehrere gingen ins Ausland. In letzterer Zeit erkaufte der Fürst Primas von Dalberg,
in dessen Diensten May zu Erfurt stand, die ganze Folge von ihm gefertigter Monumente, 33 römische und 3 deutsche Denkmäler.
Im Museum zu Darmstadt wurden drei seiner Werke als Arbeiten römischer Werkstätten genommen. Die phelloplastischen Werke dieses Künstlers sind täuschend nachgearbeitet, in den Mauern, Thürmen, Säulen-Lagen, Gängen, Gewölben, in den verfallenen und bemoosten Theilen etc. Die Figuren, Bas- und Hautreliefs sind von einer eigenen Masse geformt. Ein vollständiges Verzeich- niss der Nachbildungen des Künstlers ist neben andern interessan- ten Bemerkungen von Dr. Hundeshagen im Anzeiger für Kunst- und Gewerbfleiss im Königreiche Bayern von 1816 No. 21 und 22, und eigens abgedruckt, mit Beifügung anderer Anzeigen über den Künstler, und seine Bemühungen kann man auch in einer andern kleinen Druckschrift finden, unter dem Titel: Notizen über die phel- loplastischen Werke des verstorbenen Baurathes Karl May. Würz- burg 1825. Sein letztes Werk war die Nachbildung der Ruine des Heidelberger Schlosses, die er für den Kronprinzen Ludwig
von Bayern nicht mehr ganz vollenden konnte. – Im Jahre 1822 starb der Künstler im 76. Jahre. Der Großherzog von Hessen verlieh ihm 1816 in Rücksicht seines in der Phelloplastik bewiesenen Kunsttalentes, und seiner erworbenen Verdienste den Charakter eines Baurathes.
Sein Sohn Georg, königl. bayerischer Strassen- und Wasser- bau-Inspektor, ererbte die Kunst seines Vaters. Er fühlte sich besonders von den deutschen Alterthümern angezogen.
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