Maurer, Hubert, Historien- und Bildnismaler , geboren zu Rötchen bei Bonn 1738, gestorben zu Wien 1818. Als der Sohn eines
Taglöhners sollte er selbst nichts anderes werden, doch zog
es den Knaben 1751 mit aller Gewalt an den Stuccatorer Stürzenhofer,
der im Schlosse seines Dories arbeitete. Im Jahre 1750 fand
er endlich an dem bayerischen Hofmaler G. Winter einen Förderer,
der ihn mit sich nach München nahm, wo er mit allem Fleisse den
Kunststudien oblag. Nach drei Jahren kam er nach Wien , um
Gelegenheit zu suchen, die Akademie besuchen zu können; allein
der originelle Sonderling Maulbertsch wies ihn ab. Doch fand er
bei dem Bildhauer Schletterer menschenfreundliche Aufnahme, und
dieser verschaffte ihm bei dem Kirchenmaler Norbert, einem Kapuziner,
viel Arbeit. Maurer erwarb sich die Zufriedenheit des
Künstlers, und bald durfte er nach dessen Skizzen grosse Altarbil-
der ausführen. Jetzt fing er auf Meytens Rat auch an, Bildnisse
Maurer, Hubert.
zu malen, wodurch seine Umstände verbessert wurden, so dass er die Akademie besuchen konnte. Schmutzer hatte das Vergnügen, ihn mit mehreren Preisen zu sehen, und da er auch durch etliche Bildnisse am Kaiserhofe Ruf erworben hatte, wurde er 1772 als k. k. Pensionär nach Rom geschickt. Hier brachte er unter Maron’s Direktorat vier Jahre im Studium nach großen Meistern zu, und unter diesen war es besonders Guido Reni, der ihn vor allen ansprach. Sein Ruf nahm fast mit jedem Tage zu, und daher konnte es nicht fehlen, dass ihm nach seiner Rückkehr in Wien täglich neue Bestellungen zu Teil wurden. Der Fürst Kaunitz bestellte die lebensgroßen Bildnisse der Maria Theresia und Joseph’s II., die der Universität Pavia geschenkt wurden; hierauf musste er zahlreiche andere Bildnisse und Altarblätter ma- len, und die Akademie beeilte sich, ihn unter die Zahl ihrer Mit- glieder aufzunehmen. Das Gemälde, welches er damals überreichte, stellt Ulysses vor, wie er die Circe nötigt, seinen Gefährten die vorige Gestalt wieder zu geben. Bald darauf, im Jahre 1785, wurde er auch Professor und Rath der Akademie.
Als eines seiner früheren Meisterwerke erklärte man das Bild des in Wolken schwebenden ewigen Vaters über dem Hauptaltar in der Kirche der Ingenieur-Akademie zu Wien; man meinte, der Künstler habe in diesem Bilde das Charakteristische des Weltschö- pfers und Erhalters, die huldreiche Güte mit sanftem Ernst und unverkennbaren Zügen von Majestät dergestalt glücklich zu verei- nigen gewusst, dass dieses Bild schwerlich von irgend einem Ideal dieser Art übertroffen werden dürfte. Maurer gehört allerdings schon in die Reihe der bessern Künstler, denen die Morgenröthe eines neuen Lebens dämmerte, und vorzüglich Gutes leistete er im Kirchenstil, obgleich er mit den späteren Leistungen eines Over- beck, Cornelius und anderer hoch begabter Meister sich nicht messen kann. In seinen heiligen Bildern herrscht Andacht, Fröm- migkeit, Sanftmuth, und nicht selten gelang ihm der Ausdruck
von Unschuld und inniger Hingebung an das Heilige. Unschuldig, froh und rein sind seine Engel und Kindergestalten, an jene Gui- do’s und Dominichino’s erinnernd. Und es war ja der Künstler selbst voll Leutseligkeit und Güte, ein Freund und Vater seinen Schülern, die er aus reiner Liebe zur Kunst auf den besten Weg zu führen trachtete, wenn ihm auch selbst das Wesen der Kunst noch nicht ganz klar geworden war. Gerühmte Bilder waren die Erlösung des heil. Petrus aus dem Gefängnisse, im Privatbesitze; der heil. König Stephan von Ungarn, welcher der heil. Jungfrau Krone und Scepter weiht; die Vermählung der heil. Catharina, in der Hofburg-Capelle zu Wien, wo Füger den Täufer Johannes malte; das Altarblatt der heil. Familie, welches dem Kaiser so wohl gefiel, dass er ihm den Auftrag gab, für die k. k. Gallerie eine beliebige Darstellung zu malen. Er wählte den Schrifttext, wo Je- sus sagt, „Jeset die Kleinen zu mir kommen,“ und dieses ist Mau- rer’s letztes Werk, in der k. k. Gallerie zu Wien. Die Zahl seiner Altarblätter ist bedeutend, und auch zahlreiche Bildnisse von höch- sten und hohen Herrschaften malte er, als Franz I., Joseph II. und die Maria Theresia, drei lebensgroße Figuren, die nach Man- tua kamen. Den Fürsten Kaunitz malte er im Toisonkleide eben- falls in Lebensgröße, und an diese reihen sich verschiedene andere Porträts.
Wrenk stach nach ihm Amor und Psyche, wie ersterer vom heißen Oelunfelsen erweckt, entflicht, ein Blatt in Schwarzkunst, dessen Urbild nicht zu den besten des Meisters gehörte.
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