Matthäi, Johann Friedrich, Historienmaler , Sohn des Obersten, wurde 1777 zu Meissen geboren. Er erregte schon frühe grosse Hoff- nungen, so dass ihn 1796 die Akademie in Dresden als Pensionär im historischen Fache aufnahm. Hierauf besuchte er die Akademie in Wien , wo sich Füger seiner annahm, und von 1802 — 1808 lag er in Italien seiner weiteren Ausbildung ob. Im Jahre 1803 ge- wann er in Florenz den ersten Preis aus der Historie, und damit das Ehrendiplom als Mitglied der Akademie. Nachdem er sich in Italien vielfach geübt hatte, begab sich Matthäi nach Dresden zu- rück, wohin ihm durch mehrere zur Ausstellung eingeschickte Werke sein Ruf schon vorausgegangen war. Im Jahre 1810 wurde der Künstler Professor an der Akademie daselbst, mit wechselseitiger Führung der Direktion derselben. Nicht geringes Verdienst erwarb er sich auch um die vollständige Aufstellung und die zur Uebersicht bequeme Anordnung der Gemälde der königl. Gallerie, Der Künstler ist Gallerie-Direktor in Dresden, und 1825 gab er ein neues Verzeichniss derselben heraus, das in der Folge meh- rere Auflagen erlebte.
Dann bildete Matthäi auch mehrere vorzügliche Schüler, wie Ph. Veit, A. Richter, Eggers, M. Müller, A. Schulze, den Taub- stummen Bauer, den Maler und Kupferstecher Müller in Weimar u. a. Seine Zöglinge leitete er Schritt für Schritt, und erweckte das Ge- fühl für richtige Auffassung der Charaktere und für Wahrheit in Form und Farbe. Er liess Cartons zeichnen, und sah überhaupt auf strenge Zeichnung. In seinen eigenen Gemälden tritt daher ebenfalls Richtigkeit und Wahrheit des Ausdruckes hervor, und nicht minder erfreulich ist die Klarheit und Schönheit der Färbung, was Alles sich vereiniget, das verständigste Bild zu geben. Seine Kom- position ist ebenso wohl geordnet, als die Ausführung muster-
haft. Indessen konnte Matthäi nicht überall mit gleicher, ihm ei- gener Gründlichkeit verfahren, er musste oft Arbeiten übernehmen, und in Stunden malen, wozu Tage gehört hätten. Doch auch derlei Arbeiten beurkunden den tüchtigen Meister, und es ist nur zu bedauern, dass er sie nicht fleissiger ausführen konnte. Hie- her gehören fünf lebensgroße Apostel, in denen er für 350 Thlr. wohl nicht Meisterwerke darstellen konnte,
Das Gemälde, durch welches Matthäi seinen Eintritt in die Künst- lerlaufbahn rühmlich begann, ist eine Scene, die zwei Liebende in Lebensgrösse zeigt, welche aus den anschwellenden Wogen der Sündfluth sich zu retten hoffen; allein der Felsengipfel, auf den sie sich flüchten, wird schon vom Wasser überspült. Das Bild ist Gessner’s Dichtung von Senim und Semira entnommen, und es zog 1805 bei der Schaustellung in Dresden alle Augen auf sich. Dass hier der Künstler die grossen italienischen Meister sich zum Vorbilde gewählt, ihrer grossartigen Zeichnung, ihrer gewandten
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Matthäi, Friedrich.
und kräftigen Art im Malen, ihrer wirkungsvollen Beleuchtung nachgestrebt hatte, war unverkennbar. Von geringerer Bedeutung, von keiner so grossen Sicherheit, war ein früheres lebensgrosses Gemälde, welches Castor und Pollux vorstellt, und das der spa- nische Gesandte d’Anadia an sich brachte. Die Gruppe ist wohl- gefällig und auch den reinen Sinn für das Colorit, der dem Künst- ler so eigen ist, zeigt das Gemälde. Ungetheilten Beifall erhielt dagegen 1807 der Tod des Egistheus, den Orestes ermordet, nach Sophokles Tragödie. Die Figuren sind in halber Lebensgrösse, und was Zeichnung, Färbung, Costume und Ausführung anbe- langt, beeindruckte das Bild jeden Kenner, im Ganzen aber ist es kalt, wie dieses öfter bei Behandlung antiker Stoffe der Fall ist.
Ein anderes Bild des Künstlers, das 1808 im Salon erschien, stellt Castor und Pollux dar, die dem Orest erscheinen und ihm sein Schicksal verkünden, ein Werk von verständiger Anordnung, wenn auch nicht in demselben Grade dankbar. In der letzten Zeit in Italien fertigte er eine schöne Kopie von Rafael’s Grablegung Christi, ein getreues Abbild eines Meisterwerkes aus der goldenen Zeit der italienischen Kunst. Ein späteres schönes Gemälde von eige- ner Composition stellt die Taufe Christi dar, und ein anderes von 1812 schildert Christus, wie er die Kinder segnet, ein reiches Bild von vollendeter Ausführung. In der Kirche zu Plauen ist ein treff- liches Altarblatt von Matthäi, 1810 dahin gebracht. Es stellt das
-Abendmahl des Herrn dar, in lebensgrossen Figuren, von wahrem Ausdruck. Alles ist vollkommen richtig gezeichnet, Licht und Schatten genau verteilt, und das Ganze so kunstvoll gehal- ten, dass sich Alles plastisch voneinander sondert, und doch wie- der malerisch miteinander gruppiert. Färbung und Beleuchtung ist wahr und kräftig, doch fanden Einige die Flammenbeleuchtung nicht roth genug; denn der Künstler hat sehr pünktlich durch Ueber- einstimmung der Farben den rothen Lichtstrahl, der in seinem Bilde wirklich herrscht, nur unbemerkbar gemacht, der aber erst dann sichtlich wird, wenn ein durch Tageslicht beleuchteter Ge-
enstand als Gegensatz zur Vergleichung herbeigeführt wird. Im Jahre 1827 brachte er ein anderes, höchst impulsantes, in Zeich- nung und Färbung höchst musterhaftes Gemälde zur Ausstellung, Es ist dieses der Tod des Codrus, im Besitze des Baron Houwald, vormaligen Syndicus der Niederlausitz, ein Ehrengeschenk der Niederlausitz’schen Stände. Die Composition ist reich, im Ge- sammtcharakter von einer, der neueren französischen Schule ver- wandten Wirkung, jedoch ohne jene theatralische Effekthascherei. In neuester Zeit malte er für den regierenden Herzog von Braun- schweig ein grosses Bild: den Tod des Herzogs von Braunschweig- Oels. Im Jahre 1836 war dieses Gemälde in Dresden zum Besten des Vereins zur Unterstützung dürftiger Künstlerwittwen ausgestellt. Dann malte Matthäi auch mehrere Bildnisse von ausgezeichnetem Werthe und bestimmter Charakteristik. Es herrscht darin grosse Lebendigkeit und getreue Nachahmung der Stoffe. Die Färbung ist, wie immer, in vollster Harmonie. Für Becker’s Augusteum fertigte er mehrere Zeichnungen nach Antiken, und überdies finden sich von seiner Hand auch historische Zeichnungen in Bleistift etc.
Dann haben wir von Direktor Matthäi eine Beschreibung der neu errichteten Sammlung vaterländischer Prospekte von A. Thiele und Canaletto (im Brühl’schen Palais), Dresden 1834. Sein Bildnis befindet sich in der bekannten Portraitsammlung des
Hofmalers und Prof. C. Vogel. Der letztere hat es 1813 selbst gezeichnet.
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