Masaccio, Giovanni

Masaccio, Giovanni, im Valdarno.

Wähnt wird, nach Vollendung dieses Werkes kehrte Masaccio in die Capelle zurück, deren Malereien Vasari jedoch ungenau beschreibt, weshalb ihn Schorn berichtigte, wie folgt. Am Pfeiler der Wand zur Linken vom Eingange malte er Adam und Eva aus dem Paradiese vertrieben, welches Bild vom Raphael in den Loggien mit geringer Abänderung nachgeahmt worden ist; dann in der oberen Reihe, wie Christus Petrus befiehlt, den Zinsgroschen aus dem Bauche des Fisches zu holen, wie Petrus das Volk tauft, mit jener Figur des Jünglings, von welcher Vasari sagt, dass er vor Frost zu zittern scheine; ferner in der unteren Reihe die Geschichte von Ananias; wie Petrus Blinde und Lahme durch seinen Schatten heilt, und endlich wie derselbe den vom Dache gefallenen Knaben wieder zum Leben bringt, worin die Abteilung zur Rechten von Filippino vollendet ist. Meyer führt in den Propyläen irrig auch die Predigt St. Petri, welche von Masolino ist, als Werk des Masaccio auf. Auch Speth , Kunst in Italien III. 81, handelt von diesen Gemälden. Die Werke dieser Capelle hat Lasinio gestochen, da wird aber Filippino’s Bild mit Petrus und Paulus vor dem Proconsul irrig dem Masaccio beigelegt, wie v. Rumohr, Ital. Forsch. II. 240, nachgewiesen hat. Abbildungen s. auch das Werk des englischen Malers Thomas Patch, das 1770 in Florenz erschien, 20 Blätter, meist Köpfe, und aus der Capelle; dann die Etruria pittrice und einzelne Blätter in Bister von Firoli. Ein neueres vorzügliches Werk gibt auf 28 Blättern sämmtliche Köpfe und einzelne kleine Figuren. v. Rumohr (l. e. 246) gibt auch eine Charakteristik von diesen Bildern. Man kann in diesen Malereien dem trefflichen Meister Schritt für Schritt nachfolgen, ihm gleichsam zusehen, wie er mühsam und nicht immer mit Erfolg darnach tang und strebte, die malerische Darstellung durch bis dahin unbekannte Kunstvortheile zu bereichern, in die einzelnen Formen Rundung einzuführen, die allgemeine Anordnung durch sorgfältige Schatten und breite Lichter anschaulicher zu machen. So sagt v. Rumohr am angezeigten Orte. Diese Capelle wurde nicht nur von den Zeitgenossen angestaunt, sondern alle berühmten Bildhauer und Maler, welche von ihm an lebten und vorzüglich geworden sind, übten sich darin. Vasari nennt den Giov. da Fiesole, was aber unwahrscheinlich ist, den Fra Filippo, Filippino, der sie beendigte, Andrea del Castagno, Andrea del Verrocchio, Domenico del Grillandajo, Sandro di Botticello, Leonardo da Vinci, Pietro Perugino, Fra Bartolomeo da San Marco, Mariotto Albertinelli und den göttlichen Michelangelo nach Vasaris Ausdruck. Auch Raphael lernte hier den Anfang seiner herrlichen Methode, Granaccio, Lorenzo di Credi, Ridolfi, del Grillandajo, Andrea del Sarto, Russo, Francia Bigio, Baccio Bandinelli, Alonso Spanuolo, Jacopo da Pontorino, Pierino, del Vaga und Toto del Nunziata, alle diese nennt Vasari als Schulenhäupter. Mit Masaccio beginnt die zweite Epoche der Entwicklung der italienischen Kunst, mit welcher die Maler von der Manier des Giotto zur völligen Lebenswahrheit, zu vollkommen ausgebildeter Individualität gelangte. Doch kann man ihn mit Sicherheit nur aus seinen Fresken kennenlernen, da seine übrigen Gemälde sehr selten sind. Der Künstler starb früh; der Neid soll ihm Gift bereitet haben. Bei höherem Alter, meint Vasari, hätte er noch weit Größeres in der Kunst erreicht, dennoch setzt man ihn unbedingt unter die Künstler des ersten Ranges. Vasari lässt ihn in seinem 20. Jahre sterben und 1443 in der Kirche del Carmine begraben

werden. Einmal irrt Vasari, da aus Thatsachen hervorgeht, dass Masaccio 41 Jahre alt geworden.

Gemälde dieses Künstlers sind zu:

Florenz; in der Gallerie des Pitti: ein unbekannter Kopf, und in der Sammlung der Malerbildnisse das Portrait Masaccio’s, in Fresco gemalt, und ziemlich übereinstimmend mit dem Kopfe, wel- cher in dem Gemälde von dem Zinsgroschen von Vasari als des Künstlers Selbstportrait angegeben ist. Vgl. Propyläen IM. 37. Auch mehrere Zeichnungen, nach Schorn 14, sind in der flo- rentinischen Gallerie,

In S. Maria del Carmine: die berühmten Fresken s. oben,.

Rom; in S. Clemente: Frescobilder, irrig dem Masaccio bei- gelegt; s. oben,

Turin; in der Sammlung des H. Cambius (1816): die Beerdi- gung des heil. Franziscus, dieser ausgestreckt daliegend, umherum die Ordensbrüder in verschiedenen Funktionen. Trefflich und voll- kommen erhalten. Noch in Turin?

München; in der k. Pinakothek: der Glaube und die Andacht, zwei betende alte Männer, kräftig ausgeführte Halbfiguren; der Kopf eines Mönchs auf frischem Kalk gemalt; St. Anton von Pa- dua wirkt in einem prachtvollen Tempel an einem Ketzer Wunder, in Tempera; des Künstlers eigenes Bildnis mit rotem Barett und mit eingebundener rechter Hand, halbe Figur.

In der herzoglich Leuchtenbergischen Gallerie daselbst: das Tem- perabild eines jungen Mannes,

Berlin: k. Museum: einige Bilder aus der Zeit und in der Art des Masaccio, S. Kugler Beschr. der Gemälde des Museums

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England; im brittischen Museum und in Christ- Church - Col- lege zu Oxford befinden sich einige Handzeichnungen von ihm. S. Passavant’s Kunstreise S. 224 und 2406.

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