Martino seyn sollen, so ist natürlich auch die Sage, dass er da-
selbst Laura’s Bild gemalt habe, nichtig. Gegen die Zeitrechnung
wurde schon Zweifel erhoben, indem Simon die Donna Laura
nicht gemalt haben kann, wenn er je dieses allegorische Bild ausführte.
Einige haben daher dieses schöne Frauenbild für Fiammetta, die
Geliebte des Boccaccio, gehalten, weil aus dem Busen eine Flamme
hervorlodert, was aber auch nicht wohl seyn kann, da Boccaccio
erst später Fiammetta kennen lernte und das Bild schon um
gemalt war, Pater della Valle sucht die Authentizität dieses Bildnisses
zu retten, indem er, auf öftere Ungenauigkeit des Vasari sich
stützend, das Gemälde als in späterer Zeit verfertigt annimmt;
allein er kann die Sache nicht sicher begründen. Für die spätere
Entstehung des Werkes stimmt auch Schorn, Übersetzung
der Lebensbeschreibungen Vasari’s I. 276; er glaubt nämlich, dass
die Malerei mit dem angeblichen Bildnis der Laura nur wenige
Jahre vor 1544 gefertigt worden; ob von Simone oder von einem
anderen, müssen wir aber dahingestellt sein lassen. Was das er-
wähnte Bildnis anbelangt, so stellt es die Geliebte Petrarca’s so
wenig dar, als die des Boccaccio, wie aus Gründen erhellet, die
bei Cicognara Storia della scultura III. 307 zu ersehen. Daselbst
- tav.43 und Bei D’Agincourt, peinture CXXII. 2, ist es abge-
bildet. Daselbst ist auch die Unauthentizität der angeblich von Simon
gefertigten. Masniörbildnisse des Petrarcn und der Laura dargethan.
Das einzige echte Bildnis der Madonna Laura aus jener Zeit
scheint die in einem pergamenischen Codex der Bibliotheca Lauren-
tiana zu Florenz befindliche Miniatur, die wenigstens nach dem
Originalgemälde des Simon gearbeitet sein könnte. Cicognara I.
c. I. tav. 42 gibt sie im Umriss. Wir erfahren aus dem Cabinet
Malaspina IV. 325 ebenfalls von einem Bildnis der Laura, wel-
ches Simon gemalt haben soll, und das in neuerer Zeit im Hause
Piccolomini zu Siena war. Es heißt, dass es bei Cicognara pl. 43
abgebildet sei, wir fanden aber anderwärts nirgends angezeigt, dass
Cicognara des Bildes aus dem Hause Piccolomini bedient habe,
Simon di.
Es muss also mit einem der erwähnten Bildnisse Ähnlichkeit haben. Dann bewahrte das Cabinet Malaspina ein Niello auf Silber, das einst Abbate Boni in Venedig besaß, welches das Bildnis der Piccolomini im Kleinen gibt. Man liest auf der Platte den Namen LAVRA,
In der Galeria degli Uffizi zu Florenz ist eines derjenigen Bilder, dessen Vasari und della Valle (letzter, san. IL 60 ff.) erwähnen, die Aufschrift besagt aber, dass auch Lippo Memmi daran Theil hatte. Es stellt die Verkündigung Mariä vor, mit der Unterschrift: Simon Martini et Lippus Memmi de Senis me pinxerunt a. d. 1333.
Es ist dieses eine Altartafel in Tempera mit zwei Seitenflügeln, auf denen zwei Heilige abgebildet sind. Förster sagt, es scheiden sich noch heute ziemlich deutlich die beiden Handschriften, und die Composition (wohl nur Ausbildung älterer Überlieferung und des Simon Werk) zeigt einen mit seinem Anschauungsvermögen tief in den Gegenstand eindringenden Meister voll ernsten Gefühls fürs Heilige, voll Sicherheit und Schärfe in der Wahl der Motive. Über die Ausführung des Gemäldes erlaubt die überaus starke Nachbesserung, ja teilweise Übermalung kein sicheres Urtheil, nur nahm Förster noch deutlich das ursprüngliche Edle der Gesichtszüge, wie der Gestalten und deren Gewandung, und eine grosse, von Geschmack geleitete Vorliebe für Schmuckverzierungen wahr.
Hauptwerke dieses Künstlers sind auch zu Pisa im Campo Santo. Innen über der Hauptthüre malte er eine Madonna in Fresco, wie sie von einem singenden und musizierenden Engelchor zum Himmel getragen wird. Jesen, sagt Vasari, stellte er so lebendig dar, dass man an den Figuren deutlich die äußeren Kennzeichen des Singens und Spielens erkennt; man sieht, wie das Ohr auf den Klang horcht, wie die Lippen sich öffnen, die Augen zum Himmel gerichtet sind, die Wangen sich aufblasen, der Hals schwillt, kurz alle Bewegungen und Merkmale, die sich bei solchen kundtun, welche musizieren. Unter dieser Himmelfahrt malte er in drei Bildern einige Begebenheiten aus dem Leben des heil. Ranieri aus Pisa, abgebildet in Lasinio Le pitture del Campo Santo. Die erste Abteilung stellt den Knaben Ranieri dar, wie er einen Psalter spielt und einige Mädchen darnach tanzen lässt, was er später mit Tränen bereut; schade nur, dass der Restaurateur dieses Bild sehr verändert hat. Im zweiten Bilde verteilt Rainer sein Vermögen unter die Armen, und dann sieht man ihn, wie er im Pilgergewande vor der Madonna steht. In der dritten Abteilung malte Simon, wie Ranieri nach sieben Jahren über’s Meer zurückkehrt, und wie er den Gottesdienst zu hören auf dem Chore steht. Jetzt will ihn der Teufel versuchen, der Feind muss aber beschämt fliehen, und er sagt: „Ich kann nicht mehr (Ohi me, non posso più).“
Auf der Ambrosianischen Bibliothek zu Mailand ist die Handschrift eines Virgil, die einst Petrarca besaß. Auf dem Titel ist eine von Simone gefertigte Miniatur, welche den Virgil schreibend vorstellt, vor ihm Aeneas, ein Hirte und ein Ackersmann, und der Commentator lüftet den Vorhang. Diese Miniatur zählt man unter die schönsten Werke Simon’s. Den Vore:
Mantua Virgilium qui talia carmina finxit, Senam tulit Simonem digito qui talia pinxit,
hält Förster nicht für authentisch.
Von den Malereien, die er in Avignon ausführte, scheint sich wenig oder nichts mehr erhalten zu haben. Vasari sagt, Pandolfo Malatesti habe ihn nach Avignon gesendet, das Bildnis des Pe- trarca zu malen, auf dessen Verlangen er dann auch das Portrait der Laura gefertigt hatte. Von andern Malereien in Avignon sagt er nichts.
Im Cabinet des M. Cambiasi zu Turin befand sich 1815 eine Kreuzigung Christi von Simone gemalt, auf welcher Petrarca und Laura zu Pferd erscheinen, auch die Bildnisse des Cimabue, T. Gaddi, des Grafen Novello als Longimus, und das des Künstlers selbst bemerkt man.
Im Auslande sind wenige Bilder von Simone, selbst ausgezeich- nete Bildersammlungen entbehren solcher, wie das k. Museum zu Berlin u. a.
In der Sammlung des Young Ottley in London sind von ihm zwei Gegenstücke, zart und miniaturartig vollendet: die Himmelfahrt Mariä und die Verkündigung derselben.
In der Liverpool-Institution ist ein ausgezeichnetes Werk dieses Meisters, welches Maria und Joseph vorstellt, wie sie dem 12jährigen Knaben Jesu Vorwürfe machen, dass er sie verlassen hat, bezeichnet: Symon de Senis me pinzit Sub A. d. MCCCXL. II. Dieses Bild ist, nach Dr. Waagen, „Kunst und Künstler“ etc. 11. 390, höchst innig und rührend im Ausdruck, der Kopf des Joseph ge- wiss einer der schönsten, welchen die Kunst hervorgebracht hat, die Ausführung von der größten Feinheit, das Fleisch von zart röthlichem Ton, die Gewänder von blühenden Farben, der Grund golden. Dieses wunderherrliche Bildchen beweist, dass das Lob, welches diesem Künstler schon Petrarca und später noch Vasari spendet, wohl verdient ist.
In der k. Sammlung des Louvre zu Paris ist eine Krönung Mariä, welche dem Martini beigemessen wird. Es ist dieses nach Waagen „Kunst und Künstler“ II. 404 zwar ein verdienstliches Bild der sienesischen Schule dieser Epoche, aber für diesen Meister zu gering und auch im Ton abweichend. Unter den Miniaturen der k. Sammlung findet Dr. Waagen ein sehr reiches und stattliches Manuscript eines Psalters in gr. fol., der im 13. Jahrhunderte geschrieben, aber nur zum Theil gleichzeitig mit Bildern ausgeschmuckt ist. Dr. Waagen hält die Miniaturen für das Vorzüglichste, was ihm in diesem Kunstcharakter vorgekommen, und sie haben in der Technik und in manchen andern Theilen eine überraschende Übereinstimmung mit dem byzantinischen Manuscript der Werke des Jacobus Mona- chus aus dem 12. Jahrhunderte. Er zählt den Inhalt der Blätter auf, doch nicht alle könnten von Simon herrühren, nur die von 72 b. — 174. Die feinen, langen Nasen, die rundlichen Backen des übrigens giottesken Gesichtstypus, die langen Verhältnisse, so wie die ganze Sinnesweise der Bilder zeigen nach Waagen die Einflussstelle, welche die giotteske Art durch Simon Martino er- halten hat.
Ganz im Charakter der Schule von Siena und namentlich des S. Martini, fand Waagen in Paris auch eine Bilderbibel in kl. fol., mit 180 Blättern, deren jedes auf einer Seite meist zwei Bilder enthält. Die Gesichter sind hier zum Theil feiner, die Ausführung sorgfältiger, die Verhältnisse etwas lang; von 178 an bis zir Ende verraten die Bilder, von einem matten Glanz, in den individuellen Köpfen, in dem engen und feinen Gefühl, in der höchsten
„zarten Durchbildung und dem großen Schmelz einen trefflichen Künstler, und stimmen so sehr mit andern beglaubigten Bildchen des Simon überein, dass er dieselben leicht während seines Auf- enthaltes zu Avignon gemacht haben könnte.
In der k. Pinakothek zu München ist von Simone ein schönes Bildchen, welches den auf Wolken sitzenden Heiland mit dem offenen Buche vorstellt, wie er mit der Rechten den Segen er- theilt.
Die Nachrichten über den Tod des Künstlers lauten verschieden, Vasari sagt, die beiden Brüder Lippo und Simone Memmi seien endlich in ihre Vaterstadt Siena zurückgekehrt, und da habe letz- terer über dem grossen Thore von Camollia noch ein mächtiges Werk der Maler begonnen, eine Krönung der Maria mit unend- lich vielen Figuren, welche er jedoch unbeendigt liess, da er in eine schwere Krankheit verfiel, durch die er 1345 in ein anderes Leben überging. Dass die beiden Künstler nicht Brüder gewesen, zeigen wir im Artikel L. Memmi’s, aber auch die anderen Anga- ben Vasari’s sind falsch. Im Necrologium der Kirche S. Domenico zu Siena findet sich folgende Notiz: Magister Simon Martini pictor mortuus est in Curia, cujus exequias fecimus in Conventu die IV. mensis Augusti MCCCXLIV. Der Künstler ist also 1344 ge- storben, und aller Wahrscheinlichkeit nach in Avignon, worauf das Wort „Curia“ deutet, weil dort der päpstliche Hof war. Von 1319–35 war Simon fast ununterbrochen in Siena beschäftigt, im Jahre 1336 ging er nach Avignon und da könnte er bis 1343 geblieben sein. In diesem Jahre dürfte er seine Heimath besucht haben, denn seiner wird in den Rechnungsbüchern der Kämmerei von 1344 gedacht (s. Vasari, Uebersetzung, S. 273). Wenn nun Curia den päpstlichen Hof bedeutet, so muss nach Schorn zum Vasari 1. c. 277 der Künstler im zweiten oder dritten Monate des Jahres 1344 nach Avignon zurückgekehrt sein, wo er dann starb. Vasari bringt zwar die Grabschrift in Siena bei, allein damals wur- den viele solche Grabschriften geschmiedet. Lanzi will an eine so späte Reise nicht glauben, und er pflichtet daher lieber dem Va- sari bei, der den Künstler als Sechzigjährigen (zum erstenmale) dahinreisen lässt. S. auch Lippo Memmi,
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