Marsenille, Guillaume de, berühmter Glasmaler, ein Mann aus dem geistlichen Stande, an welchem aber das Verbrechen der Tötung scheint. Man sagt, er habe sich eines Mordes wegen in den Dominikanerorden begeben, um dadurch der Haftfahrt zu entgehen; aber alles dieses ist nicht hinlänglich erwiesen. Doch weiß man, dass er die Glasmalerei mit Auszeichnung geübt habe; von den Werken aber, die er in Marseille ausgeführt, ist unsers Wissens nichts bekannt; in Italien ist jedoch sein Andenken und nicht sein Verbrechen erhalten. In diesem Lande lebte er als Welt-priester der Kunst, am längsten in Arezzo, wo er als Eingeborener betrachtet wurde. Man nannte ihn häufig den Prior; ob aus Höflichkeit, oder ob er wirklich im Kloster Prior war, ist unbekannt. Die Italiener nennen ihn auch gewöhnlich Guglielmo da Marcilla, und anderwärts finden wir ihn G. de Marcilly geschrieben.
In Arezzo sind noch Glasmalereien von ihm, und auch in Rom hinterließ er ein Denkmal seiner Kunst. Der Franzose Claude von Marseille nahm ihn mit sich dahin, um für Julius II. Fenster zu malen, die indessen in der Folge bei der Plünderung Roms zu Grunde gingen. In Arezzo malte er auch auf die nasse Wand; im Dom einige Decken und Fenster. Es waren evangelische Geschichten, in der Zeichnung möglichst Michelangeloartig; nur
In der Farbe matter. In Rom hatte Wilhelm grosse Fortschritte gemacht, die sich in seinen Arbeiten zu Arezzo äußern, während seine ersten Malereien in Rom den Werken eines Malers aus dem 14. Jahrhunderte ähneln. Wenn in Wandgemälden seine Färbung matt erscheint, so ist’s ganz anders in den Glasmalereien, wo mit einer sehr richtigen Zeichnung und seltenem Ausdruck Tinten verbunden sind, die, nach Lanzinis Bericht, bald wie Smaragd, bald wie Rubin, bald wie orientalischer Scharlach aussehen und im Sonnenlichte wie Regenbogenfarben blitzen. Im Dome zu Arezzo sind solche Fenster, in S. Francesco und in andern Kirchen, aus evangelischen und andern heiligen Geschichten zusammengesetzt, so trefflich, dass sie nach Lanzini den Gipfel der Kunst zu berühren scheinen. Vasari lobt besonders die Berufung des heil. Matthäus in einem Fenster des Domes, und sagt, die fernen Tempel, die Treppen und Figuren darauf seien so angeordnet, die Landschaft so eigenthümlich, dass man gar nicht an Glasegemälde, sondern an etwas denkt, das zur Freude der Menschen vom Himmel gekommen.
Dieser Künstler starb 1537 im 62. Jahre; nach Vasari 1535 im 60. Jahre. Claude von Marseille, in Italien auch unter dem Namen Claudio Francese bekannt, starb bald nach seiner zweiten Ankunft in Rom, an den Folgen einer ausschweifenden Lebensart, wie die Sage geht.
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