Marchioreito, Peter

Marchioreito, Peter, Landschaftsmaler , wurde 1772 zu Lamon im

Gebiete von Feltre geboren. Er war der Sohn eines armen Landmannes,

der dem Knaben die Lust zum Zeichnen mit Schlägen vertrieben wollte,

so dass dieser im 13. Jahre nach Basano entfloh,

wo er mit den zehn venedischen Liren, seiner Baarschaft, Hei-

Marchioretto, Peter. ‚309

Jüngelbilder, Papier und schwarze Kreide kaufte, Bilder kopierte und wieder verkaufte, wodurch er sich einige Zeit fortbrachte, allein dieses Gewerbe nährte ihn nicht lange, und er befand sich in den dürftigsten Umständen, als ein Baner von Ramon sich seiner er- barmte und ihn als Hirte anstellte. Zum Glücke befand sich in jener Gegend der Edelmann Peter Civran in Gesellschaft des Ma- lers Lazzarini; diese bekamen einige Zeichnungen des jungen Hir- ten zu Gesichte, und da diese Anlage zum Künstler verriethen, nahm ihn der Edelmann in sein Haus auf, und gab ihn dem Ma- ler Lazzarini fünf Jahre lang in Unterricht. Der Meister wollte ihn zum Historiker bilden, allein Marchioretto erfüllte die Hoff- nungen nicht, und daher lenkte Lazzarini sein Talent auf die Land- schaftsmalerei, worin es ihm vollkommen gelang. Der Zögling gewann die Liebe des Lehrers in so hohem Grade, dass er ihn bei seinem Tode zum Erben einsetzte, was indessen für Marchioretto hinderlich war, indem er im Fleisse nachließ und sich an muntere Gesellschaften anschloss. Endlich brachte ihn der Maler Franz Cauzitsch (Caucig) wieder zur Thätigkeit, und nachdem er fünf Jahre den Unterricht dieses Mannes genossen hatte, berief ihn das Haus Ottolini in Verona als Zeichenmeister. Er blieb da drei Jahre, bis er in Brixen im chalkographischen Institute des H. Bis- domini Unterkunft fand, wo einige seiner Landschaftszeichnungen gestochen wurden. Dieses Institut löste sich bald auf, aber ein Zufall verschaffte ihm ein neues Unterkommen. Er zeichnete an der Poststraße bei Clausen eben die Ansicht des Schlusses und Klo- sters Seben, als die Gräfin Kielmansegge aus Hannover vorbeifuhr, und dieser gefiel die Zeichnung so wohl, dass sie den Künstler ein- lud, gegen Gehalt sie auf ihrer Reise in die Lombardei zu beglei- ten. Die Reise dauerte mehrere Monate, und der Künstler zeich- nete jede Ansicht, die der Gräfin malerisch schien. Hierauf kam er nach Tirol zurück, lebte drei Jahre zu Borgo in Valsugano, und malte mehrere Landschaften in Öl, die später teils zu Augs- burg, teils zu Wien in Kupfer gestochen wurden. Zum zweiten- mal nach Brixen berufen, malte er für die dortige Pfarrkirche ein heiliges Grab, und bei dieser Gelegenheit lernte er den Fürsten Rasumovsky kennen, für den er sechs Prospekte malte. Er be- gleitete ihn auch einige Zeit auf seinen Reisen, nur nicht nach Russ- land; er zog es vor, in Trient Zeichnungsunterricht zu erteilen. Endlich machte er sich zu Tello ansässig, und da lebte er noch 1853–1857.

Seine vorzüglichsten Werke sind: a) zwanzig Landschaften, die er teils für einen französischen Bischof, teils für einige französische Offiziere gemalt hat; b) verschiedene Ansichten von Italien, nebst einigen Ideal-Landschaften, die von Zankon in Kupfer gestochen zu Venedig erschienen sind; c) vierzig Ansichten, teils von Ty- rol, teils von der Lombardei, für die Gräfin Kielmansegge; d) ver- schiedene Landschaften in Öl gemalt, die dann auf Kupfer teils der Kupferstichhandlung des Zanna zu Augsburg, teils jener des Artarig zu Wien gestochen wurden; e) vier und zwanzig Ansichten von Tyrol, die von Zankon gestochen werden sollten, aber nicht vollendet wurden; f) zwölf Ansichten aus der Gegend von Verona, die er auf Verlangen des Grafen Bovio verfertigte. Sie sollten von Basioli gestochen und auf Subscription herausgegeben werden, was aber unterblieb, weil der Kupferstecher nicht mehr kommen konnte; eine Anzahl tyrolischer und italienischer Pro- spekte, teils in vollendeten Zeichnungen, teils in Öl gemalt, die sich alle durch glückliche Auswahl der Ansichten, durch vor-

Treffliche Perspektive, durch feste Zeichnung und vollkommene Ausführung, und die gemalten auch durch glänzendes Colorit empfehlen. S. Archiv für Geographie, Historie etc. 1816, No. 21.

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