Marchesi, Pompeo Cav. ‚berühmter Bildhauer

Marchesi, Pompeo Cav. ‚berühmter Bildhauer, wurde um 1700 geboren und zu einer Kunst angewiesen, welche ihm nicht allein in Italien , sondern auch in Deutschland einen rühmlichen Namen gesichert hat. Er erfreute sich der Gunst Canova’s, studirte die Meisterwerke der alten Kunst, befliss sich eines genauen Studiums der Natur, und da seine Bemühungen auch noch ein trefliches Talent untersäiitze, konnte er sich bald in die Reihe der ersten Bildhauer seines Vaterlandes stellen. Er wurde Professor an der Akademie der Künste in Mailand , Ritter des Christusordens und des courantinischen St. Georgi Ordens. Marchesi wird bewundert wegen der Einfachheit und Anmuth in den Bewegungen der Figuren; in allen seinen Compositionen herrscht Verstand und Mäßisigung, und dann führt er den Meissel mit Geschmack und Leichtigkeit. Seine Bilder sind reizernd, voll Zartheit des Ausdruckes, und von einer Weichheit in der Behandlung, die sie jenen Canova’s an die Seite setzt. Einige seiner Basreliefs wurden nach Alberi’s Zeichnung in Kupfer gestochen. Im Jahre 1825 sah man von ihm eine lebensgrosse Statue der Terpsichore, und schon damals wies man ihm einen Rang unter den geschicktesten Bildhauern an. Im folgenden Jahre brachte er die Statue der Venus Urania, in natürlicher Grösse, zur Ausstellung in Mailand, ein Bild von unwiderstehlichem Reiz, das alle Beschauer einnahm. Und so folgten mehrere andere schöne Werke von diesem Künstler. Dahin gehört ein Basrelief in Marmor, welches den schönen, von Napoleon errichteten, Triumphbogen am Eingange der neuen

Strasse über den Simplon. Der Gegenstand ist der Übergang
der Cavallerie über den Rhein, und da nun hat der Künstler
Gelegenheit gefunden, eine Masse von schön bewegten Figuren und
Pferden darzustellen. Letztere sind vortrefflich studiert und das
Ganze von bewunderungswürdiger Schönheit und Reinheit der Aus-
führung. Ein anderes Basrelief stellt den heil. Johannes als Pre-
diger dar, eine lebensvolle Composition. Das Monument des Gra-
fen Sommariva ziert ebenfalls ein Basrelief, und ein zweites Monu-
ment, welches die vormalige Viceregin von Italien ihrer Erzie-
herin, der Baronin von Wurmb, setzen liess, sieht man in den Ar-
chaden des Gottesackers in München. Es ist dieses eine schöne
weibliche Hochrelief-Figur in natürlicher Größe, und ganz im Geiste
der Antike gehalten. Im Jahre 1853 fertigte er aus Auftrag des
Kaisers eine Marmorgruppe, unter dem Namen La Madonna
del Venerdì Santo bekannt, ein berühmtes Werk, das für die Kirche
S. Satiro zu Mailand bestimmt war. Eine liebliche kleine Statue
stellt die Unschuld unter der Figur eines kaum erwachsenen Mäd-
chens dar, wie es der Schlange schmeichelt. Im Jahre 1830 fertigte
er das Denkmal des berühmten Beccaria, und um dieselbe Zeit
entstand auch das Denkmal der Sängerin Malibran. Für ein Mono-
ment in Frankfurt modellirte er 1837 die Statue Göthe’s, eine
hohe Greisengestalt, sitzend mit Crayon und Notizenbuch. Bei
der Restauration der Facade des Castells in Mailand fertigte er zur
Verzierung derselben die Büsten von zwölf berühmten österreichi-
schen Feldherren in gebrannter Erde, und lieferte dieselben unent-
geltlich an die k. k. Mailänder Fortifications ab. Der k. k. Hof-
riegsrath brachte diese patriotische Handlung des Künstlers zur
Kenntnis des Kaisers, und dieser überschickte dem Professor einen
kastbaren Brillantring, nebst einem schmeichelhaften Schreiben.
Marchesi ist auch im Portraite berühmt. Es existiren von ihm
mehrere höchstähnliche Büsten, wie jene des Kaisers von
Österreich, des Dr. Acerbi, des berühmten Schriftstellers Beccaria,
der kunstreichen Sängerin Pasta, des Dichters Vincenzo Monti
u. s. w.

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