Maratti, Carlo

Maratti, Carlo, genannt Carlo delle Madonne, Maler und Radierer, geboren zu Camurano 1625, gestorben zu Rom 1713. Die Familie dieses zu seiner Zeit hochgeachteten Künstlers stammte aus Illyrien , und schon als Knabe verrieth er eine leidenschaftliche Liebe zur Kunst. In seinem 15ten Jahre kam er nach Rom , wo ihm sein Halbbruder Barnabeo den ersten Unterricht ertheilte, endlich aber kam er in die Schule des Andrea Sacchi, bei welchem er bald alle Schüler überstrahlte, so dass man ihn Carluccio d’Andrea nannte, was seine Neider später in Carluccio delle Donnine verwandelten. Als ausgezeichneter Schüler Sacchi’s blieb er nicht lange in untergeordneter Stellung, und der erste, der ihn vorzog, war Taddeo Barberini, der Neffe Urban’s VIII. Das erste öffentliche Werk, welches er 1650 ausführte, war das Christkind in der Krippe in der Kirche St. Giuseppe de Falcegnani. Von jetzt an ertheilte ihm der päpstliche Hof ehrenvolle Aufträge; der neunte und zehnte Clemens, so wie Innocenz XI. gehrauchten ihn zu verschiedenen Arbeiten. Clemens XI., den Maratti früher in der Zeichenkunst unterrichtet hatte, ernannte ihn 1704 zum Ritter des Christusordens, da es der Künstler übernommen hatte, die berühmten Gemälde Rafael’s in den Sälen des Vatikans und in der Farnesina wieder herzustellen, eine mühevolle Arbeit, von welcher uns Bellori und B. Urbani erzählt. Zu kleinlicherem Dienste brauchte ihn Innocenz XI., der dem Künstler den Auftrag ertheilte, einer von Guido Reni gemalten Madonna die Brust zu bedecken. Maratti sah wohl ein, dass das Bild an seiner Schönheit verlieren würde, und so nahm er nur Leimfarbe und Pastellen, damit der Überzug augenblicklich mit dem Schwamme weggenommen werden könnte. Diese Madonna steht in der geheimen Capelle auf Monte Cavallo. Innocenz ernannte ihn auch zum Aufseher der vatikanischen Zimmer, ein Amt, in welchem ihn auch Innocenz XII. bestätigte. Doch nicht allein die Päpste achteten diesen Künstler; auch Ludwig XIV. von Frankreich zeichnete ihn aus. Dieser Fürst gab ihm den Titel eines k. französischen Malers, und ein Bild der Daphne, welches er für den König malte, gelangte zur grossen Celebrität. Sein Leben verfloss ihm geehrt und in Thätigkeit, dabei aber vergass er auch das Ende nicht. Er ließ sich schon 1704 durch Franz Maratti ein schönes Grabmal fertigen, man weiß aber nicht, ob vielleicht der Ritter bei diesem glänzenden Monumente auch die Hand im Spiele hatte.

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