Mantegna, Andrea,
Mantegna diese nicht nur in den edelsten und schönsten Gedan-
ken, sondern auch in der äussern Ausbildung erreicht hat. Vergl.
Waagen, Kunstwerke und Künstler in England und Paris III.
Ein von Lepici6 erwähntes als im Louvre befindliches Bild, das aber daselbst jetzt nicht zu finden, stellt Maria auf einer Bank si- tzend dar, im Begriff dem Kinde die Brust zu reichen. Auf der Bank ist ein kristallenes Gefäss mit Blumen, im Grunde Architektur.
England; in der Handzeichnungs-Sammlung des britischen Museums ist von ihm eine reiche allegorische Composition, welche die Herrschaft der Laster über die Tugenden vorstellt. Sie bildet gleich- sam das Gegenstück zu einem berühmten Bilde des Mantegna in der königlichen Sammlung des Louvre in Paris , wie die Laster von den Tugenden ausgetrieben werden. Diese Zeichnung ist in Bister aus- geführt und mit Weiss gehöht. Passavant hält sie für eine Arbeit
es S. Botticelli, Dr. Waagen I, 127 erkennt aber hierin der stren-
gen Ausbildung und Völligkeit der Formen, und der Mannig- faltigkeit der bedeutenden Charaktere wegen ein Werk Mantegna’s. Eine andere, in ähnlicher Weise behandelte und dem Mantegna beigelegte Zeichnung daselbst stellt Christus am Kreuz vor; diese aber hält Dr. Waagen ungeachtet grosser Schönheiten mit Ottley für den Mantegna nicht energisch genug. In jener Sammlung ist noch eine andere merkwürdige Zeichnung von Mantegna: die Grab- legung Christi, die mit der Composition Rafael’s im Palazzo Borghese Ähnlichkeit hat, wie Passavant fand. In der British-Institution ist ein mit der grössten Sorgfalt ausgeführtes und trefflich erhaltenes Bild des Triumphes des Scipio, grau in grau gemalt, Es ist dieses ein Werk seiner besten Zeit, worin er seine Nachah- mung antiker Sculpturen schon mehr mit den Gesetzen der Male- rei auszugleichen wusste. Die Köpfe der mannigfach und edel bewegten Gestalten athmen gesunde Kraft und Lebensfrische. Be- sonders meisterhaft sind die frei nach antiken Motiven ausgeführt- ten Gewänder. Nach der etwas minderen Fülle der Formen möchte nach Waagen dieses ganz basreliefartig behandelte Bild, dessen Grund einen bunten, röthlichen Marmor nachahmt, kurz vor dem Triumphzug des Julius Cäsar gemalt und als eine Art Vorstudium, dafür zu betrachten seyn. Dieser schon oben erwähnte Triumph- zug ist in Hampton-court, Q Bilder an der Zahl, keine gigant- ischen Cartons, sondern in Leimfarben unmittelbar auf eine gekör- nerte Leinwand ausgeführte Gemälde. Genau beschrieben sind sie
Dr. Waagen, Kunstwerke in England I, 382 ff.
In der Bildersammlung des Grafen von Pembroke zu Wilton- House ist das Bild der Judith, im Begriff das Haupt des Holofernes in den Sack zu thun, den eine Magd hält. Im Grunde sieht man das Zelt mit dem Bette. Judith ist edel und graziös. Eine
gewisse Härte der Ausführung und die zu stark ausgeprägte Nachahmung der antiken Sculpturen deutet auf die frühere Zeit des Meisters. Dieses ist nach Waagen wohl ohne Zweifel das Bild, welches Carl I. als Rafael besessen und an den Grafen Pembroke gegen ein Bild des Parmegiano vertauscht hat.
St. Petersburg; in der königl. Eremitage; die Anbetung der Könige mit nahenden Schaaren von Anbetenden. Reges Leben be- wegt diese Massen, im Gegensatz der beschaulichen Ruhe inmitten des Bildes, Die Formen sind edler und die Köpfe schön und cha- raktervoll. Die Strenge der Zeichnung, und die geringe Sicher-
Heit in derselben bei einigen Figuren deutet auf die frühere Zeit des Künstlers.
An diese Malwerke reihen wir noch Nachbildungen in Kupfer oder Steindruck, und vor allen erwähnen wir eines höchst selte- nen Werkes, welches 48 Folioblätter nach Mantegna’s Federzeich- nungen enthält, mit bewunderungswürdiger, Marc-Anton’schen Kunst und Treue von Francesco Novelli in der Manier der Originalstiche und Drucke des Mantegna ausgeführt. Diese Blätter enthalten Compositionen von Kriegern, spielenden und kämpfen- den Kindern, Madonnen, Kriegerkämpfen etc. auf 44 Platten, nebst vier Platten: Büste des Mantegna, beschreibende Dedication an den Udiner Maler Giamb. de Rubeis, vom Stecher datirt aus Vene- dig den 22 Dee. 1705, eine Wiederholung der genannten Büste als Titel mit der Veberschrift: Disegni del Mantegna und der In- schrift auf dem Piedestal: Andreas Mantinia foecundus artifex Pa- tavinus. Eques anratus hic ingenioso argumento symmetriae sub- tilitatem picturae dedit et graphidem a&ri sculpendo in Italia primus inclaruit. Ex ejusdem tabulis membranisque in sntcessu artis etc. ete. Probedrucke vor der Schrift, wenn sie einzeln und auf altes Papier abgedruckt vorkommen sollten, können selbst das geübteste Auge täuschen und leichtlich für unbekannte Originalstiche des Mantegna ausgegeben werden, wo die Platten hingekommen sind, ist bis jetzt nicht ermittelt. Der Abbate Francesconi besass andere, welche der Venetianer Gio. Maria Sasso um 1700 von A. del Pedra und F. Novelli nach Originalstichen, Gemälden, Fresken etc. des Mantegna zum Behuf eines Werkes über diesen Meister, welches aber nicht erschienen ist, hatte ausführen lassen. Auch diese Nach- ahmungen sollen sehr täuschend seyn, und die oben erwähnten 48 Platten F. Novelli's gehören vielleicht zu jenem projektirten Werk über Mantegna.
Wolfgang Weigel in Leipzig besitzt dieses letztere höchst seltene
Von ihm, oder vielleicht noch richtiger von B. Montagna, sind auch die Zeichnungen zum ersten anatomischen Buche von 1405, dessen Titel wir aber unter B. Montagna geben werden.
Gestochen nach ihm ist noch zu erwähnen: der berühmte reich- verzierte Kelch aus der Arundel’schen Sammlung nach einer Feder- zeichnung Mantegna’s von W. Hollar; Silen auf dem Fasse sitzend von 7 Amoretten umgeben, von H. Hopfer; zwei Krieger an einem Altare, ein Nackter opfert den Widderkopf, links eine weibliche Figur mit dem Schilde, von W. Hollar; Dido auf dem Scheiter- haufen, von Marc-Anton und H. Hopfer; Mars und Venus mit Amor, welcher eine Fackel hält, von Marc-Anton; Titus oder der Triumph eines römischen Kaisers, oder das Basrelief des Marco Aurel, von Marc-Anton und von einem alten Copisten; Christus erlöst die ersten Eltern, von einem spätern Meister in Mantegna’s Manier; der heil. Sebastian, von F. Toretti; der Tod des Gene- rals Gattamellatta von Narni, Zeichnung von Prestel; Büste eines Mannes, von A. Pond; Figur eines Kriegers, Judith, Christus zwi- schen Andreas und Longinus, St. Peter, weibliche Figur, Haupt des Johannes, lith. von N. Strizner; Büste des Johannes aus einem Bilde in S. Filippo zu Padua, lith. von Zimmermann.
Kupferstiche,
Mantegna ist auch der Hauptkünstler im nördlichen Italien, wel- cher eine Reihe der geistreichsten Erfindungen durch Kupferstich
Mantegna, Andrea. —
zu allgemeiner Kenntnis brachte, und dadurch auf die höchste Ausbil- dung derselben mächtig und wohlthätig einwirkte. Über die Zeit, in welcher Mantegna diese Kunst zu üben begann, ist man nicht ei- nig. Vasari sagt nur, Mantegna habe, wie A. Pollajuolo, Vergnügen daran gefunden, in Kupfer zu stechen, und unter andern sei-
nen Triumphzug herausgegeben. Im Leben des Marc-Anton wie- >
derholt er diese Nutzen mit der kleinen Variante: Mantegna sei in Rom ‚mit den Kupferblättern bekannt geworden, welche B. Baldini nach den Entwürfen des S. Botticelli gestochen, und habe nun, dadurch veranlasst, ebenfalls viele seiner eigenen Werke in Kupfer gebracht. Baldinucci in der Einleitung zu seiner Geschichte der Kupferstecherkunst ordnet dies so, dass es scheine, als sei das Schlachtstück, welches Pollajuolo gestochen, hauptsächlich Veran-
lassung gewesen, dass Andrea sich im Kupferstich versucht und
seine Triumphe herausgegeben habe. Hierbei nun, sagt Schorn (l. c. 292 Anmerk.) wäre so viel nicht einzuwenden, wenn man in Betracht zieht, dass Innocenz VIII. auch den Pollajuolo in seinen Dienst hatte, welcher den Plan zur Villa Belvedere für ihn entwarf, ja man könnte sogar daraus folgern, Mantegna habe die Kupfer- stecherkunst erst von Pollajuolo gelernt, wenn nicht aus dem Ver-
gleiche seiner Kupferstiche wahrscheinlich würde, dass er schon früher, als er an den Triumphzug dachte, Versuche in dieser Kunst gemacht hatte, (Ottley an Inquiry etc. II. 492) wie denn auch Va- sari in der zuletzt genannten Stelle den Mantegna als einen der ersten nennt, welche sich in Italien damit beschäftiget hätten. Calvi im Leben des Francia p. 11 glaubt sogar, er habe schon in der Schule des Squarcione das Kupferstechen begonnen, aber er ist der einzige, der diese Kunstbemühungen des Mantegna in so frühe Zeit setzt. Nach Baldinucci’s Angabe, welcher Bartsch P. gr. XI 223 folgt, begann Mantegna erst gegen 1400, da er schon fast 60 Jahre alt war, das Kupferstechen. Von Quandt (Aumerkung zum Lanzi II. 251) und Zani (Materiali etc. p. 65) dagegen stimmten
mit der oben ausgesprochenen Meinung überein, dass er früher
müsse angefangen und einen großen Teil seiner besten Jahre da- rauf verwendet haben. Bartsch gibt als Grund für seine Behauptung an, dass die Stiche des Andreas, welche den, nach Bartsch Angabe um 1463 gemalten Triumph- (genau) darstellen, seine ersten Ver- suche im Kupferstechen zu sein scheinen, und dass also Andrea wenigstens vor dieser Zeit nicht in Kupfer gestochen habe. Bartsch ist hier, nach demn was wir früher beibrachten, mit der Zeit im Irrthum, und dann fügt von Quandt (l. c.) noch die Bemerkung bei, dass Unvollkommenheit eines Werkes kein Grund sei, solches für den ersten Versuch eines Meisters zu halten; denn oft sind die späteren eines Künstlers misslanger, als seine früheren. Sodann sind aber diese Blätter gar nicht als misslungen zu betrachten, sondern Quandt meint, es dürfte Mantegna nur einen neuen Ver- such dadurch gemacht haben, die Wirkungen des Holzschnittes nachzumachen, und mit den des Kupferstiches zu vereinigen. Möge nun dieser Versuch geraten oder misslungen sein, ob es Andrea’s erster Versuch in dieser neuen Kunst des Stiches, oder ein späte- rer sei. So weit von Quandt, und weil es nun hier von den er- sten Arbeiten des Meisters die Rede ist, so möchten wir nament- lich zwei Blätter anführen, deren Bartsch nicht erwähnt, wahr- scheinlich wegen ihrer ausserordentlichen Seltenheit. Sie befinden sich im königl. Kupferstichkabinett zu Paris, und Dr. Waagen er- wähnt ihrer, jedoch ohne Bezeichnung des Maasses, . Kunst-
werke und Künstler in England und Paris 1{l. 692. Das eine stellt.
Mantegna, Andrea. 269
Die Geburt Christi, von einer Höhle genommen, wobei außer der heiligen Familie drei Engel und ein Hirte zu sehen sind. Die Composition ist schön, aber die enge nielloartige Lage der Striche spricht für die frühere Zeit des Meisters. Das zweite Blatt, zwei Landleute von lebendiger Auffassung, zeigt eine größere Bewegung im Grabstichel, und es gehört daher einer etwas späteren Zeit an. Auch Duchesne, der Verfasser der Voyage d’un iconoclaste, glaubt, dass Mantegna niellirt habe, und dass ihm vielleicht eine oder die andere der anonymen Niellen angehöre.
Die Stiche dieses Meisters gleichen Federzeichnungen, welche mit Strichlagen von einer Seite zur andern ohne Querschraffur gemalt sind, und sie werden um der Präcision des Umrisses und des Verständnisses der Zeichnung willen höchst geschätzt. Sie sind, wie schon Lanzi behauptet, in zwei Ausgaben vorhanden, eine mit der Wälze und schwacher Tinte, die andere mit der Presse und guter Schwärze abgedruckt. Oltley (a. a. O., S. 404) hält es, dass mehrere von ihm zuerst in ein weicheres Metall, als das Kupfer, gestochen und nachher, da sie wenig Abdrücke gehalten; erst in Kupfer, theils von seiner eigenen Hand, theils von Schülern wiederholt worden seien. Die Hauptblätter sind: Die Grablegung, das Bacchanal, die Schlacht der Meereinheuer, die Kreuzabnahme, die Auferstehung Christi. Bartsch I, 1, nennt 23 unten nach ihm verzeichnete Blätter Mantegna’s. Die übrigen sind hauptsächlich erwähnt.
Die Geisslung Christi in einer Säulenhalle, rechts H. 14 Z., Br. 13 Z. 5 L. Der obere Theil des Blattes ist nicht vollendet, auch Tinks bedürfte ein Theil die letzte Hand. Es gibt spätere braune Abdrücke.
Eine alte und seltene Copie hat Langhans und Erdbocken, anstatt des quadratischen Fussbodens. H. 17 Z., Br. 20 43 Z. Bei Weigel ein ausgebessertes Exemplar des Originals: 4 Thlr.
Christus von zweien seiner Jünger ins Grab gelot, letzteres am Eingange einer Felsenhöhle. Vor dem Grabe, fast in der Mitte des Blattes, liegt Maria ohnmächtig zweien Frauen an den Armen, Rechts sieht man den Johannes in Tränen. H. 417 Z., Br. 13 Z. 2 L. 18
Eine alte und seltene Copie ist von der Gegenseite. Die Schrifttafel am Kreuze ist weiss, am Baume ist ein demi-S ähnliches Zeichen. H. 16 Z. 8 L., Br. 12 10 00
Das Begräbniss Christi, rechts die heilige Jungfrau in Ohnmacht, Johannes steht im schreienden Schmerze. Berühmtes und seltenes Blatt, vom Vasari erwähnt. H. 11 Z. 9 L., Br. 16 Z. 4 L. Juan Andrea hat dieses Blatt sehr gut copirt, dann gibt es eine verkleinerte gegenseitige Copie, mit einigen Abänderungen in Figuren und Charakter, von J. Duvet, kl. qu. fol. Bei Weigel ein ausgebessertes Exemplar des Originals: 8 Thlr.
Die Kreuzabnehmung, am Fusse des Kreuzes Maria von zwei Frauen unterstützt, Magdalena sieht man vom Rücken, rechts vorn einen Baum. Von Vasari erwähnt. H. 16 Z. 6 L., Br. 13 Z. 3 L.
Christus steigt zur Hölle hinab; links der gute Schächer das Kreuz haltend. H. 17 Z., Br. 33 Z.
Mantegna, Andrea.
Die originalseitige Kopie hat das Zeichen des Marius MK Martarus und 1566, fol. Ein moderner Künstler hat Chri- stus im Limbus in Zeichnungsmanier nach der Weise Man- tegna’s gestochen, doch ist die Composition von der Obi- gen verschieden. H. 9 Z. 2 L., Br. 90 Z. 10 L. Die Wie- derholung dieses Blattes ist mit MA. AMT (verbunden) | -492 bezeichnet. H. 8 Z. 1 L., Br. 9 Z. 11 L. Bartsch gibt diese Blätter unter den Zusätzen, wir fügen sie oben
der Ähnlichkeit des Gegenstandes wegen hier an. Bei Weigel ein scharf beschnittenes Exemplar des Originals
5 F, | Der auferstandene Heiland zwischen den Heiligen Andreas und Longinus. Von Vasari erwähnt. H. 15 Z. 3 L., Br. 12 Z. 4 L.
Die gute, von Joh. Ant. da Brescia gefertigte, Kopie un- terscheidet sich vom Original in den sich kreuzenden Li- nien der Schattenstriche im Hintergrunde.
Der leidende Heiland auf seinem Grabe sitzend. Links vorn am Boden die Dornenkrone, im Grunde Landschaft, H. 7 Z. 8 L., Br. 4 Z. Dieses sehr schöne Blatt ist von Zoan Andrea mit einigen Veränderungen copirt. _
Maria in reicher Draperie sitzend und das Kind umarmend. H. 12 Z. 6 L., Br. 9 Z. 8 L.
Sehr schön, im ersten Drucke ohne Aureole um das Haupt der Jungfrau und des Kindes. Im zweiten, schwä- cheren Drucke, sieht man die Aureolen; das erstere Blatt
ist von einem Anonymus copirt, womit sich ein wenig ge- übter Künstler täuschen könnte, besonders wenn der Rand abgeschnitten ist. H. 8 Z., Br. 6 Z. 3 L. Eine andere Kopie ist in J. Strutt's Biographical dictionary. Die heil. Jungfrau in der Grotte, von einer Engelsglorie umgeben, im Vorgrunde rechts und links einer der drei Wei- sen und Joseph, letztere beiden Figuren nur im Umriss, so wie auch oben der Felsen. Sehr selten. H. 14 Z. 5 L., Br. 10 Z. 5 L. .
St. Sebastian am Baume, in der Rechten einige Pfeile hal- tend. Durchmesser der Höhe 8 Z. 6 L., Br. 3 Z. 5 L. Triumphgefolge der römischen Senatoren, nach rechts zie-
ein verschnittenes Exemplar.
In der alten Kopie, angeblich von J. A. da Brescia, geht der Zug nach links. H. 9 Z. 1 L., Br. 10 Z. 0 L. Bei Weigel das Original 4 Thlr. /
Die Elephanten im Triumph die grossen Leuchter tragend, der Zug nach links. H. 10 Z. 8 L., Br. 9 Z. 8 L.
Die betrügliche Kopie von J. A. da Brescia ist kenntlich durch acht Ringe am Fusse des mittleren Candelabers, wäh- rend im Original elf sind. /
Römische Soldaten im Triumph die Trophäen tragend, die Gefässe links oben fast im Umriss. Der Zug geht nach links. Die Wiederholung dieses Gegenstandes, auch dem Mantegna zugeeignet. Der an der rechten Seite, wo ausserhalb eine verzierte Säule ist. Selten. H. 11 Z. 10 L., Br. 10 Z. 2 L.
Die gegenseitige Kopie, angeblich des J. A. da Brescia, zeigt den Zug nach links gehend, hier ist alles vollendet, während in No. 13 ein Teil links oben noch weiss ist.
Mantegna, Andrea. 271
Herkules kämpft gegen die Hydra, Divo Herculi invicto,
H. 5 Z. 4 L., Br. 4 Z. 1 L. R
Herkules mit Antheus kämpfend, im Hintergrunde links her-
nÖbieschrieb—en; Herculi invicto, H. 32 Z. 10 L.? Br. Q Z.
L.?
J. A. da Brescia hat das Blatt copirt, und die gegen-
seitige Copie von H. Hopfer ist kleiner.
Gefecht zweier Tritonen, welche Nereiden auf dem Rücken
haben; Gruppe von sechs Figuren. H. 10 Z. 6 L., Br. 14
Z. 8 L.
Gefecht mit drei Meergöttern, links der Neid unter der Ge-
stalt eines hässlichen Weibes: INVID. H. 15 Z. 8 L.? Br.
Diese beiden Blätter bilden eigentlich ein Ganzes, und
sie sind eines der schönsten Hauptwerke Mantegna’s. D.
Hopfer hat sie beide in kleinerem Maßstabe copirt, kl.
qu. fol. Bei Weigel das Original 7 Thlr.
Das Bacchanale oder die Weinlese, an dem Fasse ein trun-
ken;:rf'n-un. Schöne Composition, H. 11 Z. 5 L., Br. 106
Z. .
D. Hopfer hat das Blatt copirt, kl. fol. Bei Weigel ein
Druck der ersten Originalplatte 10 Thr.
Ottley behauptet, man müsse beim Bacchanale mit dem trun-
kenen Faun an der Kuve zwei Stiche unterscheiden, und er
lässt beide den Mantegna stechen. Er findet in dem einen
Blatte größere Vollendung, als im andern, er glaubt, das
der Stich in weicheres Metall gemacht sei, als Kupfer, die
Schwärze findet er im späteren Drucke schwärzer u. s. w.
Dieser Meinung stimmt Zanetti (Cabinet Cicognara, Venise
1837 p. 139) nicht bei, und er glaubt im Gegentheile, die
Abdrücke seien von einer und derselben Platte, wenn auch
ein Abdruck blässer als der andere ist. Ottley will in der
Wiederholung an der Hand des Faun Veränderung bemerkt
haben. Zanetti fand sie ganz gleich gestaltet mit Ottley’s
Beschreibung, aber es ist nicht wahr, dass die Kuve 12 Dau-
ben hat, wie Ottley angibt, sondern 15. Eben desswegen
will Zanetti zwar nicht an der Existenz des zweiten Stiche:
zweifeln, die Angaben sind aber nicht durchaus richtig. Grüsse
nach Ottley: H. 10 Z. 6 L., Br. 15 Z. 3 L.
Das Fest des Silen, grosses Bacchanal mit dem trunkenen,
von Faunen getragenen Silen. Bartsch beschreibt ein ver-
stümmeltes Exemplar. Ein Hauptblatt von Vasari erwähnt
H. 11 Z. 9 L., Br. 17 Z. 1 L. Bei Weigel im älteren
Drucke 10 Thlr. Die kleinere gegenseitige Copie ist rechts
bezeichnet: n. n. Selten und etwas kleiner.
Eine andere, alte, originalseitige Copie hat am rechten
Hufe des Satyr, welcher den Silen unterstützt, die
drei über einander sich erhebenden Striche der zweiten
Hälfte des Hufes nicht. Der Copist füllte den Raum zwi-
schen den beiden abwärts laufenden Strichen auf solche
Weise nicht. aus,
- Büste eines Mönches, in drei Viertel Ansicht nach rechts,
H. 4 Z. 11 L., Br. 4 Z. 5 L.
Derselbe, ganz en fage. H. 5 Z., Br. 3 Z. 8 L.
Büste eines harten Alten mit einer turbanartigen Mütze;
das Kleid nur umrissen. H. 5 Z., Br. 4 Z. 6 L.
Die Geburt Christi, vor einer Höhle, außer der heil. Familie drei Engel und ein Hirt. '
Zwei Landleute. Dieser beiden Blätter haben wir nach Dr. Waagen bereits oben erwähnt. ‚
Die heil. Jungfrau mit dem im Schoß stehenden Jesuskinde sitzt zwischen Joseph und Elisabeth, Jesus schlingt den linken Arm um den Hals der Mutter und streckt die Rechte aus um die Blume zu empfangen, die ihm Johannes reicht. Ohne Zeichen. H. 11ı Z., Br. 9 Z. 6 L. Im Catalog Silvestre dem Mantegna zugeschrieben.
Ein Tanz von vier Weibern, sich bei den Händen fassend. Im Catalog Silvestre dem Mantegna zugeschrieben.
Judith, wie sie den Kopf des Täufers in den Sack der Magd steckt. ‘ Im Catalog Silvester. ‘
Zwei Bautern, jener rechts im Profil hat den Stock in der rechten, während er mit der Linken den Hut abzieht. Die Figur zur Linken steht en face mit gekreuzten Beinen ebenfalls mit einem Stocke, und mit dem Hute auf dem Kopfe, H. 5 Z. 6 L., Br. 4 Z.
Dieses Blatt beschreibt Zanetti aus dem Cabinet Cicognara, und wenn es nicht wirklich von Mantegna ‚selbst herrührt, was wahrscheinlich ist, so könnte es doch ein gleichzeitiger Anonymus oder ein Schüler gefertigt haben.
Karten des Mantegna Gioco di Mantegna, wahrscheinlich Werke eines anonymen italienischen Meisters,
Unter dieser Rubrik erwähnen wir hier 50 Spielkarten, Les Cartes de tarots, wie sie Bartsch P. gr. XI. p. 120 nennt. Letzterer be- hauptet auch nicht, dass sie von Mantegna herrühren, Lanzi aber sagt, dass mehrere hierin den Geschmack Mantegna’s erkennen wollen, und desswegen nennt er die Karten Gioco di Mantegna. Dieser Benennung folgt auch Graf Cicognara, Memorie spettanti alla storia della calcografia. Prato 1821, und somit zählen wir hier diese seltenen Blätter auf, obgleich es auch unter Baccio Baldini hätte geschehen können, da sie Einige diesem Künstler zuschrei- ben, wie W. Ottley, An inquiry into the origin and early history of engraving I. 373. Dieser Schriftsteller gibt auch Nachbildungen dieser interessanten Erzeugnisse der alten Chalkographie: A collec- tion of fac-similes of scarce and curious prints by the early ma- sters etc. London 1832, pl. 43 f. Auch Strutt, Biographical dictio- nary. London 1786 erwähnt dieser Blätter, er will aber 60 der- selben gesehen haben, obgleich er nur 50 erwähnt. So viel zählt auch Bartsch P. gr. XI. 120 ff. auf, und diese sind in 5 Klassen ab- getheilt, jede zu 10 Blätter. Jede Karte hat links unten im Rande einen Buchstaben, der die Klasse bezeichnet, in der Mitte des Randes stehen die unten erwähnten Namen und ein römisches Zahl- zeichen, gerade hinüber, rechts, ist dieselbe Zahl arabisch ausge- drückt. Die bezeichnenden Buchstaben sind: S. D. C. B. A.—S. bedeutet Spada, und dieses S ist auf den von Bartsch p. 151 unter „A“ erwähnten Copicen durch ein E ersetzt. Bartsch glaubt, dieses E könne auf keine Weise Spadone bedeuten;; allein es kann doch Espadone bedeuten. D wird durch Danari oder Denari erklärt ; C durch Coppe; B durch Bastone; A durch Atutto (A’tutti). Man weise nicht, wie oft diese Karten wiederholt wurden, Bartsch beschreibt diese Wiederholungen, doch sind die bei ihm unter A
„angegebenen Ölgemälde Original, wie in der Signatur ‘127’8’;“ — „Ind‘ Fren-
zel im Cataloge der Sammlung des Grafen Sternberg-Manderscheid
J. S. 17.4.n, behaupten. Es erscheinen demnach hier die von Bartsch
bestimmten alten Copien A als Original, da in diesen Zeichnung
und Ausdruck weit vorzüglicher und die so fein ausgeführten Schraf-
firungen an die Niello’s erinnern, und im Ganzen weit mehr Ge-
fühl anzutreffen ist, als in den vom Bartsch beschriebenen Origi-
nalen. Die Abweichungen der Formen in den Köpfen, Händen,
Füssen, Draperien und verschiedenen Nebensachen sind nach Fren-
zel zu bedeutend, als dass sie ein Copist unterschreiben konnte;
während alles dieses in den von Bartsch bestimmten Ori-
ginalen schwerfälliger erscheint. Die Abweichungen in den von
Frenzel verzeichneten Blättern sind jedesmal beigefügt, doch be-
merken wir, dass Graf Sternberg nur 18 Blätter besass, die Nr. 21,
Die übrigen Numern unsers Verzeichnisses sind nach Bartsch’
angeblichen Copien ergänzt. Diese, nach Bartsch gegenseitigen, Co-
pien, die wir hier als Original bezeichnen, sind grösser, als die
Originale bei Bartsch, 6 Z. 7 L. hoch, 3 Z. 8 L. breit. Indes-
sen bedarf dieses Verzeichniss noch einiger Revision, da Bartsch
mehrere Blätter nicht selbst gesehen hat. Was wir also hier Copie
nennen ist bei Bartsch Original. H. 6 Z. 4—5 L., Br. 3 Z. 6 L.
In „Glasse E“, welches hier statt S steht. Die Blätter stellen ver-
schiedene Lagen und Würden des Menschen dar, mit folgenden
Aufschriften:
- Misero. I. 1. Ein fast nackter Bettler mit dem Stocke,
nack links getichtet, in der Copie rechts.
- Fameio. II. 2. Ein Mensch mit der Vase, nach links ge-
richtet, in der Copie rechts.
- Artixan. III. 3. Rechts vorn arbeitet der Goldschmied, wäh-
rend er in der Copie links sitzt.
- Merchadante. IV. 4. Ein Kaufmann liest nach links hin
einen Brief. Die rechte Hand ist anders, als die der Copie,
wo der Kaufmann nach rechts geht.
- Zintilomo. V. 5. Der Edelmann mit dem Falken. Die
rechte Hand mit der Gerte im Gürtel, der Jägerbursche führt
die Hunde, ihre Schritte sind nach links gerichtet. In der
Copie hat der Edelmann nichts im Gürtel.
- Chavalier. VI. 6. Er hält den Dolch in beiden Händen,
links vom Grunde her folgt der Page mit dem Degen. In
der Copie ist er rechts.
- Doxe. VII. 7. Der Doge von Venedig, nach links gehend,
in der Copie nach rechts.
- Re. VIII. 8. Ein König auf dem Throne mit dem Scepter
in der Rechten, die Linke an der Hülte, ganz en face, die
beiden Füsse zurückgezogen; in der Copie ist er in drei
Viertel Ansicht, etwas nach links gekehrt.
- Imperator. IX. 9. Der Kaiser auf dem Throne, in der
Vorsicht
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