Maderno, Carlo

Maderno, Carlo, Architekt von Bissone im Kirchsprengel von Co-
mo, genannt Lombardo. Dieser Künstler, der zu seiner Zeit
hoch gepriesen wurde, war anfangs Stuccator, bis er nach Rom
kam, wo ihn sein Onkel D. Fontana in der höheren Sphäre der
Bildhauerei unterwies. In Rom wendete er sich vorzugsweise
der Architektur zu, und dabei sah er ein, dass er auch als Stuc-
cator Nutzen ziehen könnte, was für ihn hinreichend war, dies
beiden Künste ausschliesslich miteinander zu verbinden. Als Archi-
tekt gelangte er in Rom zur Bedeutung, und er wurde vorgezogen,
als Papst Paul V. 1605 beschloss, die Vorderseite der St. Peters-
kirche zu vollenden. Michelangelo hatte den Plan dazu gemacht,
allein es erhoben sich damals manche Einwendungen, da einige
für den katholischen Cultus nothwendige Theile von Michel An-
gelo unberücksichtigt blieben. Es fehlte der Balkon, von wel-
chem herab das Volk den päpstlichen Segen empfängt; auch fürch-
tete man, die Kirche möchte in ihrem alten Zustande bei hohen
Festtagen die Menge der Gläubigen nicht fassen. Diese Umstände
bewogen den heiligen Vater, von dem Plane Buonarottis abzu-
weichen, und unter neun Baumeistern erhielt Maderno den Auf-
trag, einen Plan zur geforderten Umgestaltung zu machen. Wenn
schon im Plane des grossen Michelangelo kein reiner Geschmack
mehr herrscht, so hat nun der Zusatz Madernos das Gebäude völ-
lig verdorben, was schon Milizia bemerkt. Maderno liess den
vorderen Theil der alten Kirche niederreißen, und den Umfang
desselben in das neue Gebäude einschliessen, wodurch die Kirche
die Form eines lateinischen Kreuzes erhielt, und um 223 Palm
gegen Morgen verlängert ward. Dann sind zu dem Plan des Michel
Angelo noch drei Kapellen auf jeder Seite hinzugekommen. Die
nach der Angabe Madernos aufgeführte Vorderseite dieses Domes
ist mit 8 Säulen, 4 Pilastern und 4 halben Pilastern von gleicher
Höhe, sämmtlich in corinthischer Ordnung, geschmückt. Sie be-
reicht die Vorhalle in sich und die über derselben befindliche Gal-
erie, in deren Mitte die päpstliche Loggia erscheint. Die Facade
misst in der Breite 504 und in der Höhe 202+ Palm. Die Säulen
sind mit den Capitälen 126 Palm hoch, mit einem unteren Durch-
messer von 12 Palm. Das Gebälke ist 26 Palm hoch und die darüber
befindliche Attike 43. Über dieser erhebt sich eine 8 Palm hohe
Ballustrade. Die vergoldeten Stuccaturen der Decke der Vorhalle
sind ebenfalls von seiner Zeichnung.

Die jetzige Peterskirche zeigt sich also nach einem von dem Ent-
wurfe des Michelangelo wesentlich veränderten, aber sehr un-
glücklich ausgefallenen Plane. Insbesondere gehört die nach seiner
Angabe ausgeführte Vorderseite derselben unter die auffallendsten
Denkmäler des verderbten Geschmackes jener Zeit in Rom. Nicht
zinder zeugen davon die Fassaden von S. Susanna und S. Maria
della Vittoria, so wie andere Werke der Kirchenbaukunst dieses
Architekten. Sein Werk ist auch die Fassade von St. Jacopo degli
Incurabili, der Chor und die Kuppel von S. Giovanni de Fioren-
tini, die Milizia allzu gotisch nennt, die Kirchen St. Lucia in
Sicile und St. Chiara, der Chor und die Kuppel von S. Andrea
della Valle, die Tribuna della Pace, die Kirche des heil. Iguazu

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