Mabuse, Jan van

Mabuse, Jan van, 155

der Herrlichkeit auf Wolken mit den Sinnbildern der Evangelisten.

Im Bildersaal der St. Morizkapelle zu Nürnberg ist ein Bild der Maria mit dem Jesuskinde und gl. Joseph, dann ein anderes Bild der Madonna, wie sie das Kind auf dem Gesimse hält.

Im k. Museum zu Berlin bewahrt man ein Bild des gekreuzigten Heilandes, auf der einen Seite die klagenden Frauen, auf der andern die Krieger, im Grunde Landschaft und Fernsicht auf Jerusalem . Der Christuskopf ist von großer Schönheit, Maria in Gestalt und Gesicht vortrefflich, die Krieger voll Leben, und wenn, nach Kugler (Beschr. der Gemäldegallerie S. 188) im Bilde auch nicht mehr die ganze frühere Tiefe ist, so doch immer noch ein sehr aussprechender Nachklang derselben. Eine Madonna dieses Museums lässt schon ungleich mehr die spätere Richtung erkennen, ist aber nicht frei von Manier. Ein drittes, der früheren Zeit des Künstlers verwandtes Gemälde der Anbetung der Könige, zeigt bei einem gewissen, graulichen Farbenton ein nicht erfolgloses Bestreben nach freierer, vollerer Durchbildung der Form.

In der k. k. Galerie zu Wien ist eine Madonna mit dem Kinde

in einer Nische, um welche steht: Mulieris Semen Jesus Serpentis caput contrivit.

Im Escorial befindet sich von Mabuse die heil. Jungfrau mit dem Kinde auf einem Throne in Muschelform, mit einer Inschrift auf der Rückseite: Joan Mabeuse S. S. Q. Lovan, qui constanti in deum et principem fide exiguum hoc artis nostrae monumentum inter cetera donaria sacrasque imagines in media iconoclastarum rabie conservavit etc.

In England sind mehrere Gemälde von Mabuse: Zu Hampton- court ist jenes Bild, welches die Kinder Heinrich VII., den nach- maligen Heinrich VIII., den Prinzen Arthur und die Prinzessin Margaretha darstellt, und das Dr. Waagen „Kunstwerke und Künst- ler in England und Paris. I, 387, unserm Künstler beilegt. Prinz Heinrich wurde 1492 geboren, und im Bilde erscheint er ungefähr 7 Jahre alt, so dass das Gemälde um 1499 entstanden sein muss, während man um diese Zeit den Meister erst geboren werden lässt. Die Kinder sind halbe Figuren in halber Lebensgröße, und nach Dr. Waagen zeigt hier Mabuse ein ungleich reineres Naturgefühl und eine feinere Zeichnung, als in seinen späteren Arbeiten, und dabei dieselbe höchst zarte Vollendung und Verschmelzung. Nur in den Händen ist schon die Neigung zum Rundlichen in den For- men sichtbar. Doch sind jetzt die rothlichen Töne des Fleisches verflogen, so dass die Lichter blass, die Schatten grau erscheinen. Auch sind einige Schatten etwas verwaschen. Graf v. Pembroke hat die gleiche Darstellung mit der Jahrzahl 1495, nach Waagen anscheinlich von Mabuse selbst. Eine zweite Wiederholung ist zu Corshamhouse, in Wiltonhouse u. a. Ebdem war dieses Bild in der Sammlung Karl I., so wie das Gemälde mit Adam und Eva, das jetzt in der königlichen Sammlung aufbewahrt wird.

Thomas Baring besitzt ein Bild der Maria auf dem Throne unter einem sehr schnörkelreichen gotischen Baldachin, dabei fünf Engel, die musizieren, während einer dem Kinde die Blume reicht. Dieses Bild ist in der meisterlich modellierenden, miniaturartigen Ausführung aller Teile höchst bewunderungswürdig.

In der Sammlung zu Corshamhouse wird ihm ein Bildnis der Mutter Heinrich’s VIII. beigelegt, welches Dr. Waagen indessen

Für ein sehr verwaschenes Bild der früheren Zeit Holbein’s er- klärt,

In der Bildersammlung zu Castle Howard ist eine Anbetung der Könige von Mabuse, ein reiches Bild mit 30 namhaften Figuren, etwa 6 F. hoch und 5 Fuss breit. Dieses aus der Gallerie Orleans stammende Bild bestätigt Dr. Waagen’s Vermuthung, dass der Künstler schon vor seiner Reise nach Italien bedeutende Werke in der rein niederländischen Weise der Schule der van Eyck ausge- führt haben muss, während man ihn gewöhnlich nur nach den manierierten Bildern im italienischen Geschmacke, welche er wäh- rend und nach seiner Reise gemalt, zu beurtheilen pflegt. In die- sem Bilde steht er keinem der beiden berühmtesten gleichzeitigen

Meister in den Niederlanden, dem Rogier van der Weyde und

dem Quintin Massys nach. In dem Adel, der Feinheit, der Ma- nichfaltigkeit der Charaktere ist er nach Waagen’s Ueberzeugung ihnen überlegen, in dem Ernste und der Energie ihnen gleich. Die Verhältnisse der Figuren sind schlank, die Hände fein, aber etwas lang und mager. In die fließenden und weichen Hauptmo- tive der Gewänder mischen sich einige schärfere Brüche. Alle Theile dieses Bildes haben ein sehr bestimmtes und scharfes Modell, das Fleisch ist meist in den Schatten von tief bräunlichem, in den Lich- tern warm gelblichem Ton und minder klar, als bei den andern beiden Meistern. Die Ausführung ist durchgängig von bewunde- rungswürdiger Gediegenheit und Strenge. Die Krone des knieen- den Königs und der Deckel seines Gefässes ist noch in der alten Technik mit Goldgelb ausgeführt, Dagegen sind die Goldstoffe der Gewänder schon in der späteren, minder guten Art gemacht, wo- nach die ganze Fläche mit brauner Farbe angestrichen, die Mu- ster mit Schwarz hineingezeichnet, die Lichter mit Ockergelb hin- eingestrichelt worden. Die Zusammenstellung der teilweise gebro- chenen Farben ist von sehr harmonischem Gefühl. Hierin, wie in allen Hauptteilen, stimmt es nach Dr. Waagen durchaus mit der Kreuzigung Christi im k. Museum zu Berlin, welche früher dem Hemling (Memling) beigelegt wurde. Nur hat das Berliner Bild durch früheres Verwaschen seinen warmen Ton und sein altes Mo- dell verloren, während das Bild in Castle Howard von einer Er- haltung ist, als ob es erst gestern vollendet wäre. Ein Köpfchen mit einem Federhut in einem Fenster möchte nach Waagen das Portrait des Mabuse seyn. Irrig glaubt man dort auch die des A. Dürer und L. van Leyden zu erkennen. Die Architektur des Gebäudes ist nicht gotisch, sondern zeigt schon einen Einfluss von Italien. Dieses Bild erklärt Dr. Waagen nicht nur für das noch übrige Hauptwerk des Künstlers, sondern als eines der vor- züglichsten der ganzen altniederländischen Schule.

Zu Althorp, dem Landsitze des Grafen Spencer, ist von ihm ein heil. Hieronymus in der Mitte zweier Seitenbilder, rechts die Heimsuchung, links Franz und Max Sforza, Herzöge von Mai- land. Dieses Bildes erwähnt Passavant in der Kunstreise durch England und Belgien, so wie des folgenden.

In St. Donat zu Brügge war chedem eine Kreuzabnahme mit zwei Flügelbildern, worauf Johannes der Täufer und der Apostel Petrus in reicher Architektur. Dieses sorgfältig vollendete Bild hat die Unterschrift: JOANNES MALBOGII PINGEBAT ANNO 1521, und vor wenigen Jahren kam es in den Besitz des H. Solly in London.

In der Weise des J. Mabuse gemalt ist daselbst in der Frauene- kirche eine Mater dolorosa in einer Nische mit architektonischen

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