Luigi, Andrea di, Maler, genannt Ingegno und Andrea di As- sisi, weil er in dieser Stadt geboren wurde. Vasari sagt, Luigi sei unter allen Schülern Perugino’s der beste gewesen, und er habe selbst mit Rafael gewetteifert; allein dieses scheint unrichtig zu seyn, da F. v. Rumohr, ital. Forsch, II. 324 ff., die Nachricht beibringt, dass Ingegno schon als Meister am Rathhause zu Assisi einige Wappen gemalt habe, während Perugino erst 1400 in Perugia seine Schule gründete. Ferner sagt Vasari, dass In- gegno seinem angeblichen Meister, als welchen Rumohr indessen N. Alunno erkennt, in der Basilika zu Assisi geholfen, und dort halten einige die Propheten und Sibyllen für sein Werk. Auch Lanzi meint, er könnte diese Bilder gemalt haben, und bezeichnet ihn zugleich als den ersten, welcher in Perugino’s Schule im großartigeren Style arbeitete, und die Farbe milder behandelte, was er alles in jenen Bildern erkennen will, ohne jedoch sich des Zweifels zu entwehren, dass sie vielleicht nicht von Luigi herrühren. Und diese Sibyllen sind, so wie die Propheten, nach neueren Angaben bei Rumohr auch wirklich nicht von Ingegno, sondern von Adone Doni, einem Zeitgenossen des Vasari, wobei es indessen auffallend ist, dass Vasari nichts davon erfahren hat. Fiorillo hat diese Malereien zu Assisi mit den älteren des Perugino im Cambio (Wechslerhalle) zu Perugia verwechselt, und so die Verwirrung der Meinungen und Gegenstände auf das Höchste getrieben. Auch Lanzi erhebt mit grundloser Anmassung den Ingegno, indem seine Bewunderung auf zweifelhaften Annahmen beruht. Luigi soll nach Vasari’s Angabe mit Perugino in der Wechslerhalle zu Perugia sehr schöne Figuren gemalt haben, die dieser indessen nicht nennt. Neuere Kunstkenner glaubten, diese Figuren seien die Sibyllen und Propheten; und wenn er hier wirklich gemalt hat, so begeht Vasari doch einen grossen Fehler in der Zeitrechnung. Der Saal wurde 1500–1507, und die Kapelle 1515 bis 1518 ausgemalt, dieses Alles zu einer Zeit, als Ingegno nicht mehr gemalt haben dürfte, in Folge einer Erblindung, wie Vasari sagt. Nach der Angabe dieses Schriftstellers sollen die grossen Hoffnungen, welche Ingegno erweckt hatte, durch sein plötzliches Erblinden vereitelt worden seyn, worauf Pabst Sixtus IV. ihm zu Assisi ein Jahrgeld angewiesen habe, das er, nach Vasari, bis in sein 86. Jahr bezog. Sixtus starb 1484, und so musste der Künstler um 20 Jahre früher erblindet seyn, als er gemalt und mit Rafael gewetteifert haben soll. Mariotti Lett. pitt. Perug. 161, und Or- sini Guida al forestiere etc. folgen der Angabe Vasari’s in Hinsicht der Erblindung des Künstlers, der also nach ihrer Ansicht in Cambio nicht gemalt haben kann. F. v. Rumohr hat die Sache in näheres Licht gezogen, und gezeigt, dass Vasari von jenem Vorfall nicht genau unterrichtet gewesen seyn muss. So kommt auch in der ersten Ausgabe von 1550 kein Wort von Ingegno vor; erst in der zweiten, vermehrten (Florenz 1568) wird er erwähnt, und nach Rumohr könnte es leicht möglich seyn, dass „papa Sisto“ ein Druckfehler wäre für: papa Giulio II., unter welchem er ein Amt erhielt. Dass Luigi nicht so früh erblindet war, hat Rumohr er- wiesen. Der Ritter Frontini zu Assisi bewahrt ein Buch, worin Luigi für seinen Bruder, welcher Canonicus des Domes zu Assisi
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