Lucas, der Evangelist, ob er ein Maler gewesen und als solcher authentische Bildnisse heiliger Personen auf die Nachwelt gebracht habe, darüber hat sich mancher den Kopf zerbrochen. Die ganze Sache aber fällt durch den unläugbaren Umstand über’n Haufen, dass die ältesten Lehrer des Christenthums und Väter der Kirche den Gebrauch der Bilder in den Kirchen gänzlich untersagten. Auch erwähnt kein Schriftsteller aus den ersten Jahrhunderten bei Be- schreibung der Kirchen etc. der Bilder, und Tertullian sagt sogar, der Teufel habe die Künste der Bildnerei und Malerei in die Welt geführt. Man sieht in Italien noch heute eine Menge Bilder der
donna mit dem Christkind, die alle für Werke des Evangeli-
gten Lucas gelten, und von Griechenland und Constantinopel dahin gekommen sein sollen, ob man gleich zuverlässig weiß, dass man erst zur Zeit der Nestorianer, d. h. im V. Jahrhundert, an-
fangen habe, die Jungfrau Maria mit ihrem Sohne in den Armen
darzustellen. Die hauptsächlichsten Bilder, die man zu Rom als Werke des Evangelisten bezeichnet, sind: in Ara Coeli ein Altargemälde der Mutter Gottes, ohne den Knaben, auf Cypressenholz gemalt; in S. Maria Nuova, einer Kirche, welche Leo IV. um 847 erneuerte, ist ein Marienbild, das dieser Papst dahinbrachte, daher sie seitdem die Neue heißt. In der reichen Kapelle Borghese in S. Maria Maggiore ist ebenfalls ein Madonnenbild, das dem heil. Lucas beigelegt wird, prächtig in Edelsteine gefasst. In S. Agostina ist die Madonna des Hauptaltars eines dieser Bilder, und nach der Eroberung Constantinopels hergebracht. Das lebensgroße Bildnis des Heilandes in der Erorengkapelle (sancta sanctorum) im Lateran, soll vom heil. Lucas angefangen und von Engeln vollendet worden sein: Weiter wird davon gesagt, dass es vom heil. Germanus, Patriarchen zu Constantinopel, vor dem bilderstürmenden Kaiser Leo um 7530 ins Meer geworfen, von selbst nach Rom schwamm, wo es schon Innocenz II. in Silber fassen liess. Niemand darf dieses Allerheiligste betreten, und der Papst selber hier nicht Messe lesen. Zu Grotta Ferrata ist ebenfalls eine Madonna, die dem heil. Lucas zugeschrieben wird, Weltberühmt wurde die Madonna dell’ Imprunetta zu Florenz, die man in früher Zeit ebenfalls dem Evangelisten zuschrieb. Tournefort erwähnt ein Madonnenbild auf dem Berge Libanon als Werk des heil. Lucas, und Fiorillo spricht von einem solchen Madonnenbild in Bologna, mit Opus Lucae cancellārii bezeichnet. In der alten Kapelle zu Regensburg stand ein merkwürdiges Bild, von dem die Tradition sagt, es sei vom Evangelisten Lucas gemalt und vom Papst Benedikt IV., dem Kaiser Heinrich III., Herzog von Bayern, geschenkt worden, der es alsdann um 1012 nach Regensburg gebracht habe. Es wird jetzt in der k. Gallerie zu Schleissheim aufbewahrt. Man findet davon grosse und kleine Kupferstiche. Ein solches Marienbild, in einem prächtigen, mit Edelsteinen verzierten, silbernen Rahmen, ist auch im Dome zu Freising, Herzog Galeazzo von Mailand hat es von einem griechischen Kaiser zum Geschenke erhalten, und Aventin erwähnt auch einer griechischen Bezeichnung desselben. Nach Freising kam das Gemälde durch Bruno de la Scala, dessen Bruder Nicodemus daselbst Bischof war. Letzterer schenkte das Bild 1440 der Kirche S. Hoheneicher im oberbayrischen Archiv, I. 146. Die Augustiner zu Brünn bewahren ebenfalls ein Madonnenbild jener alten Zeit. Der Markgraf Johann schenkte es ihnen 1350.
Es mag wohl noch andere Bilder geben, die der fromme Glaube dem heil. Lucas zuschreibt, allein es ist keines wirklich von ihm gemalt, wenn auch schon Nicephorus ihn als Maler von Bildern Christi, der heil. Jungfrau und der Apostel bezeichnet. Manni suchte 1760 die alte Meinung zu bestreiten, in einer Schrift: Dell’ errore, che persiste d’attribuirsi le pitture al S. Evangelista. Crespi wollte dieses nicht zugeben, und er schrieb dagegen 1776 eine Dissertatio anticritica sopra due lezioni del Manni etc. P. dell’ Aquila ist im Dizionario portatile della Bibbia ebenfalls ein Manni, welchen aber Piacenza unterstützt. Lanzi sagt ebenfalls, dass ausser dem Pöbel jetzt niemand mehr daran glaube, besonders aus den Eingangs angeführten Gründen. Es sind diese Gemälde, in byzantinischer Weise gemalt, teilweise wohl selbst von
einem Griechen, der dann in Italien einen Nachahmer fand. Schon die ungleiche Behandlung der Gemälde lässt darauf schließen. Lanzi führt eine Legende aus dem 14. Jahrhunderte über die Madonna dell’ Imprunata an, wo erzählt wird, dass es ein Werk eines Flo- rentiners Luca sei, der seiner christlichen Tugenden wegen von allen heilig genannt wurde, und die Werke dieses heil. Lucas (Luca: sanctus) erklärte man häufig als jene des Evangelisten. Die- ser Florentiner Luca lebte im 11. Jahrhunderte, und er ist viel- leicht der Verfertiger einiger Bilder in Rom und Bologna, die als Werke des Evangelisten gelten. Einige der angeblichen Bilder des Lucas des Evangelisten haben griechische Kennzeichen, und diese deuten auf griechischen Ursprung. In Griechenland wird das An- sehen eines Einsiedlers Lucas sehr verehrt, und dieser soll einige Madonnenbilder in der rohen griechischen Weise gefertigt haben. Der Einsiedler Lucas musste nun aus Volksirrtum für den Evan- gelisten gelten. Das oben erwähnte Bild auf dem Libanon erklären einige als das Werk eines gleichnamigen frommen und heiligen Mönchs.
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