Louttbourg, Philipp Jakob, Maler und Kupferstecher , geboren zu Strassburg 1728 oder 1730, gest. zu Chiswick 1812. Den ersten Unterricht ertheilte ihm sein uns unbekannter Vater, ein Minia- turmaler, und dann kam er nach Paris zu Casanova, um sich weiter auszubilden. Er machte bald bedeutende Fortschritte, und schon als Jüngling lieferte er Bilder, die man als reife Arbeiten größter Künstler erklärte. Es waren dies Jagdstücke, Schlachten und Landschaften, die in ansehnliche Cabinete übergingen. Im Jahre 1763 nahm ihn die Akademie zu Paris unter die Zahl ihrer Mitglieder auf, später ging er aber nach England , wo bereits sein Ruf gegründet war, den er auch während seines langjährigen Aufenthaltes in England behauptete. Man zählte ihn zu den talentvollsten Künstlern, die es jemals wagten, die Natur im Gros- sen zu copiren. Er war, nach Fiorillo, mit allen zu diesem Fache erforderlichen Anlagen und Talenten, vor allem aber mit einer hohen, comischen Laune begabt, welche seinen Werken auch den Beifall derer erwarb, die für die höhere Schönheit seiner Gemälde keinen Sinn zu haben scheinen, wie der oben erwähnte Schrift- steller meint. Im Jahre 1788 gewann aber sein Geist eine andere Richtung, und jetzt trat der Künstler als Wunderthäter auf, der Kranke und Blinde heilen wollte. Wahrscheinlich geschah es durch Cagliostro, den er zu Biel in der Schweiz traf. Die Charlatanerien jenes Abenteurers verrückten ihm den Kopf, zum Glück aber blieb ihm noch der freie Gebrauch seines Talents. Er malte damals zweimal den Rheinfall, treffliche Bilder, eines mit Mondbeleuchtung. In der Mechel’schen Offizin erschienen zwei grosse Blätter nach jenen Ge- mälden, und davon gibt es auch ausgezeichnete Exemplare. Endlich ging er wieder nach England zurück, und da führte er eine grosse Anzahl von Gemälden aus. Zu den vorzüglichen gehören neben einigen Ansichten auch Schlachtbilder. Er reiste nach den
Loutherbourg, Philipp. — 1740–1814
Niederlanden zur britischen Armee, um allen ihren Bewegungen zu folgen, und auch bei der Schlacht von Valenciennes war er gegenwärtig. Loutherbourg malte den Angriff auf diese Vestung mit allen Details, und das grosse Gemälde wurde in London um Geld gezeigt. Gillray begleitete ihn auf dieser Reise, um die Por- traits der Rangoffiziere zu malen. Bromley hat das Gemälde treff- lich gestochen. Hierauf malte er die grosse Seeschlacht der Eng- länder den ersten Juni 1704, dann machte er sich an die Darstellung der Niederlage der spanischen Armada 1588, und nach Voll- endung dieses Bildes malte er den fürchterlichen Brand in London. Das erstere dieser reichen und effektvollen Gemälde ist in der Gal- lerie des Greenwich-Hospitals, und J. C. Allen hat es 1831 für das Galleriewerk gestochen. Im Jahre 1703 bewunderte man ein Shakes- pearisches Stück: Miranda, wie sie dem von Prospero erregten Unge- witter zusieht. Sie blickt über den Gipfel des Felsens hin, in ban- ker Sorge um das Leben des Unglücklichen, der mit den tobenden Wellen kämpft. In zwei andern Gemälden stellt er die Landung der Engländer in Ägypten dar, und 1801 malte er den Sieg des Admirals Duncan über die holländische Flotte am 11. Okt. 1707. Dieses Bild hat Fittler gestochen. Seine Seeschlachten sind Bilder von ausserordentlicher Bewegung: der wilde Sturm des Meeres, das Feuer der in Brand gerathenen Schiffe, der Dampf, der sich mit den Wellen vermengt. Alles ist trefflich behandelt. Doch auch den Mondschein, den Sonnenuntergang, Landschaften mit felsig- ten Ufern, oder mit Architektur, wusste er meisterhaft zu schildern. Dann konnte er auch eine Figur richtig zeichnen, und für Wahr- heit der Färbung hatte er nicht minder Sinn. Was Byrne und Middiman, Laurent, Pfenninger, Prestel, Philipps, Scorodomoff, Woollet, Morris u. s. w. nach ihm gestochen, ist in den Artikeln der Stecher zu ersehen; wir bemerken nur noch, dass Louther- bourg auch zu dem Eidophysikon, das sich vor 40 Jahre bei dem Publikum grossen Beifall erwarb, Gemälde fertigte. Sie
waren durch die Wirkung des auf ihre durchsichtigen und halb-'
durchsichtigen Flächen hingeworfenen Lichtes, und mittelst dunk- ler und heller Stoffe mehrfacher Abwechslung fähig. Das Diorama ist nach denselben Principien eingerichtet, hat aber das Tageslicht zur Beleuchtung nötig.
Loutherbourg hat auch einige Blätter radirt: .
Der Feldherr schenkt dem Gefangenen die Freiheit: La na- ture fe; mön premier homage. Geätzt und mit Tonplatte, gr. u. fol. ;
Eine aus der Schule der Weiber. Ph. Jac. Loutherbourg inv. et sc., gr. 8. ;
Die vier Tagszeiten, durch Landschaften dargestellt, mit Unterschrift: Le Matin, le Midi, le Soir, la Nuit. ‚Des- sine et gravé par P. J. Loutherbourg, qu. 4..
La bonne petite soeur, Loutherbourg inv. et sculp., kl. fol. ;
Tranquillité champêtre. Id. inv. et sculp., kl. fol. Diese zwei Hauptblätter, mit Hirten bei Vichy, sind im ersten Drucke vor Martmet’s Adresse. .
Exposition des tableaux, 1776 radirt..
Die Liebesaffaire im Zimmer eines Podagristen, ohne Namen.
Les travaux rustiques. Loutherbourg fecit, fol. Selten, bei Weigel 1 Thl. ;
Ansicht am Ufer des Meeres, vorn ein Mann zu Pferde, OVAl. ;
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