Lotto, Lorenzo, Maler, über welchen die Nachrichten von bis 1554 reichen. Die Angaben über den Geburtsort und die Lehr- zeit dieses Künstlers sind verschieden. Vasari und Andere lassen ihn zu Bergamo geboren werden, und sie nennen ihn auch nach dem Ortsnamen. Beltramelli fand einen öffentlichen Vertrag, in welchem sich der Künstler M. Laurentius Lottus de Venetiis nunc habitator Bergami nennt. Fedretici fand in einer Chronik den Lotto als Trevisaner ausgegeben, und auch in einer anderen Ur- kunde heißt es: D. Laurentii Lotti pictoris et de presenti Tarvisii commorantis. P. Affo fand ihn auf einem seiner Bilder Tarvisinus genannt, und so könnte man glauben, der Künstler sei aus Tre- vigi; vorausgesetzt, dass die Taschrift echt ist. Allein er nennt sich selbst de Venetiis, und so ist wohl Venedig sein Geburtsort, und zu Bergamo und in Trevigi hielt er sich nur längere Zeit auf. In Loretto soll er gestorben sein, in hohem Alter. '
Sein Meister ist auch nicht ganz sicher zu bestimmen. Einige nennen den Johann Bellini, andere den Palma Vecchio, einer der neuern Herausgeber des Vasari hält ihn nach der Anmuth der Ge- sichter und dem Augenwurf für einen Schüler da Vinci’s, und auch Lanzi möchte dieser Meinung beitreten, da Lomazzo ebenfalls den Lotto unter Leonardo’s Schüler zählt. Lanzi glaubt, Lotto habe Mailand ’s Nähe benützt, Vinci kennen zu lernen, und ihn in eini- gen Stücken nachzuahmen, er widerspricht aber auch der Ge- schichte nicht, die ihn zu Bellini’s Schüler und Castelfranco’s Nacheiferer macht. Der Styl der Lionardisten erscheint bei Lotto nur hie und da; im Ganzen, fährt Lanzi fort, ist er Venediger, stark in den Tinten, pflichtvoll in den Anzügen, blutroth im Fleisch, wie Giorgione. Doch ist sein Pinsel minder frei, als der des Giorgione, dessen Grossheit er durch das Spiel von Halbtinten abdämpft; auch wählte er schlankere Formen, und den Köpfen verlieh er mehr Ruhe und Idealschönheit. Es ist ihm eigenthüm- liche Feinheit der Köpfe und des Tons zuzusprechen. Dann hält ihn Lanzi auch für den ersten und sinnreichsten in Erfindung neuer Motive zu Altarbildern, und als höchst wunderliche und eigenthümliche Compositionen erklärt er die Gemälde des heil. Antonin bei den Dominikanern zu Venedig, und des heil. Nikolas Jaus bei den Carmelitern, dessen Gedanken er im heil. Vincenz der Dominikaner zu Recanati wieder aufnahm. Anderwärts geht
er von dem gewöhnlichen Styl einer Madonna auf dem Throne mit Heiligen umgeben, Engeln in der Luft, oder auf den Stufen nicht sehr ab; aber er hat, nach Lanzi’s Ansicht, immer neues Aussichten, Geberden oder Gegenstellungen. So gibt er in dem
so Lotz, Eduard. — Lotze, Moriz Eduard.
Gemälde zu S. Bartolomeo in Bergamo, welches Ridolfi bewundernswerth nennt, der heil. Jungfrau und dem Kinde verschiedene Bewegungen, nach entgegengesetzten Seiten, als sprächen sie mit den $€?igen‚ welche zur Rechten und Linken stehen. Auf der anderen, ganz holdseligen zu S. Spirito lässt er am Fuss des Thrones den Knaben Johannes das Lämmchen umfassen, voll Einfalt und Unschuld, wie es, nach Lanzi, selbst Rafael und Correggio nicht besser hätten machen können. Diese seine Meisterwerke und andere in den Kirchen und Sammlungen zu Bergamo stellen ihn, wie Lanzi behauptet, neben die ersten Lichter der Kunst, und wenn er bei Vasari weniger bedeutend auftritt, so liegt dies daran, dass der Geschichtschreiber weniger durchdachte und minder grosse Bilder von ihm sah. KLotto hat auch nicht immer dieselbe Kraft und Zeichnung. Seine beste Zeit scheint mit 1513 zu beginnen, wo er unter vielen namhaften Künstlern in Bergamo gewählt wurde, das Bild bei den Dominikanern zu malen, und sein Verfall soll nach 1546 angehen. Auch in Ancona malte er, und viel in Recanati ‚bei den Dominikanern, wo mitten unter Meisterwerken, besonders in kleinen Gemälden, manche Nachlässigkeit in den Extremitäten und einige Trockenheit, nach Art Bellini’s sichtbar ist, mögen es nun seine ersten Arbeiten gewesen seyn, wie Vasari glaubt, oder vielmehr seine letzten, wie Lanzi meint, weil der Künstler, als älter wurde, gern nach Loreto bei Recanati ging, um dort zu beten.
Auch in auswärtigen Gallerien sind Bilder von Lotto; in der k. Pinakothek zu München eine liebliche Darstellung der Vermählung der h. Catharina, im kön. Museum zu Berlin sind einige interessante Beispiele für die verschiedenen Richtungen des Künstlers, und diese zählt Dr. Kugler (Besch. d. Gallerie 113) auf. Das eine dieser Gemälde, der Abschied Christi von seiner Mutter, mit dem Namen und der Jahrzahl 1521, folgt, nach Kugler, vorzugsweise den Motiven der mailändischen Schule, denen sich indess in der Farbenstimmung bereits ein gewisses venetianisches Element bei mischt. Ein zweites, mit dem Namen und 1531 bezeichnet, enthält in zwei Abtheilungen die beiden Heiligen Sebastian und Christophorus. Dieses Bild ist ganz in der Art der neueren venetianischen Schule in dem eigenthümlichen Ton der Farbe auf Giorgione hindeutend. Dem venetianischen Charakter entsprechend ist auch das eigene Bildniss des Künstlers. Die Köpfe zweier Heiligen, und auch die obigen sind nicht durchaus meisterlich. Das Bildniss des Künstlers mit Frau und zwei Kindern am Tische, in der Feinheit der Auffassung eines seiner besten Gemälde, ist auch bei Eduard Solly in London. Ehedem war es in der Sammlung des Lucian Bonaparte,
Gestochen ist wenig nach diesem Künstler; das wunderschöne Bild der Geburt des Heilandes, für Thomas von Empoli gemalt, in dem Werke: Variarum imaginum a celeberrimis artificibus pictarum caclaturae elegantissimis tabulis repraesentatae. Er selbst soll ein Blatt mit der Madonna und einigen Heiligen radirt haben. Es ist selten.
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_eMM-AAAAcAAJ/