Lorrain, Robert le

Lorrain, Robert le, Bildhauer, von Paris gebürtig, erlernte die Anfangsgründe der Kunst bei le Mosnier, und mit seinem 18. Jahre hatte er bereits solche Fertigkeit erlangt, dass er sich in Girardon’s Atelier wagen konnte. Dieser fasste auch bald solches Zutrauen, dass er ihm die eigenen Söhne zum Unterricht anvertraute, und durch Lebrun erhielt er eine königliche Pension. Im Jahre 1689 gewann er den ersten Preis, und nun wurde ihm auch Gelegenheit zu Teil, in Rom seine Studien fortzusetzen. Hier studierte er mit solchem Eifer nach der Antike und nach den Meisterwerken der Malerei , dass er sich fast eine Schwindsucht auf den Hals zog. Innocenz XI. unterhielt sich oft mit ihm, und schätzte die richtigen Ansichten des Künstlers. Le Lorrain kehrte 1695 nach Paris zurück, fand aber anfänglich wenig Beschäftigung, und einige Zeit war die Statue der Andromeda, welche in Erz gegossen wurde, seine einzige Arbeit. Im Jahre 1701 öffnete ihm seine schöne Statue der Galatee die Thore der Akademie, und zuletzt (1717) wurde er auch Professor an derselben. Bald nach seiner Aufnahme meißelte er für die Cascade zu Marly eine Statue des Fauns, und hierauf verzierte er das Landhaus des Cardinals Rohan in Saverne , so wie dessen bischöflichen Palast in Straßburg mit Bildwerken. Noch vor der Vollendung des letzteren, im Jahre 1753, berührte ihn der Schlag, und er musste nach Paris zurückkehren. Hier trug man ihm die Stelle eines Direktors der französischen Akademie in Rom an, auch mit Thierry jene eines k. spanischen Bildhauers; allein er glaubte, dass weder welches noch spanisches Klima ihm zuträglich sei, und, selten zu hören, er fürchtete die Gefahren grossen Reichthums. Le Lorrain war sehr bescheiden, buhlte nicht nach Hofgunst, und häufiger sah man Werke seiner Hand, als den Künstler. Im Jahre 1743 starb er endlich, 77 Jahre alt.

D’Argensville verbreitet sich ausführlich über die Verdienste dieses Künstlers. Weibliche Gestalten und junge Leute gelangen ihm vorzüglich; Alles, was aus seiner Hand kam, war gelehrt gezeichnet, vortrefflich ausgeführt, von geistvollem Ausdrucke. Für’s Graziöse war er, was Girardon für das Edle und Grosse, und Le Moine sagte öfter, dass Correggio und Parmesano seinen Meißel geführt haben. Man weiss indessen, wie sehr damals die Principien der Plastik misskannt wurden; dass man im Steine zu malen suchte. Le Lorrain war jedoch einer der besten Bildhauer jener Zeit. Nach D’Argensville unterscheiden sich seine Compositions vor vielen anderen durch Genie, Enthusiasmus und durch gefällige Wirkung. Er liebte in Gruppen die pyramidale Anordnung. Die Anatomie hatte er genau studirt und in der Zeichnung nennt man ihn Meister. Seine Extremitäten sind genau angegeben, so wie die Übergänge in den Fleischpartien. In den Falten

wusste er stets den Stoff anzudeuten. Einzig warf man ihm eine
allzugroße Vollendung vor, weil er dadurch oft der Lebendigkeit
der Darstellung schadete. In der letzteren Zeit seines Lebens zog
er die Natur nicht mehr zu Rate. Die Anzahl seiner Werke war
bedeutend, viele aber gingen durch Änderungslust, und namentlich
in der Revolution zu Grunde. Zu seinen Hauptwerken zählte
man das Grabmahl des Hauses de Laigue in St. Germain, ein Bas-
relief in der Kapelle des Königs zu Versailles, das große Crucifix
in der Kapelle von Bourg-Fontaine, die Statuen der vier Jahres-
zeiten am Palaste Soubise, die colossalen Köpfe der Propheten
und Prophetinnen, so wie die Statuen der Religion und der Güte
an der Fassade des bischöflichen Palastes zu Straßburg, eine Ma-
donna in der Pfarrkirche zu Marly, den Bacchus im Garten zu
Versailles etc. Für die schönsten Arbeiten erklärte man jene am Land-
hause des Cardinals, die 1770 durch Brand zu Grunde gingen.

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