Lorenzo, Ambrogio u. Pietro di

Lorenzo, Ambrogio u. Pietro di, oder di Lorenzetto, der letztere auch Pietro Laurati genannt, Maler zu Siena .

Diese Künstler, deren Vater in den Urkunden und Aufschriften bald Lorenzo, bald wiederum Lorenzetto genannt wird, sind dem Ansehen nach Brüder; denn in einer Aufschrift eines 1720 zerstörten Bildes am Spital zu Siena war vormals nach Pecci zu lesen:

» hoc opus fecit Petrus Laurentii et Ambrosius ejus frater. Vasari

hat aus Unkunde der Sitten jener Zeit, in welcher die Geschlechtsnamen noch selten und nur in den größeren Familien üblich waren, das Diminutiv Lorenzetto für einen Geschlechtsnamen gehalten, welchen er indess nur dem Ambrogio beilegt. Den Pietro

nennt er Laurati, ein Name, der seine Entstehung wahrscheinlich

irgend einer falsch gelesenen Aufschrift verdankt. Indessen ist Alles, was man in dieser Beziehung dem Vasari einwenden könnte,

längst schon in größter Breite erörtert worden. S. della Valle, Lettere Senesi II, pag. 205, 208, 210 und Lanzi Geschichte der Mal-

lerei I. 273 deutsche Ausgabe, und die weitere Ausdehnung dieses
Artikels verdanken wir vorzüglich Rumohr’s ital. Forschungen 11.
— 120, so wie der deutschen Bearbeitung des Vasari durch L.
chorn, von welcher bisher leider nur zwei Bände erschienen
sind.

Von den Werken der beiden Lorenzetti haben sich verschiedene
bis auf unsere Tage erhalten, doch ist leider das Hauptwerk des
Ambruogio im Kloster der Minoriten zu Siena untergegangen,
welches dem Ghiberti, der den Ambruogio einen ausgezeichneten
Meister nennt, zu einer längeren Beschreibung Stoff gab, ihn zu
grösserer Lebhaftigkeit hinriss, als ihm gewöhnlich war. Der Ge-
genstand des Gemäldes war folgender: Ein Jüngling beschließt
Mönch zu werden, kommt mit andern Brüdern nach Asien, um
den Sarazenen den christlichen Glauben zu predigen, wird aber
dort auf Befehl des Sultan mit Ruthen gehauen und an einem Baume
aufgeknüpft. Als hierauf das gaffende Volk den hängenden Mönch
wunderbarer Weise dennoch predigen hörte, befahl der Sultan,
die Brüder zu enthaupten. Während eine Menge Menschen den
Richtplatz umgibt, erhebt sich ein düsteres Ungewitter; Himmel
und Erde droht der Einsturz, der Hagel fällt herab, Bäume spal-
ten sich, die Flucht ist allgemein, der Scharfrichter wird von sei-
nem eigenen Pferde erschlagen. Dieser Wunder willen liess sich
viel Volk taufen. Als Malerei betrachtet, fügt Ghiberti hinzu,
scheint mir diese Darstellung wahrhaft bewundernswerth zu seyn,
und Vasari sagt, dass Ambruogio in diesem Bilde mit vielem Ge-
schick das Verdunkeln der Luft und den Kampf der Menschen
gegen die Gewalt des Regens und der Winde dargestellt, und in
dieser Art den neueren Meistern zum Muster gedient habe,

Ein anderes, der Richtung nach dem obigen nahe verwandtes,
Gemälde an einer Seitenwand der Salla delle balestre, im öffentli-
chen Palast zu Siena, bestätigt das günstige Urtheil des Ghi-
berti, indem es auch unseren in Bezug auf sinnliche Wahrschein-
lichkeit verwöhnteren Augen viel Leben und Ausdruck zu besitzen
scheint. Der Künstler hat darin das städtische und ländliche Le-
ben schildern wollen. Die Hälfte des Bildes nimmt eine innere
Ansicht der malerischen Stadt Siena ein, in welcher die Gebäude
gut charakterisiert, die Strassen und Plätze mit lebendigen Figuren
erfüllt sind. Ausser dem Thore sieht man eine reich angebaute
Landschaft und Ritter und Damen zu Pferde. Dieses Bild gehört
zu den frühesten Versuchen, Feld und Wald und Anbau darzu-
stellen. Die anderen Wände dieses Saales enthalten allegorische
Malereien, die beinahe zerstört sind. Am Saume des Bildes hat
der Künstler seinen Namen angebracht, wie folgt:

Ambrosius Laurentii de Senis hic pinxit utrinque.

Von den verschiedenen Tafeln dieses Meisters, deren Ghiberti
mit Lob erwähnt, erhielt sich zu Siena nur eine einzige,
sehr verstümmelte, in einem Raum der ArmenSchule (scuole regie). Das
Hauptbild enthält die Vorstellung im Tempel und hat die Auf-
schrift:

Ambrosius Laurentii de Senis fecit hoc opus anno dom. 1342.

Eine Altarstaffel mit allegorischer Darstellung des Weltgerichtes,
das Rumohr auf der Treppe desselben Gebäudes sah, scheint mit
dem vorhergehenden in neuester Zeit eine andere Stelle erhalten
zu haben, indem reisende Kunstforscher dieselbe nicht mehr fanden,

Im Dome zu Siena sind an der Treppe der Sacristei noch einige
kleine Bilder aus dem Leben Jesu, die dem Ambruogio zuge-

° Kreuzerfindung vom

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