Loos, Daniel und Friedrich — berühmte Stempelschneider, Vater und Sohn. Daniel, der Vater , wurde 1735 zu Altenburg geboren, und daselbst ertheilte ihm Stieler Unterricht in den Anfangs-
ünden seiner Kunst. Allein Stieler gab ihm wenig Vorschub, da 532e Kunst im Allgemeinen damals so sehr gesunken war, dass sie kaum mehr eine Stelle in der Reihe der Künste einnahm. Loos musste daher sich selbst zum praktischen Stempelschneider bilden, und es war auch sein unablässiges Streben, der Kunst, welcher er huldigte, den ihr gebührenden Rang wieder zu erringen. An- fangs allein, dann in Gesellschaft seines mit nicht minderem Ta-
Jente ausgerüsteten Sohnes Friedrich, dann mit Unterstützung an-
derer ausgezeichneter Meister, z. B. eines Döll und mehrerer der
besten seiner Kunstgenossen, endlich auch mit Hülfe ‘geschickter, jüngerer Künstler , welche theils seine Zöglinge waren, theils un- ter seiner Leitung arbeiteten, strebte er unablässig, diess Ziel fest
im Auge habend, es auch zu erreichen, und dass er nicht verge-
bens gestrebt, bezeugen seine Werke und der durch sie neu ‚Eo-
lebte äeschmack an eıner Gattung von Kunstwerken, welcher durch ihre schönsten Produkte im klassischen Alterthum seit Wiederher- stellung der Künste und Wissenschaften sich die Achtung und
Werthschätzung aller Freunde der Künste in allen Ständen erwor-
ben hatte. Wenn es auch dem thätigen Manne nicht gelungen,
das vorgesteckte Ziel ganz zu erreichen, so bleibt ihm doch das unbestreitbar grosse Verdienst, die Bahn gebrochen zu haben, auch durch Stiftung und Vervollkommnung seiner mit weithin ausgebrei- tetem Handel verbundenen Anstalt. Wollte man es ihm zum Vor- wurf machen, dass nur wenige der von ihm selbst oder in seiner
Werkstatt von andern geschnittenen Denkmünzen dem reinen an-
tiken Styl entsprechen, so muss man nicht vergessen, dass zu der
Zeit, als Daniel Loos sich die erste Bildung gab, die mehr ma-
jerische als plastische Manier Hedlinger’s allgemein als das Höchste
in der Stempelschneidekunst galt, und dass es ihm um desto schwie-
riger werden musste, diess Vorbild zu verlassen, da es noch nicht an Bewunderern der bis zur höchsten Vollendung getriebenen
Kunst des schwedischen Meisters fehlt. Eben so wenig darf es
auch übersehen werden, dass es nothwendige Bedingung zur Er-
reichung seines Zweckes war, nur schrittweise zu Werke zu gehen, um nicht die Gewohnheit der Menge durch einen entschieden aus- gesprochenen Gegensatz zu sechr zu stören. Er musste dem Ge- schmack der Zeit anfänglich zu folgen scheinen, sollte es ihm an- ders gelingen, zu dessen Bildung für seine bessere Kunst beizu- tragen. Endlich kann man auch den Stempelschneider selbst und den Unternehmer eines solchen Instituts nicht nach Allem und Je- dem richtig beurtheilen, was von ihm oder, unter seiner Leitung, gearbeitet erschienen ist; denn er arbeitet gar nicht immer nach eı- gener und freier Wahl, sondern oft und vielfältig auf Bestellung und nach streng vorgeschriebenen Ideen. Dem Künstler kann da- her bei bestellten Denkmünzen nur die Ausführung, nicht aber die Idee und Anordnung zum Lobe oder Tadel gereichen. Erfreu- licher gestaltete sich die Anstalt nach Daniel’s Tod. Ein zweiter Sohn des Verstorbenen, der k. Münzrath und General-Münzwardein Loos, zwar nicht ausübender Stempelschneider, aber mit allen Erforder- nissen zur verständigen und kräftigen Führung eines solchen Ge-
schäftes versehen, setzte das ganze Institut nicht nur bloß im Geiste
des verdienstvollen Vaters fort, sondern bietet Alles auf, um ihm
durch zweckmässige Umgestaltung und Ausdehnung noch mehr
Nützlichkeit und Vollkommenheit zu gewähren. Der Vater Daniel
Loos, Daniel und Friedrich.
Loos liess mehreniheils nur in eigener Werkstätte arbeiten, der Sohn aber gründete eine Anstalt für alle deutsche Stempelschneider und Bildgraber, welche sich Geschicklichkeit genug zutrauen, als Meister in ihrer Kunst aufzutreten, denen es aber an Gelegenheit zur Ausprägung ihrer Arbeiten fehlt, und seine Anstalt — eine vollständige Einrichtung zum Medaillen-Prägen — unter billigen Bedingungen dazu benutzen wollen. Die Arbeiten, die aus dieser Anstalt hervorgehen, sind ausgezeichnet, und bezeichnen den ho- hen Stand, den die Stempelschneidekunst in unsern Tagen gewon- nen hat.
Loos sen. kam schon 1756 in k. preussische Dienste, und in den ersten 11 Jahren stand er bei der Münze in Magdeburg. Da- mals fertigte er alle Münzstempel mit dem Bildnisse des Königs. Später wurde er erster Medailleur bei der Hauptmünze und k. Hof- medailleur zu Berlin, als welcher er 1818 starb. Sein Sohn Frie- drich überlebte ihn nicht lange.
Diese beiden Künstler lieferten eine bedeutende Anzahl von Denk- münzen, von denen wir folgende angegeben fanden:
- Medaille auf den Teschner Frieden 1770.
- Jubelmedaille des medicinischen Obercollegiums 1780.
- Denkmünze auf den k. dänischen Staatsminister Grafen vom Bernstorf, 17090, von Loos jun.
- Denkmünze auf die Huldigung der 1802 neu erworbenen Länder.
- Denkmünze zum Geschenk an Frauen,
- Eine solche für getreue Dienste,
- Eine andere auf eheliches Glück.
- Medaille für Verdienst jeder Art,
- Jubeldenkmünze auf den Stiftungstag des preussischen Ge- heimen Staatsraths,
- Medaille des Fischer’schen Institutes zu Riga.
- Preismedaille der Universität Göttingen.
- Preismedaille der Akademie der Wissenschaften zu Berlin, von Loos jun.
- Medaille mit dem Bildnisse des Königs und der Königin, von Loos jun.;
- Medaille mit dem Bildnisse des Grafen von Finkenstein, von Loos jun.;
- Die Tarnowitzer Medaille, von Loos jun.
- Das Bildnis des Predigers Zornickel in Hamburg, von Loos jun.
- Medaille auf den Grafen von Solms-Tecklenburg, von Loos jun.
- Denkmünze auf die Anwesenheit des Dr. Gall in Berlin,
- Medaille auf die 1805 erfolgte Rückkehr des Alexander von Humboldt, mit dessen Bildnis und dem Novi Orbis Demo- critus im Revers.
- Rettungsmedaille mit dem Brustbild des Königs, und mit ei- nem mit dem Schilde bewaffneten Arm.
- Die kleine akademische Medaille mit dem Brustbild des Kö- nigs, und einem über das Akademie-Gebäude schwebenden Adler.
- Prämienjetton, welches den mit Schutzblattern geimpften Kin- dern ausgeteilt wurde.
- Die Medaille auf den Syndicus Herrmann von Post, mit dessen Bildnis.
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