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doch der Meister selbst noch in einem andern zweiten Blatte in dieser Manier übertroffen, welches er nach einem Gemälde aus Rembrandt’s Schule gestochen hat: das Portrait eines unbekann- ten Mannes vorstellend, in vornehmer Kleidung, mit kurz ver- schnittenen Haaren und Bart, ein Buch in der linken und einen Stock in der rechten Hand haltend. Ferner gehört hieher Enrico Dandolo nach Teodoro Matteini. Dieser Stich scheint, aus eini- ger Entfernung betrachtet, ein wirkliches Gemälde zu seyn. Seine
Vision des Hesekiel nach Raphael ist ein erstaunungswürdiges Mei- sterstück in Bezug auf gestaltendes Hervortreten der Formen, und wie L. in der Magdalena die Wirkung der verschiedenen Far- ben der Malerei auszudrücken strebte, und dabei gezeigt, wie der Kupferstecher es in dieser Art von Aufgaben treiben und dem Unerreichbaren sich nähern kann, so hat er im Hesekiel auch diese Aufgabe, den Gehalt eines Kunstwerkes ganz in die Form zu legen, und den Schein von Schraffiren hervorzubringen, gelöst. Die schwierigste Aufgabe hatte er in der Darstellung der Vermäh- lung der Jungfrau nach Rafael (sposalizzio). Jener heiteren Harmonie von Licht und Farben, mit welcher der Maler uns en- tückt, kann der Stecher nur die einfachste Behandlung und grösste Harmonie in den Strichlagen gegenüberstellen, welche aber eben dar- um Wohlgefallen ohne Staunen erregen wird. In den Formen muss er das tiefe, in Gestalten sich verkündende Leben auffassen, und in seelenvoller, vollständiger Zeichnung wiedergeben, und auf alle Teile gleich aufmerksame, gleich liebevolle Behandlung ver- wenden. Dieses hat Longhi auch in seinem Stiche gethan und zu- gleich die schwierige Aufgabe gelöst; er hat aber den Dank nicht
erworben, den diese Arbeit verdient. Noch sind besonders zu nennen: das Bildnis des M. Angelo Buonarotti, worin der Ste- cher die grösste Gewandtheit und Kraft der Nadel bei grosser Zart- heit zeigt, so dass es an der Seite der Edelink, Nanteuil, Masson aufgestellt zu werden verdient; die hl. Familie nach Rafael, ähn- lich derjenigen, welche der Meister für Adrian Gouffier malte, von schönem Totaleffekte; die Enthauptung Johannes des Täufers nach G. Honthorst; mehrere andere Blätter nach Rembrandt und seiner Schule; die heil. Jungfrau mit dem Kinde und St. Johannes; die Bildnisse von Eugen Beauharnais, Washington, Lady Burghers, Andreas Appiani, Giov. Battista, seines Bruders, und das des ver- storbenen Kaisers von Österreich. Ferner stach er einige Basrelief- gemälde von Appiani; den Triumph des Scipio nach Pierin del Vaga; eine Ruhe in Ägypten nach Procaccini; einen Pan und Sy- rinx von eigener Composition. Die Platte der Rafael’schen Ma- donna del Velo hinterliess er unvollendet; Cav. Toschi hat sie 1834 ausgemacht. In jüngerer Zeit beschäftigte ihn auch der Stich des jüngsten Gerichtes von M. Angelo nach einer trefflichen Zeichnung des römischen Malers Minardi.
Ausser einigen Gedichten gab er auch eine Abhandlung in der Akademie der Künste über die Vorurtheile der Maler heraus; eine andere über das Schöne, das Leben des M. Angelo, ein Lobrede auf Appiani und den theoretischen Teil einer Abhandlung über die Kupferstecherkunst: La calcografia da G. Longhi, welche C. Barth ins Deutsche übersetzte, unter dem Titel: Die Kupferstecherei oder die Kunst in Kupfer zu stechen oder zu ätzen, von G. Longhi und C. Barth. 2 Thle. Hildburghausen u. Meiningen 1837–38. Der erste Theil des italienischen Werkes erschien 1830 zu Mailand.
Im Kunstblatte von Dr. Schorn sind Nachrichten über diesen Künstler, sowie über seine Leistungen.
Longhi, Giuseppe.
Auch in verschiedenen anderen Blättern sind Anzeigen seiner Werke, Biographien und Nekrologe. Eine Lebensbeschreibung in italienischer Sprache findet man im Anhange der erwähnten Cal- cografia, unter dem Titel: Notizie biografiche di G. Longhi, rac- colte da F. Longhena. Dabei ist auch das Bildnis des Künstlers, en medaillon, von P. Anderloni gestochen. Ein anderes Bildnis des Künstlers ist in der bekannten Portraitsammlung des Hofmalers C. Vogel in Dresden, 1826 von Jesi in Mailand gezeichnet. Ein Verzeichnis seiner Werke, mit der Biographie des Künstlers, ist in folgendem Werke: Biographia di G. Longhi. Con un cenno dei funerali celeb. ed il catalogo delle sue incisioni scritta da Defen- dente Sacchi. Milano 1831.
Napoleon, als König von Italien (1807), fol.
Prinz Eugen, Vicekönig von Italien, ganze Figur, ein Haupt- blatt des Künstlers (1814), fol. Selten,
Giovanni Longhi, Bruder des Künstlers (1814), kl. fol.
?;org Washington, für die Serie de’ cento illustri etc.
Michel Angelo Buonarotti,
Der Doge Enrico Dandolo.
1815 für die Serie degli illustri Italiani gestochen; selten.
Kaiser Franz I. von Österreich, Brustbild, nach N. Schia- vone (1814), kl. fol.
Baron Bruderen, ungarischer Offizier, 1808 nach dem Le- ben gezeichnet, kl. fol. Sehr selten im Abdruck mit Far- ben; bei Weigel 3 Thl. 8 gr.
Benignus Bossuet, nach revet (1810)
Ludwig XIV., nach BerW® (1810).
Kaiser Napoleon, für die Serie Bettoniana (1812).
Lady Burghers und ihr Sohn: Les delices maternelles, nach Th. Lawrence (1822).
G. C. di Negro, Patrizio Genovese (1822), 4.
Andrea Appiani (1826).
Napoleon Buonaparte als General, fol.
Das Bildnis Rembrandt’s: Ex Archetypo in aedibus Corsiniis, nach Rembrandt, gr. 4.
Ein anderes Bildnis dieses Mannes, und nach ihm, 4.
Professor Salsi (1700).
Carlo Portia, kl. fol.
Bildnis eines Türken, nach Rembrandt, kl. fol.
Brustbild eines Mohren, nach Rubens, kl. fol.
Brustbild eines bärtigen Alten, nach Rembrandt: Tabula extat Mediolani apud F. Gavazzini. Oval fol. (1800).
Bildnis eines Ungenannten mit dem Buche in der Hand, nach Rembrandt (%), fol. Das Gegenstück zum Borgomastro Olandese.
Abbate Pellegrini (1795).
Borgomastro Olandese, nach Rembrandt (1807), fol.
Kopf eines bärtigen Alten, nach Rembrandt, kl. fol.
Kopf eines bärtigen Alten, nach G. Longhi, 4.
Kopf eines Alten mit der Tabakspfeife, 4.
Kopf einer alten Frau (1808), 4. Beide nach Longhi’s eige- ner Zeichnung,
Kopf des Sokrates, nach Bossi (1808), 4.
Die Vermählung der heiligen Jungfrau, lo Sposalizio di Ra- faelo, ein großes Blatt, dessen Stich Longhi 1808 begann.
doch erst von 1818 — 20 vollendete, als Gegenstück zu R. Morghen’s Transfiguration.
Der Preis dieses Blattes ist sehr hoch; im vollendeten Probedruck vor aller Schrift kostet es 200 Thaler, in Abdrücken vor der Schrift 150 Thl., im Drucke mit Num- mern aus dem ersten Hunderte 115 Thl., in seltenen Abdrü- cken mit Nummern aus dem zweiten Hunderte 100 Thl., in schönen Abdrücken ohne Nummern 57 Thl. Die späteren Abdrücke sind retouchiert, schon im zweiten Hunderte. In der Mappes’schen Auktion zu Frankfurt am Main wurde ein Abdruck a. J. auf chinesischem Papier um 253 f. 15 kr. er- worben. Bei Weigel ein Abdruck vor der Retouche mit der No. 100 112 Thl.
La Madonna del Lago: Maria mit dem Kinde auf dem Schoß liebkoset den vor ihr knienden Johannes, schöne Composition von L. da Vinci und M. d’Oggione, 1825. Hauptblatt, fol.
Heil. Familie mit fünf Figuren, das Kind Jesus auf der Mut- ter Schoß, den Johannes segnend, links Joseph zu einer Tür eintretend: Ego mitto te aperire oculos etc., nach Ra- fael, 1827. Ein Hauptblatt des Stechers, fol. Pränumera- tionspreis vor der Schrift 140 Fr., mit der Schrift 70 Fr. Bei Weigel 18 Thl.
Galathea auf der Muschel durch das Meer segelnd, nach F. Alban’s Bild in der Sammlung des Stechers, 1813. Haupt- blatt, gr. fol. Selten im Drucke, wo der Oberleib und die Füße noch nicht vollendet sind.
Crespil. Longhi besass das Original. Ein vorzügliches Blatt, fol.
Büste der Madonna: Mater gulehrae dilectionis, nach C. Dolce, Vorzügliches Blatt, fol.
Pan und Syrinx nach dem Flusse eilend, worin die Najade verwandelt wird; Ratto insigne il Dio capripede etc., nach eigener Erfindung, qu. fol.
Il riposo in Egitto, nach C. Procaccini, 1803. Das Gegen- stück zur Santa Famiglia, von C. Hess nach Rafael gesto- chen, 4. Bei Weigel 3 Thl.
La Madonna del velo, nach Rafael’s Bild in der Familie Brocca zu Mailand und der Zeichnung von V. Raggio. Letzte Platte des Meisters, 1834 von Cav. Toschi vollendet, fol. Vor der Schrift 26 Thl. 6 gr., mit der Schrift 13 Thl. 8 gr.
Die Vision des Ezechiel, nach Rafael, 1803. Musce Napo- leon. Selten. P. Anderloni hat dieses Blatt unter Longhi’s Leitung umgekehrt copirt.
Die Enthauptung des Johannes, nach G. delle Notti. Ge- genstück zu D. Crespi’s Grablegung (1807).
La Maddalena del Correggio, nach Correggio’s schönem Bilde in der Dresdner Gallerie (1800), qu. fol. Dieses Blatt kostete vor ungefähr 12 Jahren 10 Thl., jetzt zahlt man es mit 60 Thl. In der Mappes’schen Auktion ging es um 70£. 5 kr. weg.
St. Johannes mit dem Jesuskinde auf dem Arme, nach G.
Der Genius der Musik, mit vier Versen: Il genio della Mu- sicla vince perfin Cupidon etc., nach Guido Reni (1794), qu. fol.
Die Grablegung Christi, sehr schöne Composition von D.
Der heil. Hieronymus, Halbfigur, nach D. Crespi, kl. fol. ) Der Triumph des Scipio, nach A. Matteini (1801).
Filosofo in contemplazione, nach Rembrandt, qu. fol.
Filosofo in meditatione, nach demselben, Gegenstück.
Der gute Samariter, nach Rembrandt (1808), Mus. Napol.
Die Verkündigung an die Hirten, nach G. Flínk (1808), Mus. Nap. ‚ '
Napoleon in der Bataille d’Arcole, nach Baron Gros, gr. ol.
— 57) Der Triumph Napoleon’s, in 6 Blättern, nach Appiani’s Chiaroscuren (1806 — 7).
Das jüngste Gericht, nach Michel Angelo, 1827 angefangen, aber unvollendet. Die Platte ist 34 Zoll hoch und 32 breit, und so weit vorgerückt, dass man Abdrücke machen konnte.
Eine Platte mit 30 verschiedenen Köpfen, unvollendet, 1830.
Von ihm, F. Rosaspina u. a. sind auch die 6 Kupfer in dem Werk: _Del Cenacolo di Leonardo da Vinci, libri IV. di G. B. B. Stamp. per cura di L. Nardini. Milano 1810, roy. 4.
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