Lm5."’ Joh. Peter von, Historienmaler

Lm5."’ Joh. Peter von, Historienmaler , Direktor der Akademie der

ilden Künste zu München , geb. zu Calcum 1756, gest. 1824

Dieser verdienstvolle Künstler begann seine Studien unter Direktor Krahe auf der Akademie zu Düsseldorf . Die herrlichen Vorbilder in jener berühmten Galerie, der rege Geistesverkehr unter bedeutenden Männern, die jene Gegend bewohnten, — mussten notwendig tief einwirken auf den so ausgezeichnet begabten und der Erforschung des Schönen so unbefangen nachstrebenden Künstlers. Er ragte daher bald aus seinen Umgebungen hervor, und dem Verdienste ward der gebührende Lohn. Schon im Jahre 1784 wurde Langer zum Professor , und fünf Jahre später zum Direktor der Düsseldorfer Akademie ernannt. Diese Würde wurde späterhin auch jene des Direktoriums der Galerie zugesellt. So verflossen ihm zwanzig Jahre einer schönen, heitern Thätigkeit an den Ufern des rheinischen Rheins. Aus den Werken, welche diese Lebensperiode bezeichnen, treten Gebilde hervor, die bei malerischem Reize das Gepräge der Individualität tragen, ohne sich von der einfachsten Wahrheit im geringsten zu entfernen. Ganz besonders glücklich und groß ist er gewesen in Bezeichnung des Ausdrucks edler Grazi e und sanfter Hoheit weiblicher Naturen. So hat er in einer Reihe herrlicher Bildnisse sich nicht nur den größten seiner Zeitgenossen in diesem Fache auf das rühmlichste zugerechnet, sondern zugleich, vorzüglich im Colorite, Bilder geliefert, die dem Besten sich anschließen, was die niederländische Schule in ihren guten Zeiten hervorgebracht hat. Langer’s historische Arbeiten aus dieser Zeit sind gleich vortrefflich an Gehalt, als wie durch die Ausführung. Er verstand es, jene Momente, in welchem sich der Mensch mit voller Seele einem bestimmten Affekte hingibt, auf das lebendigste zu fassen und durch Contraste den Hauptgedanken höchst sinnreich hervorzuheben. Seine Figuren handeln, als wenn sie von Niemand beobachtet würden, sie sind mit ganzem Geiste bei ihren Zwecken, und bei ihm sah man Sinn und Bedeutung der Malerei, eine Aufgabe, die in seiner früheren Zeit wenige begriffen. Wenige haben auch die menschliche Figur in allen ihren Formen, Bewegungen und Lebensäußerungen so gründlich durchstudiert und mit so viel Sicherheit nachgebildet, wie Langer, und als Colorist ist er nicht minder mit Auszeichnung zu nennen.

Schon in den achtziger Jahren hatte Langer eine Reise durch Holland und die Niederlande unternommen und seine Ansichten bei Betrachtung bedeutender Sammlungen und an öffentlichen Werken vielfach bereichert. Noch einflussreicher jedoch war für ihn und die Kunst seine im Jahre 1798 vollzogene Reise nach Paris. Hier konnte er sich damals dem lang ersehnten Genusse der Werke Raphael’s, Correggio’s und anderer großer Italiener hingeben. Raphael war ihm von nun an das Ideal der Vollkommenheit, und gerade, weil er ihn dort, in der Umgebung des Herrlichsten aus dem Alterthum erkannt und ergründet, waren ihm die größten, unerreichbaren Verdienste dieses Geniesmalers so klar geworden, dass ihm über das eigentliche Ziel der Kunst kein Zweifel mehr in der Brust blieb. Seine Begeisterung für den Weg, den Raphael eingeschlagen, und durch seine Werke als den richtigsten nachgewiesen, erzeugte in ihm ein rastloses Streben, auch recht viele Schüler auf diesen Weg zu führen. Wie angemessen für ihn und wie erfreulich für die Kunst war daher der Ruf, den er im Jahr 1800 nach München erhielt, um daselbst ein Institut zu gründen und zu leiten, welches den Schlussstein der Nationalerziehung Bayerns bilden sollte. Mit diesem Rufe beginnt die zweite Lebensperiode Langer’s, und beinahe zwanzig Jahre lang dauerte seine Tätigkeit als Vorstand einer mit der tiefsten Einsicht in das Wesen der Erziehung organisierten, mit königlicher Großmuth ausgezogenen

Langer, Johann Peter

teten, mit Ernst, Nachdruck und Würde durchgeführten. Kunst- schule. Der König belohnte ihn schon 1800 mit dem Civilverdienst- Orden der bayrischen Krone. Doch blieb ihm Eitelkeit fremd; Reli- giosität, eine einfache Großartigkeit des Charakters und der Denk- ungsart, eine unerschöpfliche Liebe, waren die Grundzüge von Langer’s Wesen. Sein Streben war auf das Heilige gerichtet, als das höchste Ziel des Bildens, als Quelle des Segens zugleich und der Begeisterung, und mit Lehre und Beispiel führte er seine Schü- ler dieser Besinnung zu. Identität des Zeichens mit dem Bezeich- neten, der Idee mit der Darstellung, des Gedankens mit den Stoffen war ihm der zu erstrebende Punkt der Vollkommenheit. Er musste daher die höchstmögliche Meisterschaft und Fertigkeit in allen technischen Teilen des Bildens als notwendige Vorbedingung künstlerischen Produzierens in Anspruch nehmen; mit unbesiegbarer Kraft des Willens und mit Liebe führte er seine Schüler den bezeichneten Weg, und bildete im Zusammenwirken mit treffli- chen Männern, die sich mit ihrem Vorstande in das Lehramt teil- ten, tüchtige Künstler. Lohnend und erhebend war es für Langer, unter diesen erfahrenen Gehülfen seinen Sohn zu finden. Noch ein anderer hoher, lange ersehnter Genuss ward ihm erst zwei Jahre vor seinem Hinscheiden zu Teil. Er unternahm mit Jenen, die ihn am meisten liebten, im Herbste 1822 eine Reise in das obere Ita- lien. Mit noch wahrhaft jugendlichem Feuer nahm er die herrli- chen Kunstschätze auf in seinen rüstigen Geist, der in ihm nicht alterte, und stets Blüthe und Früchte trug, während die Wurzel des physischen Lebens verdorrte. Er war thätig bis kurz vor sei- nem Lebensende und noch immer mit ganzer Seele bei seinem Be- rufe. Eine Reihe von Zeichnungen und Skizzen aus diesen letzten Tagen beweisen, wie kräftig noch der Geist in der welkenden Hülle blieb. Sein liebenswürdiger und edler Charakter nahm alle Herzen ein, seine Ansichten waren klar und fest begründet, und einen hohen Genuss gewährte es, über Kunst mit ihm zu verkeh- ren. Er opferte die späten Jahre fast durchaus dem Lehramte und widmete nur die Nebenstunden den eigenen Produktionen. Falsche Ruhmsucht war ferne; ihm tüchtige Schüler zu bilden, das Ziel, das ihn begeisterte. Langer ist jedenfalls ein tüchtiger Meister der älteren Münchner Schule; diese aber musste unter König Ludwig dem Jüngeren Umschwung weichen.

Ein großes und herrliches Bild des fühlenden Künstlers ist das Altarblatt in der Carmeliter- jetzt Kirche des griechisch-orthodoxen Clerical-Seminars zu München. Es stellt Christus dar, wie er die Kinder segnet, und enthält 14 Hauptfiguren, sämmtlich über Lebens- größe. Vorzüglich gelungen ist der Contrast der Physiognomien der einzelnen Apostel; man tadelt aber, dass das gehörige Verhältniss der Figuren nicht beobachtet sei, und findet die Weiblichen Gestalten zu sinnlich dargestellt, als solche von üppiger Fülle,

Dieses Bild beschäftigte den Künstler mehrere Jahre, und 1814 sah man auf der Münchner Kunstausstellung die gemalte Skizze und den großen Carton dazu, nebst mehreren Studien. Dieses ist jedoch nicht das einzige Werk des Künstlers, es verdienen noch mehrere, andere rühmliche Erwähnung: Christus und die Juden mit dem Zinsgroschen; der heilige Lukas, wie er das Bild der heiligen Jungfrau malt; der ewige Vater in der Glorie; David vor Saul mit der Harfe; der verwundete Philoktet auf Lemnos, 1814; die heilige Familie, 1817; Gabriel erscheint dem Zacharias im Tem- pel; Amor tröstet die Psyche, 1820; die hl. Familie; Christus am Oelberge; die hl. Rosalia; Lady Johanna Gray im Tower zu Lon-

Nagler’s Künstler - Lex. Bd. VII.. 19

don, 1823 etc. Dann fertigte Langer auch viele Zeichnungen, deren man bei Gelegenheit der Kunstausstellungen in München eine bedeutende Anzahl sah. Wir haben von ihm auch ein Bild- niss des k. b. Finanzministers von Hompesch, aber dieses malte er nur mit der Erinnerung und dennoch naturgetreu. Er malte auch die jetzt regierende Königin von Bayern, 1814 noch als Kronprinzessin; ein liebliches Bild; dann die Familie des spanischen Gesandten Grafen Fernando Núñez, u. a.

Dann hat man von P. v. Langer auch geistreich radirte Blätter, und diese gab er seinen Zöglingen zu sehen heraus, um die Auf- merksamkeit von den Erzeugnissen der französischen Röthelmanier und den Neuigkeiten der englischen Chalkographie abzulenken. Zu seiner Zeit wirkte der Manierismus der englischen Schule besonders verderblich.

  1. — 13) Christus und die 12 Apostel, nach Marc Antonio, der sie nach Rafael gestochen. H. 5 Z. 7 L., Br. 3 Z. 10 L. Es gibt Abdrücke auf weissem und gelblichem Papier.

  2. Jesus lehrt als Knabe im Tempel, 1818, qu. fol.

  3. Gruppe mehrerer Männer von Schlangen umwunden, aus Michel Angelos jüngstem Greicht, gr. 4. Im ersten Drucke vor der Schrift.

  4. Merkur enthauptet den Argus, nach H. Carracci, kl. 4. Im ersten Drucke vor der Schrift.

  5. Die Nacht, unter einer geflügelten Frau mit zwei Kindern dargestellt, nach Dominichino, kl. qu. fol.

  6. Der tote Heiland auf dem Schoß der Mutter, von S. Johann und Magdalena begleitet, nach Perugino, gr. 4.

  7. — 23) Folge von fünf Köpfen aus Rafael’s heil. Familie, in der k. Pinakothek zu München, 4. Es gibt Abdrücke auf weissem und gelblichem Papier.

  8. Amor zerbricht den Bogen, neben ihm ein anderer Liebes- gott an einem Baume, nach Guido Reni, 4. Im ersten Drucke vor der Schrift.

  9. Skizze einer Schlacht, nach J. Romano, kk fol.

  10. Die Charitas mit zwei Kindern auf Wolken, Halbfigur, nach A. Sacchi, kl. qu. 4. Im ersten Drucke vor dem Namen des Künstlers.

  11. Eine historische Skizze nach N. Poussin.

  12. Skizze einer Grablegung, nach Perugino, 4.

  13. Adam und Eva, sicE gegenüber.

  14. Zwei Apostel.

  15. Vier opfernde Figuren.

Dieses sind Studien nach Rafael, 8, u. 4. Es gibt Ab- drücke auf weissem und gelblichem Papier, und vor dem Namen.

  1. Der Schlaf, allegorische Figur, nach Dominichino, qu. £.

  2. Christus und der ungläubige Thomas, nach C. Maratti, 8. Vor und mit der Schrift.

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