Lips, Johann Heinrich, Zeichner und Kupferstecher , geb. zu
Kloten bei Zürich 1758, gestorben zu Zürich 1817. Als der Sohn
eines Chirurgen sollte er gleiches Fach ergreifen; allein er empfand
größere Lust zur zeichnenden Kunst, und der Prediger des Ortes
machte ihn daher mit Lavater bekannt. Unter der Leitung dieses
berühmten Mannes machte Lips bald die erfreulichsten Fortschritte,
und der Verfasser der physiognomischen Fragmente war es, dem
Lips Zeitlebens verpflichtet blieb. Er unterstützte den jungen
Künstler so lange, bis sein äußeres Glück gegründet war, und
bei seinem 1801 erfolgten Tod arbeitete ihm Lips aus Dankbarkeit
im Stiche ein Denkmal aus.
Doch blieb Lips nicht immer in Zürich ; 1780 besuchte er die
Akademie in Mannheim , um nach Gipsabgüssen zu zeichnen, und
nach einem halben Jahre begab er sich nach Düsseldorf . Hier stach
er sein erstes großes Blatt: die Marter des heil. Sebastian nach
Van Dyck, und dieses Blatt fand man so musterhaft, dass ihm
die Akademie mehr als 600 fl. für die Platte bezahlte. Durch die Zeich-
Lips, Johann Heinrich.
Nung mit Antiochus und Stratonice machte er sich des ersten Preises würdig, doch konnte er als Fremder die goldene Medaille nicht erlangen und man ertheilte ihm dafür das Diplom eines akademischen Mitgliedes. Im Jahre 1783 ging er nach Rom , wo er den Stich seines Bacchanals nach Poussin vollendete, und 1785 war er bereits wieder in Zürich. Jetzt versuchte er sich auch in Malerei , und die Bildnisse Lavater’s und seines Sohnes gelangten ihm sowohl, dass er fortan die Malerei zum Hauptfache wählte, wozu ihn auch der berühmte A. Graff ermunterte. Deswegen reiste er 1780 zum zweiten Male nach Rom, um sich der Malerei auszubilden, ergriff aber die Aquarellmanier, welche damals in Rom besonders Mode war. Er malte historische Darstellungen nach berühmten früheren Meistern, und nach eigener Composition, fleißige Bilder, aber von etwas trübem Colorite. Mit derweile zwangen ihn widrige Umstände, sein Lieblingsfach wieder aufzugeben, und den Grabstichel wieder zu ergreifen, und sein Marius war das erste wieder rein und kräftig gearbeitete Blatt.
Damals ward ihm seine Bekanntschaft mit Göthe zum Nutzen; zur Verwendung jenes großen Geistes erhielt er 1789 die Stelle eines Professors an der Zeichnungs-Akademie in Weimar, die er bis 1792 bekleidete. Jetzt rieten ihm die Ärzte zur Herstellung seiner Gesundheit ins Vaterland zurückzukehren, und er wurde wirklich gesund. Von nun an blieb er für immer in Zürich, wo er eine grosse Anzahl von Werken lieferte, Stiche und Handzeichnungen. Seine Stiche belaufen sich auf 1447 Blätter, und selbst die kleinsten sind mit Liebe behandelt. Es sind dieses historische und mythologische Darstellungen, Studien nach der Antike, Bildnisse merkwürdiger Personen, Köpfe, Ansichten aus Italien und der Schweiz, Tafelkupfer, Vignetten nach berühmten alten und neuen Meistern. Diese Blätter sind in verschiedenen Sticharten ausgeführt, größtenteils jedoch mit dem Grabstichel fleißig vollendet, in verschiedenen Formate, klein und gross, in Abdrücken vor und mit der Schrift.
Er zierte Göthe’s und Wieland’s Werke, die Messiasde von L’Aulne, Almanache und andere Bücher. Sein letztes Blatt ist die Anbetung der Hirten, nach A. Carracci.
Die Marter des heil. Sebastian, nach Van Dyck, gr. fol. Ein erster Druck vor der Schrift und ein Hauptblatt.
Maria mit dem Jesuskinde, nach Rafael, kl. fol. Ein zügliches Blatt.
Rafael Sanzio, nach dem berühmten Bilde in München.
Die Anbetung der Hirten, nach Annib. Carracci, fol. Ein zügliches Blatt, im Mus. français.
Ein Bacchanale, fête de Bacchus, nach Poussin, treffliches Blatt, gr. qu. fol. W
Die holländische Köchin, nach G. Dow. Treffliches Blatt, im Mus. Napoleon.
Der Umgang zwischen der Tugend und dem Laster, R. Siras.
— 9) Die vier Tagszeiten, schöne Aquatintablätter, nach seiner Erfindung.
Marius im Gefängnisse spricht mit den Soldaten, die ihn zu tödten kommen, nach Drouais, gr. qu. 4
Abschied des Nikolaus von der Flue, nach Volmar’s Gemälde, im Besitze der Cantons - Regierung von Unterwalden. Hauptblatt.
— 15) Zwei Darstellungen aus den Nicbelungen nach F. Curnelius, Imp. fol.
Christus heilt die Kinder, nach eigener Zeichnung, 1807,
— 18) Hoffnung und Wiedersehen, zwei schöne Aquatinta- blätter, oval.
Der Abend, in Aquatinta, 1703.
Die Nacht, das Gegenstück,
Polyphem mit der Sirene am Meere, Aquatinta.
Der reitende Schneider, Carikatur.
Das Alpenhirtenfest im Bern’schen Oberland; 1805. Neu- jahrsgeschenk.
Der Landsturm, nach König,
Ich will dein Vater seyn, nach B. Six.
Laxater’s Denkmal.
Das Bildnis Göthe’s, 1792, fol.
Jenes von Wieland, 1703 fol. Es sind diese zwei seiner besten Bildnisse, nach eigener Zeichnung.
Emanuel Sieyes, 1705. Titelkupfer, 8.
Johann Caspar Lavater, nach Schmoll, für dessen Physio- gnomik, 8.
Johann Georg Hamann.
Emanuel Bach.
Johann Friederich Herder.
Catharina II. von Russland.
Louise, Landgräfin von Hessen, nach Holling.
Johann Georg Zimmermann, nach Ganz.
Kopf der Vatermörderin Cenci, nach C. Dolce.
Heinrich Escher, nach Schmoll.
Jupiter, Halbfigur.
Ein Christuskopf, nach Mengs. Diese Blätter von Nr.30 an sind in Lavater’s Physiognomik,
Das Bildnis von Thomas Morus, fol.
Das Bildnis von Reinhold, nach eigener Zeichnung, 1793.
Erzherzog Carl von Österreich.
Maximilian II., Büste in Oval.
Der russische Marschall Suwarow.
Der österreichische General Hotze, alle drei von 1702.
Dr. Rahn in Zürich, nach Macco, 1800.
David Wys, Bürgermeister von Zürich, nach Diogg.
Heinrich Kilchsperger, Bürgermeister in Zürich, nach Oe- lenhainz.
Das Bildnis von Lavater, 12.
Jene des Antistes Ludwig Hess, 12.
S. Gessner, vor Holttinger’s Biographie desselben.
Salomon Semmler, Büste nach Beyel, 12.
Christian Garve, nach A. Graff.
Friedrich II. nach Chodowiecky.
Die Porträts im Nachtrage zu Füssly’s schweizerischer Kunstgeschichte, als:
J. Michael Hunger.
Peter Ligarius.
D. A. Fossati.
Emmanuel Wiitz.
Joh. Melchior Würsch.
Caspar Woalf.
Benedikt Alfons Nicolet.
J. Kaspar Schwendimann.
J. Friedrich Funk von Nydau.
Baltasar Anton Dunker.
Alex. Trißler.
Heinrich Pfenninger.
Felix Cajetan Fuchs.
Heinrich Rieter.
Heinrich Boltschausser.
Johanna Heinrich Lips.
Gedruckte Zeichnungen zu den Neujahrsstücken der Künstlergesellschaft zu Zürich.
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