Lindenschmit, Wilhelm

Lindenschmit, Wilhelm, Historienmaler , wurde zu M “‘ geboren, wo ihm sein Vater, der Münzgraveur Johann L *”' schmit, eine sorgfältige Erziehung gab. Doch schon in früher 8... gend entwickelte sich sein Talent für die Geschichtsmalerei,

-«\ as Studium der Geschichte der klassischen Literatur war €& *

was ihn beim Besuche des Gymnasiums seiner Vaterstadt vorzugs- weise ansprach, eine Heimath voll großer geschichtlicher Erinnerungen, voll redender und stummer Denkmäler, die Heldentöne einer großen deutschen Vorzeit zogen ihn mit ganzer Seele
zur bildlichen Darstellung, was Lied und Geschichte verkündet.
Seine Bildung zum Künstler erhielt Lindenschmit in München,
wohin er im Herbste 1823 kam, denn schon damals verkündigte
der großartige Sinn des Kronprinzen Ludwig die Morgenröte
einer echten nationalen, religiös-geschichtlichen Kunst. Die Glypto-
thek stand fast vollendet da, und in ihr sollte der Keim einer neuen
Schule zur Reife gelangen. Das erste Mal war Lindenschmit nicht
lange in München , denn schon im Frühjahr 1824 zwangen ihn
die Folgen eines Duells die Stadt zu verlassen, und er suchte
in Wien Zuflucht. Er studierte da an der k. k. Akademie und
in der zugänglichen Galerie des Belvedere, bis er im Herbste
des folgenden Jahres in die Heimath zurückkehrte. Jetzt nahte
die Zeit, in welcher Cornelius mit seinen Schülern von Düsseldorf nach München zog, um die Arbeiten der Glyptothek zu be-
ginnen, und auch unserm Künstler war es vergönnt, sich an jene
erlesene Schaar anzuschliessen. Schon in Wien bewies er sein Talent für historische Composition durch seine Gemälde von Berlichingen’s Tod,
und des riesigen Andreas Baumkircher, der ganz allein Brücke und Thor der Stadt Wiens vor dem Angriff der Ungarn und Böhmen vertheidigte,
um den Kaiser Friedrich vor schmachvoller Gefangenschaft zu bewahren, wofür dann diesem österreichischen Horatius Cocles blutiger Undank wurde. An
diese Bilder reihen sich andere Compositionen, die ebenfalls einen vielseitig gebildeten Künstler verkünden. Darunter sind besonders
zwei Tuschzeichnungen zu erwähnen, welche sich jetzt im großherzoglichen Museum zu Darmstadt befinden. Die eine stellt den
Tod des Mainzer Stadthauptmanns Fust dar, wie er als Leiche
auf dem Schlachtfelde gefunden wird, im Jahre 1460, in jener
verhängnisvollen Nacht, welche die Freiheit seiner Stadt unter-
gehen sah. Die andere Zeichnung schildert die Scene, wie die
Mainzer Frauen ihren letzten Minnesänger Heinrich Frauenlob zu
Grabe tragen. Jetzt wurde dem Künstler auch Gelegenheit zu Teil,
durch ein öffentliches Werk seine Kräfte zu erproben. Damals
beschloss König Ludwig, die Arkaden des Hofgartens mit geschicht-
lichen Fresken zu zieren, und Lindenschmit erhielt den Auftrag,
eine der Grossthaten bayerischer Fürsten darzustellen. Sein ist das
Gemälde, welches den Sieg Ludwig des Reichen über Albrecht von
Brandenburg (genannt Achilles) bei Gingen vorstellt.

Nach Vollendung dieses Werkes beschäftigte ihn die Ausführung
einer großartigen Idee, wodurch der Fremdling Bayern ehrte, wie
keiner je gethan. Es ist dieses das große Schlachtbild an der
Kirche in Sendling bei München, in welchem Lindenschmit den
glorreichen Untergang der bayerischen Oberländer Bauern darstellte.
Er bereiste früher zu diesem Zwecke das süddeutsche Hochgebirge,
und bei dieser Gelegenheit machte er eine große Anzahl Studien
von Köpfen, Figuren und Gruppen, die er bei Ausführung seines
großen Werkes nutzte. Der Künstler arbeitete fast zwei Jahre
an diesem Wandgemälde, und er hatte keinen anderen Lohn für
seine Opfer, als die Freude, die Erinnerung an jene edlen Gefallen-
en im Herzen des Volkes zu erhalten. Die Gemeinde Sendling
befand sich durch freiwillige Beiträge die Kosten des Materials, der
Gerüste und des Stucco’s, Alles andere leistete der Künstler ganz
allein und unentgeltlich. Wer ein fremdes Volk so sehr ehrt,
der hat die heiligsten Rechte eines Eingebornen erworben, Bayern

Lindenschmit, Wilhelm.

nennt ihn daher auch gerne den Seinen. Das Denkmal, welches

er von 1829–31 der Nation und dadurch auch sich gesetzt, hat

Y. Hohe Intlinognphirt. In den Wintermonaten der bezeichnenden

Jahre fertigte Lindenschmit zwei große Zeichnungen in Tau

von denen die eine Winkelried in der Sempacher Schlacht, die

Andere den Armin vorstellt, wie er das Volk zum Kampfe

gen Rom aufruft.

Im Jahre 1832 erhielt Lindenschmit den Auftrag, neben anderen

Künstlern das Innere des Königsbaues bildlich auszuschmücken.

Dieses Prachtgebäude bildet gleichsam eine Galerie voll hoher un

macht eigener Composition. Unser Künstler malte zwei Bilder zu

Wallenstein, zwei aus dem Trauerspiele Jungfrau von Orleans

Jünglicher Erinnerungen. Lindenschmit malte im Schreibzimmer

Königin mit Folz die Bilder aus den Dichtungen Schiller’s, je

eines aus Tell, zwei aus dem Ritter von Toggenburg, eines aus

Fridolin, eines aus dem Gedichte „der Handschuh“, die Heimkehr

vom Kampfe mit dem Drachen, Eberhard den Greiner, die

Söhnung Ludwig’s des Bayern mit Friedrich dem Schönen.

Nach Vollendung dieser Arbeit malte Lindenschmit in der La

gia der k. Pinakothek zwei Darstellungen aus dem Leben des La

nardo da Vinci, und dann wurde er nach Hohenschwangau bers

zogen, um in der altdeutschen Burg des Kronprinzen Maximili

von Bayern einen neuen Bilder- Cycles zu beginnen, und des

vollendete er in glänzender Pracht. Im Zimmer links vom Sde

nenrittersaale malte er in acht Bildern die Geschichte der

und in jenem rechts von diesem Saale stellte er Begebenheiten

Umgegend dar. Im ersten dieser Zimmer malte er den Sır

Herzogs Luitpold auf das Lager der Normanen, an der Die

Löwen 8c2; den Wettkampf des Herzogs Christoph mit den p

nischen Riesen Lubin 1475 ; Johann Aventin, bayr. Geschichtsh

ber 1534; Herzog Ludwig, wie er in der Wassernoth vor L

das Kreuzheer rettet, 1221; Merzog Ludwig, der Ludmillz vm

Bogen vor den gemalten Rittern die Ehe gelobend, 1204; die

Söhnung Ludwig’s des Bayern mit Friedrich dem Schönen, 13

das Siegesmahl nach der Schlacht bei Ampfing, 1322: jedem Mün

ein Ei, dem frommen Schweppermann zweitz Otto von Wisel

bach, wie er den Kaiser Friedrich I. in dem Aufruhr zu Kıs

schützt, 1155. In dem rechts gelegenen Zimmer malte Lindsch

schmit die Bestürmung des Klosters Rottenbuch durch Georg

Schwangau 1280; den Abschied Conradin’s des Schwaben von

ner Mutter 1265; den Minnesänger Hilpolt von Schwangau; Ka

ser Lothär übergibt die Krone an den Welfen - Herzog Heinrich

den Stolzen in Breitenwang 1153; Conrad von Schwaben vermw

det nach Steingaden gebracht 1310; Luther’s Flucht von Augsbat

1518; Kaiser Maximilian’s 1. Unterredung mit Gayler von Kauserb

berg zu Füssen 1510.

In zwei anderen Zimmern malte er die Geschichte der Hohenstaufen und der Welfen. Im Zimmer der Hohenstaufen sehen

in bildlicher Darstellung den Sieg des Friedrich Barbarossas

Iconium 11090; König Conradin auf der Flucht von Frangipan!

geholt 1268; König Enzio in der Gefangenschaft zu Bulogna !

Friedrich II. empfängt die Schlüssel Jerusalems 1220; Friedrich

Barbarossa demüthigt die empörten Mailänder 1162; Barbarossa’s

Untergang im Flusse Seleph 1100. Im Welfen-Zimmer malte Lind

schmit namentlich Thätten Heinrich des Lüwen: dessen

über die Slaven 1170; die Gründung Münchens 1172; des

zogs Empfang bei dem Sultan von Iconium 1175; Barbarossa’s B:“

an Heinrich, ihm und dem Reiche treu zu bleiben 1177; der Ein- zug Heinrich’s in Braunschweig 1180; Heinrich auf dem Sterböela- ger durch den Blitz unerschüttert 1105. Eine Beschreibung von Hohenschwangau gab 1837 C. W. Vogt, und darin sind die Kunst- werke aufgezahlt, welche sich im Schlosse befinden. Auch von C. A. Muffat erschien in dem bezeichneten Jahre eine Beschreibung und Geschichte des Schlosses.

Nach seiner Zurückkunft von Hohenschwangau verursachte der Uebergang zu der ihm fremden Ocelmalerei Anstrengung und Zeit- verlust. Jetzt malte er seine Familie lebensgross, in ein Bild grup- pirt, welches er seinen Eltern zum Geschenk überschickte, und darauf stellte er in einem andern Bilde den Kampf der Cimbrischen Frauen gegen die Römer dar. Dieses Bild wurde Eigenthum des Kunstvereines in München. Im Auftrage des Kunstvereines von Hannover malte er die Heldenthat des Herzogs Erich von Braun- schweig, welcher in der Schlacht bei Regensburg gegen die Böh- men (1504) dem Kaiser Maximilian das Leben rettete. Nach meh- reren kleineren Arbeiten und einer lang andauernden Krankheit begann Lindenschmit die unglückliche Schlacht des Arminius auf dem Idistawisofelde. Der Kunstverein in München kaufte dieses Gemälde, und beschloss, es als Vereinsgeschenk für 18390 für die Mitglieder lithographiren zu lassen. Im Sommer 1838 hielt er sich wieder mehrere Monate in Hohenschwangau auf, wo durch An- bringen eines neuen Turmes 5 seiner neuen Wandgemälde zer- stört worden waren. Diese wurden neu gemalt und ein viertes hinzugefügt.

Sein neuestes Werk ist eine Versammlung von Jägern aus der altgermanischen Zeit, welche sich auf einem Grabhügel gelagert hat, und worunter sich Italikus, der Brudersohn Armin’s auszeich- net, dem von den alten Kriegern, mit Erklärung auf die im Thale befindliche Hügelgräber, die Geschichte der Römerkämpfe erzählt wird.

W. Lindenschmit beurkundet in seinen Werken ein großes Ta- ent zum Historienmaler, das durch eingehendes Studium der Geschichte und des Costüms unterstützt wird. Er durchdringt sei- nen Gegenstand nach jeder Richtung, und der Beschauer fühlt sich mit ganzer Seele in den Kreis gezogen, in welchen der Künstler seine Helden bannt. Seine Gestalten sind voll Charakter und Ausdruck, zum lebendigen Ganzen vereint, sprechend wahr in jeder Lage, in welche sie der Künstler versetzt. Er ist ein trefflicher Zeichner, und mit feinem Sinne für Farbe und deren Harmonie schafft er Werke, die den besten malerischen Erzeug- nissen unserer Zeit angereiht werden müssen.

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