Ligorio war Michel Angelo’s Feind, und aller jener, die diesen Künstler achteten. Seine Intriguen hatten Ricciarelli und Salviati empfunden, da sie auf Pirro’s Veranlassung die ihnen früher vom erwähnten Pabste zugesagten Arbeiten verloren, und dafür Gram erndteten. Die Entfernung vom Bau war daher gerechte Wieder- vergeltung, und so darf man in der Peterskirche kein Zeugniss seines Wissens als Architekt suchen. Kein solches ist indessen der kleine Palast, das Casino di Pio IV., im vatikanischen Garten, ein Bauwerk von sehr zierlichem und anmutigem Styl. Sein Werk ist auch der Palast Lancelotti auf Piazza Navona in Rom , ebenfalls ein Gebäude von schönen, reinen Verhältnissen. Das Casino des Pabstes ist in dem Werke: Les plus célèbres maisons de plaisance à Rome par Percier et Fontaine genau beschrieben. Der Palast Lancelotti ist auch durch einen Kupferstich von 1560 bekannt. Auch das Werk von Ferrero und Falcara kann man nachsehen. Schlusslich bemerken wir noch, dass Ligorio die Zeichnung zum Mausoleum Paul IV. in der St. Peterskirche gefertigt habe, und dieses ist Alles, was in jenem Dome noch an Pirro erinnert.
Dann haben wir von diesem paradoxen, und von künstlerischer Charlatanerie und gelehrten Betrügereien nicht freiem Manne ein grosses handschriftliches Werk über römische und andere italieni- sche Alterthümer, theils nach Classenordnung, theils alphabetisch angereichtet. Dieses 30 Folianten starke Manuscript befindet sich auf der k. Bibliothek zu Turin, und die Vaticana besitzt einen grossen Theil desselben in einer 18 Bände ausmachenden Abschrift, welche die Königin Christina von Schweden veranstalten liess. Eine ähnliche Abschrift in Neapel ist vollständiger. Dieses Werk ist voll Zeichnungen antiker, aber fast immer restaurierter Denkmäler, doch gewährt dieses colossale Werk nicht immer Zuverlässigkeit. Bemerkungen über den Verfasser und Berichtigungen einzelner Angaben gibt aus dem handschriftlichen Nachlasse des trefflichen Gompso Ugonio Marinelli in seiner Roma ex ethnica sacra p. 423 — 431. Man vergleiche auch Spannheim de praestantibus numismatum. S. Bartoli hat einige jener Zeichnungen ge- stochen,
Ligozio. — Ligozzi, Jacopo.
Die letzte Zeit seines Lebens verlebte Ligorio in Ferrara, wohin ihn Ercole II. berief. Er bekleidete dort die Stelle eines Ingenieurs, und als solcher leitete er die Wasserhauten, welche der Po verursachte. Hier starb er auch, nach Einigen um 1580. Grossi „Le belle arti etc. II. 55“ sagt, dass Ligorio 1585 der Natur seines Tribut bezahlt habe, und dieser Schriftsteller nennt ihn „architettum summo, buon pittore ed ottimo (?) antiquario.“ Ticozzi erwähnt nichts von seinen Gebäuden, nichts von seinem handschriftlichen Nachlasse, und um 1580 lässt er ihn sterben. In Füssly’s Lexikon steht irrig 1573 als Todesjahr, und Fiorillo lässt ihn gar erst 1580 sterben.
Dann finden wir in den wenigsten Schriften erwähnt, dass Ligorio auch Bildhauer gewesen, indessen mögen die plastischen Werke auch seine seltensten seyn.
Von schriftstellerischen Arbeiten, im Drucke haben wir von ihm:
Della antichità di Roma, videlicet de circi, teatri et anfftezln con le paràdosse, quali confutana ]a commune opinione #- pro varı luoghi della citta, gedruckt zu Rom und in \ext dig 1553, 8.
De vehiculis antiquorum, aus dem Italienischen ins Lateinische übersetzt, und 1515 von J. Scheffer herausgegeben; Frankfurt wurde dieser Tractat 1671 wieder aufgelegt.
Sein Bruchstück aus der Geschichte von Ferrara wurde 1671 druckt, und viele legten es dem Alfonso Cagnaccini bei.
Von einzelnen Abhandlungen haben wir von ihm:
Descriptio villae Tiburtinae. Roma 1551, fol.
Brambilla stach nach ihm das Aviarium Varronis; ein Ungewisse 1553 die Stadt Rom; Duchetti den Circus Flamininus und die Thermae Diocletianae 1581–82; Piranesi: Vaso antico &i M. cotta, aus der vatikanischen Sammlung.
Domenici sagt, dass Ligorio selbst einen Plan der Stadt Rom in grossem und kleinem Formate geätzt habe.
Ligozio, s. Ligozzi.
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