Liberi, Pietro

Liberi, Pietro, Maler von Padua , genannt Libertino,
Künstler , der nach dem Tode seines Meisters Padovanino die
Erfahrung der Venediger Schule aufrecht erhielt, für deren
korrektesten Zeichner ihn Einige halten. Er studierte in Rom nach der Antike,
Parma nach Correggio’s Werken, und in Venedig nach den
berühmtesten Meistern der Stadt. Auf solche Weise hatte er die
sten Schulen kennen gelernt, und er nahm von jeder etwas.
bunten Gemische suchte er im Fleische den Michelangelo,
in Köpfen und Profilen den Rafael, und in Behandlung des
Stoffes den Correggio nachzuahmen. Seine Färbung preist
gut, und dann rühmt man seinen Geschmack in der
Führung seiner Bilder. Allein zu seiner Zeit erreichten die Maler

Liberi, Pietro. 503

Venedigs den Glanz ihrer alten Schule nicht mehr; mit der echten Art zu coloriren war es vorüber, man huldigte einer trockenen, geistlosen Manier, das Fleisch mit grünen Tinten und Halbschatten zu geben. Liberi richtete sich beim Malen nach den Geistesgaben der Besteller. Für Verständige führte er, seiner ei- genen Aussage nach, einen raschen und freien Pinsel , der nicht immer vollendet; für Unverständige einen höchst fleissigen, der jeden Teil vollendet und die Haare selbst so ausführt, dass man sie zählen kann, und dergleichen Bilder malte er auf Cypressen- holz. Lanzi meint, man könne seinen Stil auch in den großen und kleinen Teilen; nur malte er in ersterem selten. Venedig hat darin einen Kindermord; Vincenza den Auszug aus der Arche; Bergamo eine Episode aus der Sündfluth, wo v. Montagne das Meer ge- malt seyn soll; lauter Kirchenbilder, die dem christlichen Lanzi aus- serordentlich wohl gefielen, und er rühmt die kräftige Zeichnung, die Schönheit und Mannigfaltigkeit der Verkürzung und Bewegung, die großartige Nacktheit, mehr in dem Carracci’schen als Buona- rotti’schen Stil. So viel des Lobes findet Dr. Kugler (Beschreib. des k. Museums S. 125) in dem großen Bilde des Dianenbades in der Gallerie des k. Museums zu Berlin nicht. Dieses Gemälde zeigt nicht viel anderes, als große Massen weichen Fleisches, ohne künstlerischen Sinn in der Anordnung.

Nacktheiten malte Liberi sehr gerne; selbst den ewigen Vater malte er in St. Catharina zu Vicenza zum Missvergnügen auf solche Weise. Seine Meisterstücke sind die nackten Venusgestalten, im Geschmacke Titian’s, und desswegen gab man ihm den Beinamen Libertino. Solche Stücke findet man in Sammlungen in Menge, und wenn man eines gesehen hat, so kennt man die andern leicht, theils an den oft wiederholten Köpfen, theils an der Röthe des Fleisches und am allgemeinen Tone. Die rothe Farbe liebte er über die Massen, und er missbrauchte sie häufig an Händen und Fingergränzen. Uebrigens, sagt Lanzi, ist sein Farbenvortrag sanft, die Schatten zart und Correggisch, die Führung des Pin- sels frei und meisterhaft. Bilder von ihm sind in der Eremitage zu St. Petersburg, in den Gallerien zu Wien, Dresden, Mün- chen etc. Neben den Venusbildern malte Liberi auch Fabeln und Allegorien, die niemand verstand, als er. Dennoch gefiel er aus- serordentlich in Italien und in Deutschland, von wo aus er als Graf und Ritter heimkam. Die Sage macht ihn zu einem heimli- chen Juden, der erst auf dem Todbette seinen Glauben bekannte.

Einige seiner Bilder wurden gestochen, von Baroni das Altar- bild der Kirche S. Paolo und Giovanni in Venedig mit dem Kreuz Christi von Engeln getragen; J. Piccini Diogenes im Fasse; Ro- setti schöne Landschaften mit Ruinen; von P. Monaco, Fragonard “—hl: bI:'..vlge:)dc:: Blatt wird ihm selbst und auch dem Rossı zuge- schrieben :

Der grosse Kampf auf der Brücke zu Venedig, geistreiche, aus unzähligen nackten Figuren bestehende Composition mit der Aufschrift: Venetiarum Pugillatus. Unten ist die Dedi- cation an Ludwig XIV. und die Jahrzahl 1676. Diese Com- position besteht in drei Platten, zusammen das grösste Imp. fol.

Dieses geistreich radirte Blatt ist selten, und im ersten Drucke vor dem Worte: Venetiis. Selbst einige Contradrücke mit dem er- wähnten Worte sind noch sehr kräftig, und ebenfalls selten.

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