Leybold, Johann Friedrich

Leybold, Johann Friedrich, Kupferstecher und Miniaturmaler, geboren zu Stuttgart 1755, zeigte schon in früher Jugend Neigung für die bildende Kunst, kam als Knabe zum Hofbildhauer Bauer, der ihm den ersten Unterricht im Handzeichnen ertheilte, und wurde bald darauf als Eleve der Akademie der b. K. in Ludwigsburg aufgenommen, um in der Stuccatur- und Bildhauerkunst un- terrichtet zu werden. Nachdem er im Zeichnen und Modelliren vorgeschritten war, kam er auf die Solitude (ein herzogliches Schloss, wo mehrere Prachtgebäude aufgeführt wurden) zu einem Meister in der Stuccaturkunst, Namens Sonnenschein, dem die Verzierun- gen von Kunstarbeiten in den Zimmern übertragen waren. Im Jahre 1770 wurde er der militärischen Pflanzschule als Eleve zuge- theilt, und in diesem Institute wurde Leybold zum Künstler be- bildet. Nachdem er zwei Jahre sich mit der Stuccaturkunst befasst hatte, wählte er, auf Anrathen des damaligen Gallerie-Direktors und Rektors, der Kunstakademie, Guibal, die Malerei zu seinem Studium, doch war seine Vorliebe zur Kupferstecherkunst jederzeit vorherrschend, und so entschloss er sich nun, nachdem der Ku- pferstecher G. v. Müller an die Akademie gerufen wurde, sich der selben zu widmen. Da Leybold den andern Zöglingen im Zeich- nen weit überlegen war, so übertrug ihm sein verdienstvoller Leh- rer unter seiner Leitung den Unterricht seiner Miteleven in den Anfangsgründen der Kupferstecherkunst; ja, als Müller nach Paris berufen wurde, das Portrait Ludwig’s XVI. zu stechen, bekam Ley- bold, bis zu Müller’s Wiederkunft, die ganze Leitung dieser Schule. Nachdem er sich nun sechs Jahre der Kupferstecherkunst gewidmet hatte, und von seinem Lehrer, der ihn stets als Freund behandelte, gehörig ausgebildet war, so wurde er 1780 aus der Karls-Hochschule, nachdem er zwölf Preise in verschiedenen Fächern der Kunst erhalten hatte, mit dem Prädikate eines Hoch- kupferstechers entlassen. Er lieferte nun mehrere Blätter, auch zwei zur Gallerie des Herzogs von Orleans; malte nebenbei, vor- züglich für den Hof, in Miniature, und ward 1780 Professor an der genannten Hochschule, an welcher er Unterricht im Zeichnen und Modelliren nach der Natur gab. Die Kupferstecherschule lieferte damals Blätter von solchem Gehalte, dass der Erbprinz von Coburg veranlasst wurde, an Leybold zu schreiben, und ihm an

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Auftna ertheilte, Alles, was von Bedeutung sei, ihm zu übersen- den. Bald darauf erhielt er das Decret als Sachsen-Coburgischer Hofmaler und Hofkupferstecher (1707).

Als endlich Carl’s Hochschule aufgehoben wurde, so unternahm Leybold 1798 eine Reise nach Wien, und hier beschäftigte er sich fünf Jahre hindurch in den vorzüglichsten Häusern mit Miniatur- malen. Er liess schon im ersten Jahre seines Aufenthaltes in die- ser Stadt seine zahlreiche Familie kommen; denn da fanden seine drei Söhne: Carl, Historienmaler; Friedrich, Portraitmaler in Öl- und Miniatur, und Gustav, Kupferstecher, erwünschte Gelegenheit, an der Akademie sich auszubilden. Dies mit solchem Erfolge, dass er seinem ältesten Sohne, Carl, bald die Miniaturarbeit überlassen, und er selbst sich wieder ganz der Kupferstecherkunst widmen konnte. Die bereits vor mehreren Jahren angefangenen Platten: „Der Tod des Marcus Antonius“ und „Der Tod des Papirius“ wur- den beendet, und erhielten den verdienten Beifall in Deutschland, so wie in Frankreich.

Als Leybold diese Blätter dem Direktor Füger zeigte, äußerte dieser, ob es kein Mittel gäbe, auf eine freiere und schnellere Art Blätter zu liefern, die mehr durch Ätzen hervorgebracht wer- den könnten. Leybold machte sich sogleich daran, ihn zu be- friedigen, und radirte vier Blätter in Öktav, Blöß Köpfe nach Fü- ger, zur größten Zufriedenheit des letzteren. Dieses war auch die eigentliche Veranlassung, warum ihm in der Folge die Scenen aus der Messiasde, zwanzig an der Zahl, nach Füger’s Handzeichnun- gen, durch den Grafen von Fries, den Besitzer derselben, in der

Originalgrüsse zu stechen übertragen wurden. Die meisten dieser Süche sind von Leybold’s Meisterhand. Auch Direktor Reindel in Nürnberg nahm später an diesem Unternehmen Anteil, um die Sache desto schneller zu fördern. Leybold hatte bereits sieben dieser Handzeichnungen gestochen, als er nach dem Tod des Di- rektors Schmutzer 1812 zum k.k. Hofkupferstecher und im selben Jahre zum Professor an der Kupferstecherschule ernannt wurde. Kurze Zeit darauf wurde ihm auch der Titel eines k.k. akademi- schen Rathes verliehen. Im Jahre 1838 starb er.

  1. Die Liebe, La charité etc., — eine junge schöne Frau mit einem Kinde an der Brust und zwei andere zur Seite, die sie umarmen, schönes Blatt nach P. Mattei’s Bild in der Galerie zu Stuttgart; fast in Strange’s Manier, der Herzogin Dorothea Sophia von Würtemberg zugeeignet; gr. fol.

  2. Der Tod des M. Antonius, Mort de Marc-Antoine etc., nach Pitz, dem Könige Maximilian von Bayern zugeeignet, gr. qu. fol. Im ersten Drucke vor der Schrift.

  3. Der Tod des Consul Papirius, nach Hetsch 1793, ebenfalls mit französischer Schrift, wie die obigen. Dieses Blatt ist dem Prinzen Albert von Sachsen dediciert, gr. qu. fol. Im ersten Drucke vor der Schrift.

  4. Venus, welcher Cupido den Spiegel vorhält, nach Titian, für die Galerie Orleans gestochen,

  5. Die heilige Familie, nach Baroccio, für die Galerie Or- leans,

  6. Die Madonna mit der Katze: La vierge au chat, nach Ba- roccio, fol.

  7. Die Himmelfahrt Mariä, nach Guibal, 1781, fol.

  8. Illet’ Abfall des Nestorius, Deckenstück, nach demselben,

ol.

  1. Lohn der Tüchtigkeit, Tribut de la reconnaissance, nach F. Tischbein, dem Prinzen von Waldeck dediciert, cval fol.

  2. — 21) Die Darstellungen aus Klopstock’s Messias, nach Zeichnung von Füger. 1 — 12 Blatt, gr. fol. in den ersten Drucke vor der Schrift., Preis 66 fl.

  3. Die sitzende Frau mit dem Buche in der Linken, nach Gobel, 1778, fol.

  4. Der tote Leander, nach C. Schutt; für das Wiener Galeriewerk. Für dieses Werk stach er auch einen Giorgione.

  5. Ein junger Bacchus, nach Golzius.

  6. Bildnis des Herzogs Carl von Würtemberg, nach Schlotterbeck.

  7. f)z;s Bildnis des geheimen Rathes Hochstetten in Stuttgart, lı )

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