Leybold, Carl, berühmter Maler, der Sohn des Obigen, wurde in Stuttgart geboren, kam aber mit dem Vater frühzeitig nach Wien, wo er an der Akademie der Künste den Kunststudien sich widmete. Früher hatte E. Wächter seine Schritte geleitet, und nachdem er jetzt in Wien einige künstlerische Selbstständigkeit erlangt hatte, begab sich Leybold nach Rom , wo bald neben Schick sein Name genannt wurde. Anfangs ergab er sich mit Vorliebe dem historischen Fache der Malerei , und als Probe seines Talentes in dieser Sphäre nennt man ein figurenreiches Bild, welches Cimos’ Wohlthatigkeit vorstellt. Dieses Gemälde erwarb dem Urheber vollen Beifall, dennoch aber ergab sich Leybold nach seiner Rückkehr in Stuttgart größtenteils der Bildnismalerei, die er aber mit Meisterschaft, im Geiste eines Historienmalers, übt. Im Kunstblatte von Dr. Schorn wurde dieses Künstlers mehrmalen mit Ruhm gedacht. In seinen Bildnissen befriedigt die charakteristische Achtsamkeit der Person eben so sehr, als die Schönheit der Anordnung und die grosse Kraft und Wahrheit des Colorits. Jedes seiner grösseren Bilder ist die Darstellung eines aus dem Leben gezogenen Moments, der nicht nur lebendig anspricht, sondern auch das Individuum im Allgemeinen charakterisiert, weil der Künstler in verständiger Wahl nur solche Momente benutzt, die nicht durch Heftigkeit, oder das Vorübergehende der Bewegung die Ruhe des charakteristischen Ausdruckes gefährden. Dabei gelingt es ihm, die zartesten Formen mit der ihnen eigenen Anmuth zugeben, da er, gleich stets das Grossartige der Züge suchend, in Ausführung einziglich mit grosser Genauigkeit der Natur folgt. Ausser gründlichen Formenkenntniss fordert ihn allerdings hierin auch die ausnehmende Wahrheit und Kraft seiner Färbung; Leybold hat alle seine Gemälde, seien es auch bloße Brustbilder, im klarsten Tageslicht. Die Blüthe und Wärme der Farbe erregt in diesen Bildern den angenehmsten Eindruck; die Figur tritt frei und lebendig vom Grunde hervor; in voller Individualität und in reiner historischer Treue. Die Bestrebungen dieses Künstlers, die Porträtmalerei des 19. Jahrhunderts auf die in technischer und kunstgerechter Hinsicht hohe Stufe zu erheben, auf welcher die Bildnisse der grossen italienischen und deutschen Meister des 16. Jahrhunderts stehen, sind in der That zu den glücklichsten zu zählen. Man darf nicht in Abrede stellen, dass namentlich dieser Künstler unseren Tagen den seltenen Verein der Naturwahrheit und feineren Behandlung — letztere weit entfernt von theatralischer Effekthascherei — gefunden habe.
Leybold wurde so sehr für das Portrait in Anspruch genommen, dass er seit seiner 1814 erfolgten Rückkehr aus Italien fast zu nichts Anderem Musse fand. Im Jahre 1826 erklärte das Kunstblatt von Dr. Schorn, und Göthe in seiner Zeitschrift über Kunst und Alter- thum, eine Zeichnung des Charos, den Tod im neugriechischen Sinne vorstellend, als des ersten Preises würdig, und ausserdem fanden wir noch eines großen Gemäldes mit Nymphen erwähnt, mit allem Glanze und Reize des Pinsels gemalt. Die beiden lebens- grossen weiblichen Figuren erscheinen in schönster Reinheit der Form, und besonders lebenskräftig ist die bräunliche. Sie befinden sich in landschaftlicher Umgebung, und diese ist eben so meister- haft behandelt, wie die menschlichen Gestalten. Form und Farbe lassen nichts zu wünschen übrig.
Ein vollendetes Kunstwerk ist sein Bildnis der Herzogin Pauline von Nassau, gebornen Prinzessin von Würtemberg, welches von J. G. Schreiner sehr getreu lithographiert wurde. Von sprechender Ähnlichkeit sind die Bildnisse des berühmten Dannecker, Gustav Schwab’s, und eines der größten und ähnlichsten ist auch jenes des Herrn von Cotta,
Leybold wurde 1828 Professor an der neu errichteten Kunstschule in Stuttgart,
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