Lessing, Carl Friedrich

Lessing, Carl Friedrich, Bruderenkel des großen Dichters, er selbst ein berühmter Historienmaler, wurde 1808 in Warle in Schlesien geboren. W. Schadow war sein Meister, welcher 1827 mit Hübner, Hildebrand und Sohn nach Düsseldorf zog, wo diese Meister den Stamm der neuen Schule bildeten. Cornelius mit seinen Schülern nach München zog. Dussek sagt Graf Raczinski in der Geschichte der neuern deutschen Malerei (J. 1490), erkennt in Schadow seinen Schutzgeist, und Lessing, der Urquell der geheimnissvollen und tietsinnigen Eingebung des unterscheidenden Gepräges dieser Schule, und wie Raczinski die Maler Hübner, Hildebrandt , Sohn, Bendemann, Stilke o. a. der Düsseldorfer Schule charakterisiert, werden wir an ihrer Schule sagen. Den Kunstcharakter Lessing’s bestimmt der edle Umgang, der folgt, nach der deutschen Übersetzung des F. H. van der P. J. 155. Klessing unterscheidet sich durch eine glückliche ...

dung des Romantischen mit der Richtigkeit und Strenge des Styls,
durch eine Gefühligkeit, welche die Betrachtung läutert, ohne
etwas von ihrer Kraft zu benehmen, durch einen Schwung, wel-
chen stets das richtige Gefühl und der gute Geschmack mässigen,
kurz durch den glücklichsten Einklang edler und zarter Gemüths-
bewegungen mit dem tiefsten Nachsinnen. Sein Talent ist unend-
lich mannigfaltig: bald ist es ein Dichter düsterer Balladen, bald er-
blickt man Eingebungen, welche an die Stanzen Rafael’s erinnern;
in anderen Darstellungen findet man Übereinstimmung mit Ro-
bert. Er hat auch Landschaften in mannigfaltiger Grösse gemalt,
mit einer Vollendung, welche keiner seiner Zeit übertroffen hat,
So heisst es bei Raczinsky.

Im Bericht über die Berliner Kunstausstellung 1836 S. 117 liest
man: Lessing’s gewaltige Kunst sei nur nach ihrem eigenen Maasse
zu messen, nur Männer, wie etwa Lord Byron oder Beethoven
seien ihm zu vergleichen. Er schaltet frei in seinem Gebiete und
frei über die Empfindungen des Beschauers. Widerstandlos stehen
wir seinen Gemälden gegenüber, er zieht uns hinein in die elegi-
sche Trauer, die seine Landschaften erfüllt, er reisst uns in den

ährenden Strom seiner Leidenschaft, er vernichtet uns in unserer

Unabhängigkeit, — und wir müssen seine Herrschaft anerkennen.
Seite 97 desselben Berichtes, der aus Dr. Kügler’s Museum einzeln
abgedruckt ist, heisst es weiter: dass die göttliche Wehmuth, die
in Lessing’s Gemälden mit der Charakterkraft historischer Schilde-
rungen innig vermählt ist, auch in die Natur seiner Landschaft
tief verwachsen ist. Vor ihm, heisst es weiter, habe es keine
solche Landschaft gegeben; nur Friedrich’s Hauptwerke können
in Vergleichung kommen, in so fern schon in ihnen die Natur
zu einer Harfe menschlicher Empfindung gestimmt war.

Das erste Werk, durch welches sich das neue Zeitalter ankün-
digte, das für die Malerei zu Düsseldorf sich eröffnete, ist nach
Raczinski Lessing’s trauerndes Königspaar, das 1830 auf der Kunst-
ausstellung zu Berlin erschien, und sich jetzt im Besitze der Kai-
serin von Russland befindet; Früher malte er den Räuber in einer
Landschaft, mit seinem Knaben am Felsen sitzend, den Kopf auf
die Hand gestützt, wie er sinnend hinausblickt in die Gegend, ein
reizendes Genrebild, bei Raczinski im Holzschnitt gegeben, und
im Besitze des Malers Solin. Es ist auch lithographiert. Für den
Bankier Fränkel in Berlin hat es Lessing wiederholt. In dem
trauernden Königspaar, daselbst ebenfalls in Holz geschnitten, hat
sich Lessing endlich hinsichtlich der Reinheit des Styls und der
Strenge der Stellung und Zeichnung zu einer bedeutenden Höhe
erhoben. Dieses Gemälde enthält zugleich eine geschichtlich merk-
würdige Tatsache, nämlich, dass Schadow für den Kopf des Kö-
nigs zum Vorbilde diente. Der Kupferstecher Lüderitz in Berlin
hat dieses Bild gestochen, nach Lessing’s Originalzeichnung. Die
Zeichnungen dieses Künstlers sind von hohem künstlerischen Wer-
te, und nach Raczinski’s Urteil kann man nur aus diesen sein
bewundernswürdiges Talent gründlich kennen lernen. Diese
Zeichnungen geben eine viel richtigere Vorstellung seines Verdien-
stes, als es die kleine Anzahl von Ölgemälden zu thun vermag, und
die überdies weit zerstreut sind. Unter den bis zu des Grafen
Raczinski’s Zeit gefertigten Zeichnungen, stellt letzterer jene von
Huss, wie er sich vor seinen Richtern vertheidigte, oben an, und
nach dieser hebt er den Tod des Hohenstaufers Friedrich II. und
zwei Darstellungen aus der altdeutschen Heldendichtung Walther
und Hildegunde hervor. Die Zeichnung mit dem Hohenstaufischen

Kaiser liess der Graf in einem grossen für die erwähnte Geschichte der neueren Keller in Kupfer gestochen. Die Zeich und Huss besitzt der Banquier Fränkel, kennzeichnen Lessing’s eigenthümliches Richtung an, in welcher er, vielleicht höchsten Ruhm erreichen würde. Dem durch diese beiden Zeichnungen, und ernden Königspaares, der Lessing’s Genie gungen am meisten geeignete Umkreis ge nung von Huss ist in der erwähnten G sehr ausführlich beschrieben. Sie ist mi Lessing musste sich gegen die Einwürfe: in dieser Zeichnung ausgedrückte Sinn } sah darin einen Angriff gegen den geistl

gen die katholische Religion. Lessing si scien es, die ihn hindern, einen Heilig Die oben erwähnten Gemälde sind in welche Lessing gemalt hat; an diese sch dene andere Meisterwerke. Im Jahre 18 eines verfallenen Kirchhofes zu der Au dieses Bild zog sogleich die Aufmerksamt Ein anderes Gemälde, das neben dem C bisa$ derselben Zeit angehöret, stellt ein Composition, im Besitze des Oberbürge Nach diesen folgen das oben erwähnte trauernde Königspaar vorstellt und die S: teres im Carton von 1828 mit etwas un! den Gestalten. Die Brüder Frings in Oelbild der Schlacht von Iconium, von I bild dieser Schlacht, in welcher Friedrich sing zu Heltorff im Schlosse des Grafen | und hier auch sein Talent in dieser Kunst malte Lessing das durch Jentzen’s schöne | der Leonore nach Bürger’s Ballade, im Besi Die Gestalten sind unter Lebensgrösse. |

163 im Holzschnitt gegeben. Der Kron mälde des fanatischen Hussiten, der im| in der Ferne Brand und Verwüstung hau grosser Bewegung. Die Zeichnung war und 1836 brachte er das Gemälde zur

Werk, wie in Gruppirung, so in landschaft diesem Bild, das in den Berlinischen | näher beschrieben ist, schen wir mehr & theilhattesten und sprechendsten Stellung pirt und nur dem Bilde gegenüber ert

feinen Abstufungen im Ausdruck der { Haltungen, die Charakteristik der Stell keit des landschaftlichen Grundes, diei

können Stundenlang den Beschauer hier bewundern lassen, der sich in allen The

grossem Glücke bewegt.

Ein ausgezeichnetes Bild gewährt auch

ritter, von welchem der Referent in der Noutizen sagt, dass er in der That nich das Ross oder die Landschaft am meister

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zergliedert und gewürdigt ist dieses Bild auch in dem Berichte über die Berliner Kunstausstellung S. 07., wo man 'ein Gleiches über das Gemälde der Kreuzritter %mdct.

Ein Bild, welches früher auf der Berliner Kunstausstellung von 1850 die grösste Wirkung hervorbrachte, ist das ehedem im Besitze des Grafen von Spiegel, Erzbischofs von Cöln, befindliche Gemälde welches einen mit Schnee bedeckten Klosterhof darstellt. Dieses Werk, sagt Graf Raczinski, überragt eben so weit alle Leistungen im landschaftlichen Fache, als sich nichts von Historienbildern an jene Composition erhebt; ja es gibt Manche, welche dieses Stück in seiner Art noch für vollendeter halten wollen.

Hier ist Winter mit solcher Kraft, bei so wenig Mitteln, als er vielleicht noch nie gemalt worden. Kein enger Klosterhof ohne grosse Pergolen zwischen den ihn zur Seite einschliessenden Gebäuden; durch den byzantinischen Bogenstil des Hauptgebäudes blickt man in einen freien Corridor, ein Sarg steht aufgerichtet, das Hochamt wird so eben gehalten, und ein Zug von Mönchen in dem Corridor zieht zur heiligen Handlung hin. Auf dem Hofe sieht man nur zwei nahe verwachsene Tannen, zum Teil mit kahlen Stämmen, und einen Brunnen an der Seitenmauer. Die Wahrheit des Ganzen ist ausserordentlich, im leichten Flocken- schnee, im gefrorenen Wasserstrahle, in der Tanne mit ihren be- schneiten Ästen, in der Wirkung der kalten Luft des December- morgens, in der Kerzenbeleuchtung des Innern, in der Mischung eines Lichtes auf dem Schnee der gewellte mit der Tageshelle etc. Das Grossartigste, Bedeutungsvollste und Tiefste, was die poeti- sche Einheit des Ganzen zusammenhält und dem Beschauer näher entgegen bringt, sind die an der Pforte des Klosters tief gebückt, stillsinnend dasitzenden alten Steinstatuen, über Schooss, Nacken und Haupt still verschneit. Über der Thüre sieht man Maria mit dem Kinde durch den Schneeschleier hindurch. Dieses Bild ist nur ohngefähr 2 Fuss breit und 1} Fuss hoch. Bei Raczinski ist dieser Klosterhof von Unzelmann in Holz geschnitten. S. 165,

Eine andere treffliche Landschaft dieses berühmten Künstlers stellt ein Schloss am Meeresufer dar, und meisterhaft ist auch das Ge- mälde einer Gebirgsgegend mit Aussicht auf eine Schlucht; auf der Anhöhe im Vorgrunde ein brennendes Dorf. Neuere Bilder von 1837, so wie die erwähnten von ausgezeichnetem Verdienste, sind: Wald- und Felsenlandschaft mit Reisenden in Andacht vor dem Heiligenbilde in der Königseiche, im Besitz des Kaufmanns John zu Frankfurt am Main; die Skizze zu diesem Bilde, bei E. Stein- brück zu Düsseldorf; Walters Entführung der Hildegunde, nach einem alten Heldengedichte aus der Zeit der Niebelungen, im Besitz des Banquiers Frenkel zu Berlin; des Waidmanns Selbsteinkehr und Beichte auf Waldespfad, für Major von Liebermann in Düsseldorf ge- malt; felsiges Flussufer mit Fernsicht, Sonnenuntergang bei Mon- desaufgang; felsiges Flussufer bei abziehendem Gewitter,

Im Jahre 1838 vollendete er das Bild des Ezzelino, Tyrannen von Padua, im Kerker mit zwei Mönchen, deren Bekehrungsver- such scheitert, lebensgrosse Figuren, im Städel’schen Museum zu Frankfurt. Die kleine Farbenskizze besitzt der Maler Ehrhard zu Düsseldorf. In der neuesten Zeite entstand auch seine Darstellung der

Türmung einer Bresche zu Iconium durch den Herzog von Schwa- ben, der des Künstlers Bildnis ist, im Besitze des Banquiers Fren- kel; der verirrte Reitersmann bei der Höhlerhütte; der betende Pilger beim Heiligen-Häuschen am dürren Eichenstamm, im Be- sitze des Hauptmanns von Hotten zu Düsseldorf,

Nagler’s Künstler - Lex. VII. Bd. 30

Mehrere Werke dieses berühmten Künstlers sind durch Abbildungen bekannt, Gubitz hat einige in Holz geschnitten, andere sind lithographiert. Im Kunstbuche der Düsseldorfer Malerschule ist das Bild der Ermordung Philipp’s von Schwaben durch Otto von Wittelsbach von Papin lithographiert. Für den rheinisch-westfälischen Kunstverein hat A. Hoffmann 1836 die Entführung im Schlitten nach Lessings Handzeichnung gestochen, qu. fol. Ein Vereinsgeschenk ist auch die oben erwähnte lithographierte Nachbildung der Leonore durch F. Jentzen. Zu Reinick’s Gedicht: König Erich, radirte Steifensand Randarabesken nach Lessings Zeichnung. Andere Abbildungen haben wir schon oben erwähnt wie den Stich des trauernden Königspaares von G. Lüderitz, der 1838 auf der Berliner Kunstausstellung zu sehen war. Die erwähnte Hussitenpredigt hat A. Hoffmann gestochen. Auch dieses Blatt war 1853 in Berlin zur Schau gestellt;

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