Lepoitevin, Eugène Modeste Edmund, berühmter Maler, wurde zu Paris geboren, und hier machte er unter Hersent und an der k. Akademie der schönen Künste seine Studien; dieses mit solchem Glücke, dass er bereits zu den besten Meistern der neuern französischen Schule gezählt wird. Er malt Szenen jeder Art, Schlachten, Jagden, Interioren, Landschaften und Marinen, und mehrere seiner letzteren Bilder wurden auch in deutschen Kunst- journalen, besonders im Kunstblatte von Dr. Schorn, und in Ber- liner Blättern erwähnt.
Lepoitevin vereiniget in seinem Charakter alle jene Eigen- schaften, welche bei den französischen Meistern hervorgehoben werden, und bei ihm ist auch noch der Fortschritt zu sehen, der sich in Frankreich durch die so viel bekämpfte romantische Schule zum Gegensatz der klassischen dargestellt. Diese bietet das Künst- liche als Hauptmoment dar, und in jener ist dieser das rein Menschliche. Der Classiker wirkt auf das Auge und den ästhetischen Sinn, der Romantiker appellirt an das Herz und erschüttert es durch menschliche Schicksale. Ein Meisterwerk dieser Schule ist
Lepoitevin’s Untergang des französischen Linienschiffes „le Ven- sure“, das 1836 auch auf der Berliner Kunstausstellung zu sehen
Nagler's Künstler-Lex. VII. Bd, 29
war, und in den Berliner Nachrichten No. 233 beurtheilt und be- schrieben wird. Der Anblick, heißt es, ist ergreifend. Das Ele- ment hat sich zum Untergange des Schiffes mit dem Feinde ver- schworen, und ein ganzes Heer von Verzweiflung nimmt die Un- glücklichen gefangen. Es ist dieses ein wahrhaftes Bild der Zer- störung, ohne Mittelpunkt und dennoch in sich eins; großartig in kühner gewaltiger Auffassung. Auch in des Grafen Raczin- s Geschichte der neuern deutschen Kunst I; 371 ist diesem großen Bilde Lob gespendet. Der Verfasser erklärt es als eines der bedeuten- desten Genrebilder, doch sagt er, die Art, wie die Figuren über einander gedrängt erscheinen, in den beiden Böten, welche die Schiffsmannschaft aufnehmen, mache vielleicht keine gänzliche Wirkung, und das Licht sei über diese grosse Menschenmenge in Uniform auf eine zu einförmige Weise verbreitet. Indessen darf man nicht verkennen, wie viel Talent dazu erforderlich war, es so zu machen, wie es hier gelungen ist.
Sehr schön ist auch seine Ansicht aus der Bretagne zur Ebbezeit, im Palast Luxembourg:
Im Jahre 1838 kaufte der Kaiser Nicolaus von Russland eines seiner herrlichen Seebilder.
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