Leochares, Erzgiesser und Bildhauer von Athen , Zeitgenosse des Scopas und Polycles. Seine Thätigkeit ist um Ol. CII. — CXI. zu suchen, Mit Ol. 4102 lässt ihn Plinius seine Bahn betreten, und auf dieser schritt er bis nach Ol. 107 rühmlich fort. Man weiß nämlich, dass er mit Bryaxis, Timotheus und Scopas an dem berühmten Grabmale des Mausolus gearbeitet habe, und dieses geschah in der bezeichneten Olympiade, wie die Archäologen Thiersch, Müller, Sillig u. a. darthun. Die Vollendung dieses Werkes dürfte sich in die Länge gezogen haben, und daher dehnt man auch die Thätigkeit dieses Künstlers gegen Ol. CXI. aus.
Wie sich zur Zeit des Leochares die griechische Kunst gestaltet habe, ist im Artikel der Kunstheroen jener Periode, des Scopas und Praxiteles, zu legen. Nach dem Peloponesischen Kriege erhob sich zu Athen und in der Umgegend eine neue Kunstschule , welche dem Gefälligen, dem zarten Schönen huldigte, neben der edlen und grossartigen Auffassung der älteren Schule eines Phidias . Die- sen Geist athmeten die Werke des Leochares. Sein Ganymede, der vom Adler emporgetragene Liebling des Zeus, war eben so reizend als edel aufgefasst. Dieses berühmte Bildwerk war von Erz, und so zart gedacht, dass man es, nach Plinius Ausdruck, selbst dem Adler ansah, wie behutsam er zu Werke gehe, damit der Knabe von den Klauen selbst durch die Kleider nicht verletzt werde. O. Müller erkennt in der Statue im Pio-Clement. III. 49 eine sichere Nachbildung des Ganymed von Leochares . Diese Statue stellt die Hingebung des geliebten Knaben an den Erasten in der andeutenden Manier des Alterthumes dar. Dass der Adler die Lie- benden selbst bedeute, tritt z. B. auf den Münzen von Dardanos deutlicher hervor, wo der Gegenstand frecher behandelt ist.
Leochares fertigte auch eine Statue des Apollo, im Keramaikos aufgestellt, jenem des Calamis gegenüber. Auf der Burg stand von ihm eine Statue des Jupiter, welche Meyer und andere mit jener des Jupiter Polieus, deren Entstehung man nicht kennt, verwechseln; allein Pausanias erwähnt die Bildsäule des Leochares und der andern aus unbekannter Zeit. Seine colossale Statue des Mars, die auf der Burg zu Helikarnass war, erklärten Einige für ein Werk des Timotheus, und dann erwähnt Pausanias auch noch eines Bildwerkes im langen Gange des Piräus, Jupiter und das Volk vorstellend.
Von Leochares hatte man auch Bildnissstatuen makedonischer Fürsten, wie jene des Philipp, Alexander, Amyntas; Olympias und Euridice, aus Gold und Elfenbein. Timotheus, der Sohn des Conon, liess durch ihn die Statue des Isocrates machen, um sie in Eleusis aufzustellen, Isocrates starb bald nach der Schlacht bei Cheronea.
Das oben erwähnte Mausoleum war ein quadratischer Bau (412 F. von Pytheus und Satyros, mit der Quadriga 104 Fuss hoch. Die Reliefs des Frieses sind von den erwähnten Künstlern ausgeführt, von denen wahrscheinlich noch Reste auf der Burg von Budru sich finden. Einiges davon ist in R. Dalton’s Antiq. and view in Greece and Egypt. 1791, Anhang: Jonian Antiq. II, pl. 2. ad in der 2. Ausg., abgebildet. Über das Philologische s. Thiersch Epochen, Sillig’s Catalogus, dann auch Müller’s Archäologie.
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