Lemoine, Johann Baptist

Lemoine, Johann Baptist, Bildhauer, wurde 1704 zu Paris geboren, und den ersten Unterricht ertheilte ihm sein Vater. Lorrain lehrte ihn den Meissel führen, und da auch de Troy und Largillière ihn mit Rath und That unterstützten, so erhielt er schon im zwanzigsten Jahre den großen Preis. Er hätte jetzt seine Studien in Rom fortsetzen können, allein der zu zärtliche Vater konnte sich von seinem Söhnchen nicht trennen und er bat den Herzog von Antin, die Abreise zu hintertreiben. Der junge Lemoine arbeitete jetzt in Paris , und als eines seiner ersten Werke nennt man die Taufe Christi, die er mit seinem Oheim für St. Jean en Grève ausführte. Der Christus war von ihm, aber dieser heilige Gegenstand begeisterte ihn nicht zum Ideale, sondern ein schöner Schauspieler, Namens Chasse, musste beim Kopfe zum Modelle dienen.

Das Publikum aber staunte über das Talent des 25jährigen Jünglings, und dieses Werk verschaffte ihm den Auftrag zur Ausführung der Reiterstatue Ludwig’s XV. für Bordeaux . Dieses Bild erwarb ihm die volle Gunst des Königs und einen Jahrgehalt vom 1500 Liv. Ges. v. N. Dupuis. Hierauf fertigte er das Grabmal Mignards’ in der Jakobiner-Kirche, dann jenes von Crebillon, ersteres durch den Stich von B. l’Epicier, das andere durch jenen von A. St. Au- bin bekannt. Um jene Zeit erkrankte der König und aus lauter Freude über die Genesung liessen die Stände der Bretagne in Ren- nes ein Monument errichten, was dem Könige wieder so wohl g

Dass er dem Künstler zu Gevatter stand, und noch bei der Verheirathung der Tochter dem Vater 25000 Liv. schenkte. Jetzt führte er für die Kirche St. Louis du Louvre das Mausoleum des Cardinals Fleury aus, und dann kam er auf den Einfall, das Ge- heimnis der Verkündigung in einem Basrelief von vielfarbigem Marmor darzustellen. Dieses Werk zog ihm einigen Tadel zu, gegenüber aber zählt man seine Statue des heiligen Gregor, welche er neben jener der begeisterten St. Theresia für die Kirche der Inva- liden fertigte, zu seinen besten Werken. Hierauf ging er wieder an größere Werke, wozu zwei Statuen des Königs zu Fuss gehörten; einmal für die Militärschule. Da war der König als Jupiter mit Donnerkeil und Adler dargestellt, ersterer wurde aber später in einen Scepter, letzterer in einen Helm metamorphosirt, bis endlich die Revolution allen seinen Königsstatuen ein Ende machte. Für den König von Preussen führte er die lebensgrosse Statue des Apollo aus, und diese erklärt man als eine seiner Hauptarbeiten; dazu kommen noch zahllose Büsten, und darunter sind mehr als 100 des Königs.

Lemoine äußerte auf die damalige Kunst der Bildhauerei den größten Einfluss, aber nicht den wohlthätigsten. Er verwarf das Schild der Natur und bewirkte dadurch den Verfall der Kunst. Auch überschritt er die Grenzen der Plastik, dass er sie zur Nach- ahmerin der Malerei machte. Sein Sinn war nicht für wahre Schön- heit erschlossen, Ziererei ist bei ihm an der Stelle der Anmut und ungesuchter Grazie. Dennoch glaubte man, sein Meißel werde von Grazien geleitet. Er war indessen ein Künstler voll Geist und Leben. Die Form erscheint bei ihm in ihrer Reinheit. Rom sah er nicht, die antike Kunst blieb ihm fremd, und nach den Gemälden der damaligen französischen Meister konnte sich kein Bildhauer zum echten Künstler bilden.

Vergeblich war Lemoine ein Mann von edlem Charakter, voll Gefälligkeit gegen seine Schüler. Im Jahre 1778 starb er. Dandre- Bardon schrieb 1779 sein Eloge historique, auch d’Argensville und Watelet erwähnen ihn.

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