Lemoine, Franz

Lemoine, Franz, Maler, wurde 1688 in Paris geboren, und Tournieres und L. Galloche waren seine ersten Lehrer. Im Jahre 1724 besuchte er Italien, nachdem er schon in Paris mehrere Be- der geliefert hatte, hielt sich aber nur ein Jahr in Rom auf, und die Muster, welche er sich in Italien aussuchte, waren die Werke Guido Reni’s, C. Maratta’s und jene des Pietro da Cortona. Die beiden Letzteren Meister hatten damals classisches Ansehen, und man dachte gar nicht an Rafael oder an andere hochbegabte Mei- ster. Nach Verlauf der erwähnten Frist kehrte Lemoine nach Pa- ris zurück, und sein Ruf war begründet. Schon hatte ihm die Akademie ihre Thore geöffnet, aber erst 1730 wurde er ernannt königlicher Maler. Diese Ehre genoss er jedoch nicht lange mehr, denn durch angestrengtes Arbeiten geschwächt, verfiel er in Schwer- muth, in Folge deren er sich 1737 entleibte. Sieben Jahre lebte er mit einer Gattin, die ihn kinderlos ließ.

Günstling F. de Troy theilen, und nur in seiner Apotheose des
Herkules, an der Decke des grossen Saales in Versailles in Öl auf
Leinwand gemalt, machte ihm niemand den Rang streitig. Der
Künstler malte hier in grossem Raume 142 Figuren, die in neun
Gruppen verteilt sind. Man bewunderte darin die Lebendigkeit
der Darstellung, die schöne Färbung, die gefällige Beleuchtung,
und der weise Fleury war ganz bezaubert. Er meinte dieses Bild
verderbe ganz Versailles, was er doch wohl so verstanden, dass
es vor allem was aus früherer Zeit dort vorhanden war, den Blick
abziehe. Wie müsste sich jetzt diese kostbare Malerei, zu welcher
der Künstler allein um 10000 Fr. Ultramarin verbrauchte, zu den
Prunkstücken der modernen französischen Kunst in jenem Königs-
schlosse ausnehmen! Indessen ist Lemoine einer der wenigen

Künstler, welche in Frankreich zur Zeit des herannahenden Ver-
falls der Kunst sich noch mit einiger Würde zur Selbstständigkeit
erhoben, und einem besseren Geschmacke huldigten, als der andere
Tross von Malern. Er componirte in grossem Stile, doch ohne
mit jener Strenge einer früheren Zeit zu verfahren. Seine Figuren
sind nicht so theatralisch, wie dieses in der französischen Schule
damals gewöhnlich war. Watelet und Levesque behandeln ihn
streng, gestehen ihm aber dadurch, dass sie sagen, Anordnung und
Stilang der Figuren sei wahr und natürlich, mannigfaltig, und die
Grazie seiner Gestalten sei nicht gesucht, und ungezwungen, gerade
zu Vorzügen. Sie räumen ihm auch großes Verständnis in
malerischen Maschinerie ein, aus der Reihe großer Coloristen
schliessen sie ihn aber aus. Auch in der Zeichnung hatte Lemoine
seine Schwächen, besonders in der Musculatur, allein er bestach
daher Auge durch Wahrheit und Mürbigkeit, mit welcher er die
Fleischteile behandelte. Seine Tinten sind frisch und lebhaft, an-
gemessen und bei glücklicher Verteilung von Licht und Schatten
eilt es auch nicht an Harmonie.

Solche Vorzüge gestehen ihm die strengen französischen Kunst-
richter zu; setzen aber doch wieder bei, dass Lemoine in keinem
Theile der Kunst stark gewesen, wo Festigkeit verlangt wurde.
Seinen Figuren gebricht es an Adel, die männlichen sind ohne
Charakter, die weiblichen artige Geschöpfe, ohne höhere Schön-
heit. Bekleidet sind seine Gestalten auf angenehme Weise, doch
darf man einen Styl der Draperie darin nicht suchen. Ein Haupt-
vorteil bleibt die ihm eigene Leichtigkeit im Umrisse der Figuren,
und seine große Anmut in den frischen und lebhaften Tinten.

Der Plafond in Versailles erhob ihn auf den Gipfel des Ruhmes.
Er wurde nach Vollendung desselben an der Stelle des L. de Bou-
logne erster Maler des Königs; allein jetzt folgte ihm auch der
Hass und ein Heer von Neidern. Jetzt drängte man das Gute, wel-
ches er besass, in den Hintergrund, man zählte nur die Fehler,
und der Cortona Frankreichs ward von den Kunstgenossen, die
sich an Verdienst mit ihm nicht messen konnten, angefeindet und
verachtet. Schon ohnehin angegriffen fühlte er sich jetzt doppelt
verkannt, und als sich zu seiner Melancholie noch die Idee ei-
ner Beraubung seiner persönlichen Freiheit gesellte, so brachte er
eines Morgens neun Stiche bei, weil er glaubte, man komme,
um sich seiner zu versichern. Er fiel tot zu den Füßen seines
Freundes Berger, der gekommen war, um ihn mit sich auf das
And zu nehmen.

Die Werke Lemoines sind zahlreich, und am liebsten war es
Ihm, grosse Räume bemalen zu dürfen, denn er wollte gerne öffent-
lich glänzen. Der Plafond des Jakobiner-Chors in der Bacqstrasse

malte er um geringen Preis, auch die Transfiguration am Plafond in St. Thomas d’Aquin ist sein Werk, aber die von N. Silvestre gestochene Skizze eines Plafonds für die Bank zu Paris kam nicht zur Ausführung. Auch kleine Bilder werden mit Auszeichnung genannt. Für sein Meisterstück in Öl hält man die Flucht nach Aegypten, welche er für die Nonnen der Himmelfahrt Maria malte. Das Pariser Museum hatte 1830 noch kein Werk von diesem Künstler aufgestellt, dagegen aber bewahrt die königl. Pinakothek in München ein solches, und dieses ist überhaupt eines der schönsten und größten Staffeleibilder des Meisters. Es stellt eine Jagdgesell- schaft vor, wie sie im Freien bei einer Mühle Erfrischung zu sich nimmt. Mehrere seiner Gemälde wurden gestochen, besonders von L. Cars. Dieser stach Adam und Eva von der Schlange versucht, Herkules und Cacus, das Aufnahmsstück, die Verkündigung Ma- riä, die Entführung der Europa, Aurora und Cephalus, Herkules und Omphale, Perseus und Andromeda, die Zeit entdeckt die Wahr- heit, eine Frau im Bade, das Opfer der Iphigenia, Allegorie auf

die Geburt zweier Prinzen.

St. Fessard stach die erwähnte Apotheose des Herkules. Andere Werke von Lemoine zählten wir in den Artikeln der Stecher: Levasseur, Thevenard, W. Walk, Fessard, Desplaces, Silvestre, Pelletier, Ravenet, N. Cochin, Beauvarlet, F. Aliamet, L’Armessin etc.

Dann hat er selbst radiert:

  1. Die Verkündigung der heil. Jungfrau, kleines Oval.
  2. Eine kleine Landschaft.

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