Leeb, Johann., , 391
Paris für Höchstdenselben ‚angekauften Albanischen Sammlung sach München, wo der Bau der k. Glypthotek bereits im Gange war. Für dieses Prachtgebäude fertigte Leeb während zwei Jahren eine grosse Anzahl von Gypsmodellen zu architektonischen Verzie- rungen, und nun wagte er sich auch an die Darstellung einer menschlichen Figur. Er fertigte eine lebensgrosse Statue der Psy- che, die mit solcher Zufriedenheit aufgenommen wurde, dass der bisherige Ornamentist auf zwei Jahre ein Stipendium erhielt, um in Rom sich dem höheren Fache der Sculptur zu widmen. Im Jahre 1817 kam er in Rom an, und hier nun fand sein Geist reiche Nahrung. Die ersten Bildwerke, welche er daselbst ausführte, sind ein Basrelief mit drei Hörnen, welches den Pegasus pflegen, und die Statue einer Bacchantin. Im Jahre 1820 reiste er nach Neapel , und da führte er für den Herzog von Alba eine lebens- grosse Figur des Hylas und einer Nymphe in Marmor aus, die aber später auf dem Transporte zur See zu Grunde gegangen sein soll. In Neapel meisselte er auch eine Psyche in Marmor, und den berühmten Paganini stellte er in einer Büste dar. Nach drei Jah- ren kam er wieder in Rom an, wo ihm jetzt Thorwaldsen sein Atelier öffnete; doch auch von Aussen her erfolgten ehrenvolle Aufträge. Kronprinz Ludwig von Bayern liess durch ihn neben anderen die colossale Büste Boerhave’s für die Walhalla in carrarischem Mar- mor fertigen, und der König von Würtemberg vertraute ihm die Ausführung der Marmorstatue des Evangelisten Matthäus an, ein mehrindung einfaches und großartiges Werk, in der Grabkapelle auf dem Rothenberg bei Stuttgart aufgestellt. Dieses Werk, unter der Leitung Thorwaldsen’s geformt, erwarb dem Künstler ehren- volle Anerkennung. Zu jener Zeit fertigte er auch die Statue eines Jungen Mädchens mit einem Neste voll Amoretten in Marmor, und für den Grafen von Schönborn bildete er einen schlafenden Amor in Marmor, ein wegen der Natürlichkeit in Stellung und Ausdruck gerühmtes Werk, so wie das Basrelief der drei Hörner mit dem Pe- gasus in gleichem Stoffe, im Besitze des Grafen de Bray. Nach einer Cap der guten Hoffnung ging eine Marmorbüste,
Alle diese Werke führte Leeb in Italien aus, und 1826 kehrte er endlich nach München zurück, wo ihm nicht weniger ehren- volle Aufträge zu Theil wurden. Seine Werke sind die Büsten von zehn der berühmtesten Tonsetzer im grossen Saale des Odeon, und 1827 modellirte er für den Grafen de Bray ein 35 Fuss langes Relief mit Darstellungen aus der Odyssee. Dieses Relief ist in Irlbach zu sehen, wo auch das Basrelief der Hörner sich befindet. Dann fertigte Leeb auch mehrere schöne Grabmonumente. In der Kirche zu Niederaschau ist das 15 Fuss hohe Denkmal des Grafen Max von Preising von weissem Marmor sein Werk, und in der Kirche zu Donzdorf stellte er das Denkmal der Gräfin von Rechberg auf. In den Arkaden des Gottesackers in München ist das schöne Mo- nument, welches er für Lorenz von Westenrieder ausführte. Im Vestibülum des allgemeinen Krankenhauses sind seine Denksteine des Simon und Xaver von Häberl.
Im Giebelfelde der k. Glypthotek sind zwei Statuen in Marmor sein Werk, und zwei Säle in diesem Gebäude sind von ihm dekoriert. Im Jahre 1835 stellte er in einem Marmor-Basrelief die Vermischung des Rheins mit dem Main dar, in allegorischen Gestalten, der König Ludwig I. zwischen der Germania und Bavaria als Vermittler. Dann fertigte Leeb auch mehrere Büsten. Im Jahre 1832 modellirte er jene der griechischen Deputirten Botzaris, Miaulis und Kaliopulos. Von Miaulis fertigte er auch eine kleine Statur.
tae, die Stiegelmayer in Erz goss; Der edle Grieche ist darge- stellt, wie er sich auf den Anker stützt, in der Rechten das Fern- rohr. Wir haben von ihm auch ein marmornes Brustbild des Gra- fen von Bassenheim, ein solches des Königs Ludwig, und eine colossale Büste desselben in Gyps u. s. w.
Eine besondere Erwähnung verdienen ferner seine Modelle zu Öffentlichen Brunnen, und davon ist der Brunnen des Eros, aus zwei übereinander befestigten Wasserbecken bestehend, auch in Erz gebildet. Der Brunnen der Bavaria ist achteckig mit zwei Reihen Wasserbehälter, und das Ganze krönt die Bavaria. Vier Löwenköpfe geben Wasser, und umher reihen sich die acht Fluss- götter Bayerns. Der Brunnen der Aphrodite zeigt die Venus vic- trix mit Eros, und zu ihren Füßen sind vier Tiergestalten, welche Wasser ergiessen. Der Brunnen der Scylla stellt diese dar, zwei Hunde; die abwärts Wasser in das Becken ergiessen, während selbes zwei Delphine aufwärts treiben. Der Brunnen der Hippokrene zeigt Bellerophon mit dem Pegasus auf einer Wasserbahn, und an den Stufen sitzen die Minnesänger Wolfram von Eschü- bach, Conrad von Würzburg, Conrad von Kirchberg und Hein- rich von München.
Ein grossartiges Werk ist das Gypsmodell einer Reiterstatue, die man auf der Münchner Kunstausstellung von 1838 mit allgemeinen Beifall betrachtete. Dieses grosse und schöne Werk stellt Sypilus, den Niobidenjüngling, auf büäumendem Rosse in dem Augenblicke dar, wie er vom tödtlichen Pfeile getroffen sich zurückbiegt, und im nächsten Augenblicke vom Pferde herab in die Arme des Todes sinken wird. In diesem Werke ist Erfindung, Anlage und Aus- führung von gleicher Vortrefflichkeit, welche sich in dem grossen und lauten Eindruck des Ganzen als in ihrer vollen Wirkung offen- bart. Das Pferd, arabischer Race, ist nach einem schönen, in voller Lebenskraft stehenden Original im Besitz des Kronprinzen gebildet. Dieses Werk wird in einem Berichte über die plastischen Werke der in München 1838 stattgefundenen Kunstausstellung in der Allgemeinen Zeitung, auss. Beilage No. 592, mit verdienter Auszeichnung erwähnt, und das Pferd den besten und größten Mustern der Art, die uns aus dem Alterthum erhalten sind, an die Seite gestellt, so wie sich denn Leeb durch dieses Werk den besten Meistern unserer Zeit anreihen lässt. Diese in der Idee neue Reiterstatue des Niobiden wird auf einem Postamente ruhen, welches in zwei Relieven den Tod der Söhne der Niobe durch Apollo, und jenen der Töchter durch die Diana vorstellt. Die zwei schmalen Seiten werden die Genien des Todes und des Lebens enthalten. Es wäre nur zu wünschen, dass der Künstler in unserm kunstlie- benden Vaterlande Gelegenheit fände, diese Gruppe als eine vor- zügliche Zierde neuerer Sculptur in Bronze oder in Marmor auszu- führen. Mehreres s. die erwähnte Allg. Zeitung.
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