Lazzari, Donato

Lazzari, Donato, berühmter Architekt, unter dem Namen Bramante bekannt, wurde 1444 geboren. Der Ort seiner Geburt wird verschieden angegeben, die Mehrzahl der Schriftsteller nennen jedoch Castel Durante bei Urbino als solchen; Bonaventura und Balde lassen ihn aus Urbino stammen, Crescembini, Mazzuchelli und Tiraboschi leiten seinen Ursprung aus Castel Ferminzano, oder aus der Ortschaft Monte Asdrualdo ab; Sebastian Nocchi (de bello Asdrubalis p. 54) hat indessen die sichere Kunde beigebracht, dass seine Eltern aus Castel Durante (jetzt Urbania ) stammen, er selbst aber in Monte Asdrualdo geboren sei. Es existiert auch eine Münze (bei Mazzuchelli), mit der Inschrift: Bramantus Asdrualdinus. Diese letzteren Nachrichten sind im Giornale archeologico 1823 mitgeteilt. Von der Jugendgeschichte weiß Vasari nicht; er sagt nur, dass Fra Carnevale, — der alte ehrwürdige Dominikaner Bartolomeo Corradini, — der Meister gewesen, dessen Werke er studierte. Nun erzählt Vasari, dass Bramante seine Heimat verlassen, einige lombardische Städte besucht, und kleine Arbeiten, so gut er nur konnte, geliefert habe. Dieses waren Gemälde, denn Bramante übte anfänglich die Malerei, bis er endlich nach Mailand kam, wo der großartige Dombau seine Neigung der Architektur zuwendete. So meint Vasari, allein Lanzi befürchtet, Meister Giorgio habe nicht eben sorgfältig Nachrichten über diesen großen Mann gesammelt, und Pagave scheint ihm geforscht zu haben. Dieser bemerkt, dass Bramante um bereits als Meister nach Mailand gekommen, nachdem er in der Romagna Paläste und Tempel aufgetragen hatte. Von dieser Zeit an bis zum Sturz des Moro (1499) blieb er in Mailand, wo er dem Hofe für reichlichen Gehalt diente und auch von Privatleuten oft als Baumeister, nicht selten als Maler gebraucht wurde. Bramante war ein tüchtiger Maler, doch weiß man nicht sicher, wie ihn dazu gebildet. Vermutlich gab ihm Carnevale, neben dem Unterrichte in der Zeichnung und Perspektive, auch Anweisung in der Malerei, oder es sind da della Francesca und Mantegna hier seine Meister gewesen, wie einige wollen. Am meisten malte er im Mailändischen, wie Cesariano und Lomazzo behaupten. Letzterer nennt Bildnisse, heilige und profane Gemälde mit Leimfarben und auf Kalk gemalt. Lomazzo erkennt darin im Allgemeinen die Behandlung des Mantegna. Wie dieser, so bekleidete auch er die Modelle bald mit leinengetränkter Leinwand, bald mit Pigmenten, und zu seiner Leimfarbenmalerei brauchte er gleich jene:

Meister ein gewisses klebrichtes Wasser, was Lomazzo aus einem von ihm selbst gereinigten Gemälde Bramante’s erkennen wollte.

Dem Fleische gab er zu starke hohe Lichter, und dieses schreibt Lanzi dem Umstande zu, dass der Künstler sich sehr nach Gräbügen gebildet habe. Die Wandgemälde des letzteren in Mailand, die Lomazzo und Scaramuccia nennen, sind untergegangen oder verdorben, nur in den Palästen Borri und Castiglioni sah Lanzi noch Bilder von Lazzari. Die Beschneidung Christi mit vielen Figuren, ehedem auf dem Hauptaltare der Cappella Porta nuovo, und der ewige Vater über diesem Bilde kam

in die Gallerie Melzi in Mailand. In der Carthause zu Pavia eine Capelle, die von ihm gemalt sein soll, und analog der Maler nach fand Lanzi ein Bild Bramante’s beim Ritter Melzi. Es stellt mehrere Heilige dar, mit schöner Perspektive. Die Malerei

der Carthause gefällt dem Kunstrichter Lanzi nicht durchaus. Ihm schienen die Verhältnisse plump, und auch die vollen Gesichter sprachen ihn nicht an, nur die alten Köpfe nennt er grossartig. I.€ag€gerl bemerkt von Quandt zur Wagner’schen Übersetzung von Lanzi’s Storia della pittura, dass ihm diese Figuren zwar alter- thümlich in der Zeichnung, aber von schönen Verhältnissen zu seyn schienen, so wie auch in den Mienen Schönheit ohne Affekt sich zeigt. Die Haltung dieser Gemälde ist sehr hell. Ein anderes Bild von Bramante ist in der Kirche der Incoronata zu Lodi, die G. Battagio nach dem Plane unseres Künstlers erbaut hatte. Sein Meisterstück in Mailand ist ein heil. Sebastian in der Kirche des Heiligen, wo kaum eine Spur des fünfzehnten Jahrhunderts sicht- bar ist. In S. Pancrazio zu Bergamo malte Bramante 1486 Bilder von Philosophen, und Morelli schreibt ihm daselbst auch eine Pieta zu, die Pasta für Lotto’s Arbeit gehalten. In Mailand bil- dete Bramante auch zwei Schüler, in iloll'o aus Manza und in Bartolomeo Suardi, mit dem Beinamen Bramantino. Nolfo malte in Mailand mehreres nach Lazzari’s Zeichnungen, wie in S. Sa- tiro und anderwärts, —

Nach dem Sturze Moro’s ging Bramante nach Rom, um daselbst einen neuen Schauplatz seines Ruhmes zu suchen. Der Cardinal Olivier Caraffa war der erste, der sich seiner annahm, indem er ihm den Auftrag ertheilte, das Chor des Klosters der „Fratri della Pace“ nach seiner eigenen Zeichnung aufzubauen. Diese Probe seiner Geschicklichkeit empfahl ihn dem Pabst Alexander VI., der jetzt durch ihn das päpstliche Wappen über die Hauptthüre der Laterankirche al fresco malen liess, da diese 1500 im Jubeljahre geöffnet wurde. Nach Vollendung der Arbeit nahm ihn der Pabst als Unterbaumeister in seine Dienste; noch günstigere Gelegenheit, sich zu zeigen, fand aber Bramante in dessen Nachfolger Julius II., Dieser beschloss nämlich gleich nach seinem Regierungsantritt, die päpstlichen Gärten im Belvedere durch zwei prächtige Gänge näher mit seinem Palaste zu verbinden, und die Ausführung übertrug er dem Bramante.

Nach seinem Plane sollte der 400 Schritte lange Raum nach der Seite von Belvedere zu einem Garten, der niedriger liegende, nach dem Palaste, zu einem Turnierplatz für Ritterspiele und Thier- kämpfe benutzt werden. Die Vereinigung sollte eine Terasse ver- mitteln, zu der man von dem letzteren hinauf, und vom Garten hinabstieg. Den Turnierplatz sollten in der Länge, über der Halle des Erdgeschosses, drei Reihen Logen umgeben, von denen die bei- den untersten Arkaden dorische Säulen haben, die dritte aber durch einen offenen Säulengang von korinthischer Ordnung gebil- det werden sollten. Hierauf sollte ein viertes mit Pilastern verzier- tes Stockwerk mit Fenstern folgen und eine ungeheure Nische mit theatralischen Sitzen schliessen.

Bei der Terrasse war ein Vorbau von gleicher Höhe mit drei Reihen Loggien projektiert: Den Garten sollte eine Reihe von Ar- kaden einschliessen, mit einem mit Pilastern verzierten Stock- werke mit Fenstern, Auf diese Weise würde sich der ganze lange Raum von den Fenstern des Palastes und den theatralischen Sitzen der Nische als ein herrliches und anmuthiges Ganze dem Auge dargestellt haben, mit der Nische von Belvedere und der Pinie zum Schlusspunkt.

Der Entwurf Bramante’s ist von Heinrich van Schoels gestochen, wie er ein 1565 im Belvedere gehaltenes Turnier darstellt. Julius II. war indessen so ungeduldig, diesen Lieblingsplan vollendet zu

sehen, dass er Tag und Nacht und mit einer Ueberhöhung arbeitete, welche späterhin die Veränderungen nothwendig machte, die wir jetzt erblicken. Doch war bei seinem Tode nur ein Theil der östlichen Gallerie vollendet, und der Grund zu der westlichen Langen Seite gelegt. Die beiden Architekten Gau und Liemann gaben 1817 eine Kupferplatte von diesem Gebäude heraus. In der neuesten Beschreibung Rom’s ist ebenfalls der Entwurf gestochen.

Julius II. konnte in seinem Feuereifer nicht ruhen, und bewegte ihn eine neue Idee. Schon Nicolaus V. fasste den Plan zum Bau einer neuen Peterskirche, aber erst Julius führte ihn aus, und die alte ehrenwürdige Basilika wurde mit einer fast unan- ständigen Eile niedergerissen. Dabei gingen manche schätzbare Reste alter Kunst verloren, die der Architekt hätte retten können, wenn auch die ungestüme Eile des Papstes wenig Zeit dazu übrig ließ. Julius wollte eine neue Kirche haben, in welcher, wie Va- sari und Condivi erzählen, sein großes prächtiges Grabmal, das Mich. Angelo verfertigen sollte, aufgestellt werden könnte, da in keiner der römischen Kirchen ein solcher Platz zu finden war. Die Ausführung wurde dem berühmten Baukünstler Bramante übertragen; allein sein Modell blieb unvollendet und sein Plan des Gebäudes ist nur durch unvollkommene Abbildungen auf Münzen Julius II. und Leo X. erhalten worden. Diese Münzen sind im Kupferstich bei Bonanni tab. I. p. 9. und die von Julius II. wurde nach Vasari (Vit. di Bramante) von Caradosso ver- fertigt. Sie zeichnen die Kirche in Form eines griechischen Kreuzes, in dessen Mitte sich eine grosse Kuppel zwischen zwei Glockentürmen erhebt, und an der Vorderseite eine von sechs Säulen getragene Vorhalle. Die Konstruktion der Kuppel hat uns Serlio in genauem Grund- und Aufriss bewahrt. Am 13. April 1506 wurde von dem Papst selbst der erste Stein des neuen Gebäudes zu dem Pfeiler der Kuppel gelegt, an welchem jetzt die Statue der heil. Veronika steht. Durch den Eifer und die Schnelligkeit, mit der sodann der Bau betrieben wurde, brachte Bramante, vor seinem im Jahre 1514 erfolgten Tod, nicht nur die vier ungeheuren Pfeiler zu Stande, auf denen sich die Bogen erheben, sondern er machte auch den Anfang zu den Tribunen des Mittelschiffes und des südlichen Querschiffes, so wie überdies zu einem dorischen Säulen geschmückten Bezirk für den Papst und seinen Hofstaat bei der Feier des päpstlichen Hochamtes, ein Werk, das später von Peruzzi beendigt, dann aber wieder zerstört wurde.

Noch zu seinen Lebzeiten wurde G. da San Gallo zum Baumeister der Peterskirche ernannt.

Bramante’s Werke gehören indessen zu den schönsten Denkmalen der neuern Baukunst in Rom. Sie zeigen zwar nicht den großartigen Charakter, wie einige Paläste in Florenz, aber einen sehr anmuthigen und zierlichen Stil. Als die vorzüglichsten in Rom sind der Palast Giraud, jetzt Torlonia, auf Piazza Scelsi cavalli, die Cancellaria und die Loggien im Cortile di S. Damaso des Vatikans anzuführen. Das Porta des Palastes Torlonia, wie es jetzt sich zeigt, ist ein geschmackloses Produkt des vorigen Jahrhunderts, das alte ist in Ferrerio palazzi di Roma de più celebri architetti abgebildet. Die Loggien von S. Damaso wurden unter Rafael’s Leitung im Pontificat Leo X. vollendet. Am Gebäude Cancellaria ist vornehmlich der Hof bemerkenswerth. Ihn geben zwei Stockwerke mit Arkaden von Säulen getragen, auf denen sich ein massives Gebäude erhebt, wodurch der Künstler Eindruck der Prächtigkeit, mit ungemeiner Zierlichkeit und Leichtigkeit

keit verbunden, hervorbrachte. Die kleine Kapelle mit den 16 freien Säulen von demselben Architekten, im Hofe des Klosters S. Pietro in Montorio, an der Stätte, wo, nach Einiger Meinung, der heil. Petrus den Martyrertod erlitten hat, ist ebenfalls ein an- muthiges Gebäude; aber der Charakter eines heidnischen Tempels, welchen dieses Gebäude so entschieden trägt, dürfte allerdings nicht dem einer christlichen Kapelle entsprechen. Eines der bedeutend- sten Werke der neueren Baukunst wäre ohne Zweifel der grosse Hof des Belvedere im vatiikanischen Palast nach der Idee des Bramante geworden, wenn der Entwurf dieses Künstlers durch dessen Tod nicht eine gänzliche Veränderung erlitten hätte.

Venuti erklärt in seiner Roma moderna den grossen Palast, jetzt Ospizio degli eretici convertiti, mit Unrecht für ein Werk des Bramante, was schon der Stil des Gebäudes beweist, der jenem des Bramante nicht ähnelt. Eben dieser Schriftsteller und Volk- mann halten diesen Palast irrtümlich für das Gebäude Rafael’s, welches Bramante errichtete. Jenes Haus wurde beim Bau der Colonnaden der St. Peterskirche niedergerissen. Dass Bramante mit Rafael in genauen Verhältnissen stand, ist bekannt, ebenso, dass er auf jenen unsterblichen Künstler grossen Einfluss ausübte. Rafael San- zio hatte für diesen seinen Verwandten hohe Verehrung, so wie denn Bramante überhaupt ein Mann von edlem Charakter war.

Bramante hat auch Handschriften hinterlassen, die aber erst 1756 in einer Privatbibliothek vorgefunden wurden. Es sind dies Auf- sätze in Versen und Prosa, Abhandlungen über Regeln der Archi- tektur und Perspektive. Man ersehen daraus zugleich, dass der Künstler alle schönen Gebäude, die ihm zu Gesicht gekommen waren, abgezeichnet habe. Auch die Teile des menschlichen Kör- pers zeichnete er. Dieser handschriftliche Nachlass Bramante’s ist auch durch Druck bekannt.

Es gibt auch Abbildungen von seinen Bauten, von Falda und Ferrerio, in den Nuovi disegni dell’ Architettura e piante di pa- lazzi di Roma. Falda hat die Blätter gestochen in 2 Theilen; Fer- rerio hat viele gezeichnet.

Dann gibt es ein Blatt: eine Perspektive mit Säulen, bezeich- net: BRAMANTE ARCHITETTI OPUS. Dieses sehr seltene Blatt wird dem Meister selbst zugeschrieben. Es ist in qu. fol.

Über diesen berühmten Architekten findet man in vielen Wer- ken Nachricht; die ausführlichste bei Milizia, Stieglitz, Quatremère de Quincé im Leben der berühmtesten Architekten und im Dictionaire hist. de l’architecture, in der Beschreibung Rom’s von Bunsen, Gerhard etc. u. s. w.

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